Kino

Robert Redford dreht in seiner letzten Filmrolle als Krimineller nochmal voll auf

Robert Redford. Fox/Key

Robert Redford. Fox/Key

Seine Rolle in «The Old Man & the Gun» wird seine letzte sein, sagt der 82-jährige Robert Redford. Es ist das Porträt eines smoothen Kriminellen.

Man geht mit dem Gefühl ins Kino, einer Abschiedsvorstellung beizuwohnen. Denn Robert Redford hat verkündet, dass sein Auftritt in «The Old Man & the Gun» sein letzter sein wird. Man wird den Schauspieler mit den strahlend blauen Augen und dem charmanten Lachen, den man in gefühlt tausend Filmen gesehen hat – (es waren in Wirklichkeit höchstens 80) – gern so in Erinnerung behalten: Als Mann, der etwas jenseits seiner allerbesten Jahre adrett gekleidet eine Bank betritt und geduldig wartet, bis die Reihe an ihm ist. Dann macht er ein bisschen Smalltalk, lüpft nebenbei die Jacke oder den Mantel, sodass der Mann oder die Frau hinter dem Schalter seine Pistole sieht, und murmelt dabei sinngemäss etwas wie: «Das ist mein Geschäft».

Der Kerl, sein Name ist Forrest Tucker, hat nicht nur stählerne Nerven, sondern auch Stil. Vor allem aber hat er pfundweise Charme und Charisma, sodass ihn die meisten Zeugen hinterher als zuvorkommenden, höflichen und freundlichen Gentleman beschreiben und oft gar nicht wissen, ob er eine Waffe dabei hatte.

Der erfolgreichste Bankräuber

Soweit die Sage. So auch das Bild, das David Lowery in «The Old Man & the Gun» von Forrest Tucker entwirft, der 1920 in Miami geboren, 2004 in einem Gefängnis in Texas gestorben de facto ein Schwerverbrecher war. Tucker war dreimal verheiratet und hatte zwei Kinder, alle seine Frauen gaben an, erst nach der Hochzeit durch die Polizei von den Gaunereien ihres Gatten erfahren zu haben. Tucker wurde mit 15 Jahren zum ersten Mal verhaftet und sass den grössten Teil seines Lebens hinter Gittern. Doch er war eben nicht nur einer der erfolgreichsten Bankräuber der USA, sondern auch ein geschickter Ausbrecher; sogar das legendäre Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz hat er auf eigene Faust wieder verlassen.

Lowery fächert Tuckers Leben als «beinahe wahre Geschichte» auf – ausgehend vom Jahr 1981, als dieser zusammen mit seinen Komplizen Teddy (Danny Clover) und Waller (Tom Waits) beginnend in Texas eine Räubertour quer durch die Staaten antritt. «Over-the-Hill-Band» nennt sich das Trio.

Tucker ist ihr Kopf und steht auch bei den Überfällen stets im Zentrum. Die Verfolgungsjagden, sofern es überhaupt dazu kommt, wirken im Vergleich zu den heutigen, geradezu gemütlich an und dürften Liebhabern von Oldtimern das Herz höher schlagen lassen. Mitten während einer solchen Verfolgungsjagd gabelt Tucker die am Strassenrand neben ihrem liegen gebliebenen Truck stehende Farmerin Jewel (Sissy Spacek) auf.

Kitsch? Quatsch!

Lowery hat «The Old Man & the Gun» mit feinem Gefühl für Stimmungen und Zeitkolorit inszeniert. Als melancholisch-zarte Liebesgeschichte, in der Spacek und Redford, notabene zum ersten Mal in einem Kinofilm Seite an Seite zu sehen, zurückhaltend zögerlich in eine späte Beziehung finden. Vor allem aber als fesselndes Porträt eines klugen und cleveren Mannes, der von seiner Leidenschaft selbst dann nicht loskommt, als der Schatten seines Verfolgers (Casey Affleck) bedrohlich über ihn fällt.

«The Old Man & the Gun» schrammt in einigen Szenen ganz knapp am Kitsch vorbei – wobei man sich allerdings regelmässig beim Gedanken ertappt, ob das wirklich Kitsch ist, was man da sieht, oder ob der Einsatz von so viel Weichzeichner in gewissen Filmgenres – wie dem Heistmovie – unseren Sehgewohnheiten einfach zuwiderlaufen. Tatsächlich nämlich ist «The Old Man & the Gun» über weite Strecken einfach nur cool. Retro-cool. Das Porträt eines smoothen Kriminellen, zugleich ein fesselndes Porträt Roberts Redfords als Schauspieler.

The Old Man & the Gun (USA 2018) 93 Min. Regie: David Lowery. Jetzt im Kino. Sterne: (4/5). 

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