Solothurner Filmtage

Roter Teppich, verspätete Promis und der Geist von Solothurn - alles zur Filmtage-Eröffnung

Acht Tage lang ist Solothurn die Metropole des Schweizer Films: Bundesrat Alain Berset hat am Donnerstag die 51. Filmtage eröffnet - und fragte sich angesichts der aktuellen Kinoerfolge von «Heidi» und «Schellen-Ursli», was mit dem Neuen Schweizer Film passiert ist.

Es war trotz des guten und trockenen Wetters kalt am Donnerstagabend, als man vor der Reithalle anstand, um seinen Platz zur Eröffnung der 51. Solothurner Filmtage einzunehmen. Ab 17 Uhr bildete sich die Warteschlange; ein roter Teppich war ausgelegt.

Die Stimmung war locker und fast familiär. Ungeachtet eines Pulks von Gästen, gab es kein Gedränge. Im Gegenteil. Immer mal wieder kam es zu «Stockungen», weil man in der Schlange alte Bekannte traf, sich begrüsste und schnell einen kurzen Schwatz hielt.

Solothurner Filmtage: Das Festival wird eröffnet

Solothurner Filmtage: Das Festival wird eröffnet

Neben dem Eingang fürs normale Publikum hatten sich die Presseleute positioniert. Auch hier war roter Teppich gelegt und ein kleines Zelt aufgebaut. Hier wurden die VIPs des Abends erwartet: die Filmcrew mit Regisseur Mano Khalil und seinen Stars, welche die Vorführung des Spielfilmes vor Publikum miterleben wollten. Und der Ehrengast, Bundesrat Alain Berset mit seiner Gattin, der von Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer und der Präsidentin des Vereins Solothurner Filmtage, Christine Beerli, jeweils in Empfang genommen wird.

Worauf sich Franziska Roth, Kantonsrätin und Gemeinderätin Solothurn, an den Filmtagen am meisten freut

Worauf sich Franziska Roth, Kantonsrätin und Gemeinderätin Solothurn, an den Filmtagen am meisten freut

In der gemütlichen Ansteh-Situation kam dann plötzlich doch noch Hektik auf, Scheinwerfer blitzten, die Fotografen begannen zu rangeln. Die Stars des Abends waren angekommen. Wie kommt man zum besten Bild?

Beat Käch, Kantonsrat und Gemeinderat Solothurn, zu den Filmtagen

Beat Käch, Kantonsrat und Gemeinderat Solothurn, zu den Filmtagen

Ein Abend mit etwas Verspätung

Unterdessen strömte das Publikum ins Foyer der Reithalle. Dann gab es doch ein Nadelöhr. Nämlich dort, wo man den abgedunkelten Vorführungsraum betrat. Jeder machte sich auf, seinen Platz zu finden, und eine Stimme aus dem Off verriet, man sei etwas verspätet. «Bitte nehmen Sie Ihre Plätze jetzt ein!»

Der Solothurner Regierungsrat Roland Heim zu den Filmtagen

Der Solothurner Regierungsrat Roland Heim zu den Filmtagen

Tatsächlich war halb sechs schon vorbei, als die Eröffnungsfeier hätte beginnen sollen, und erst etwa die Hälfte des Publikums sass an seinem Platz. Doch etwas später, nachdem auch die Prominenten ihre Plätze gefunden hatten, und keine Blitzlichter mehr aufleuchteten, konnte Christine Beerli den Abend eröffnen.

Pointierte Reden

Gewohnt routiniert zweisprachig sprach sie über ihren jeweiligen Jahreshöhepunkt in Solothurn und die Wichtigkeit des verbindenden Filmschaffens. Sie dankte nach allen Seiten.

Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer hielt eine gewohnt pointierte Rede, in der sie die Leistungen der Schweizer Schauspielzunft für einmal hervorhob. Und dann war es an Bundesrat Alain Berset.

Eigentlich habe doch der Neue Schweizer Film den idyllischen Heimatfilm schon Mitte der Sechziger Jahre abgelöst. Die Antwort gab sich Berset gleich selber: «Der Geist von Solothurn, der seit jeher nach einem realistischen Selbstbild unseres Landes strebt, erobert derzeit die Alpen.»

Denn «Heidi» wie auch Xavier Kollers «Schellen-Ursli» seien frei von «Alpenkitsch», «forcierter Swissness» und «Heimattümelei». Die Filme bemühten sich darum, die damalige Zeit wirklich zu begreifen. Von Rückschritt im Schweizer Film kann also keine Rede sein. Besonders nicht an den Filmtagen, die für eine dynamische Perspektive auf die Welt und die Schweiz selber stünden, so der Kulturminister (Auszug seiner Rede finden Sie hier).

Seraina Rohrer bat danach Regisseur Mano Khalil auf die Bühne. Er freue sich wahnsinnig, seinen ersten Spielfilm hier in Solothurn als Eröffnungsfilm zeigen
zu können, begann er. «Solothurn hat mir immer eine Chance gegeben. Schon Ivo Kummer, als ich meinen ersten Film, der 66 Franken kostete, hier zeigen konnte.»

Khalil erzählte noch von den schwierigen Drehbedingungen, die er mit seiner Filmcrew in Kurdistan angetroffen hatte, und wie die politische Lage seine Familie in der jüngsten Vergangenheit konfrontiere.

Trailer «Die Schwalbe» - ein Film von Mano Khalil

Trailer «Die Schwalbe» - ein Film von Mano Khalil

187 Filme stehen in den acht Tagen auf dem Programm der grossen Werkschau des Schweizer Films. Das Publikum erwarten Premieren wie «Der grosse Sommer», der letzte Film mit Mathias Gnädinger, oder «Welcome to Iceland», ein skurriler Roadmovie mit Marcus Signer.

Im Spezialprogramm Fokus widmen sich die Filmtage unter dem Titel "Gut besetzt!" der idealen Besetzung von Filmrollen. An erster Stelle stehen für einmal also die Schauspieler. Eine von ihnen ganz besonders: Die Bündner Theater- und Kinoschauspielerin Ursina Lardi ist der Ehrengast der diesjährigen Filmtage. Eine ganze Reihe an Filmen illustriert die Bandbreite ihres Schaffens.

Heidi Tagliavini in der Filmpreis-Jury

Enden werden die 51. Filmtage am Donnerstag mit der Vergabe des Publikumspreises «Prix du Public» und des renommierten «Prix de Soleure». Für letzteren sind neben «Die Schwalbe» als einzigem Spielfilm acht Dokumentarfilme nominiert.

Statistisch stehen die Chancen nicht allzu gut für Khalils bewegendes Drama: Noch nie hat die Jury den «Prix de Soleure» an einen Spielfilm verliehen. In diesem Jahr entscheiden die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch, der rumänische Regisseur Calin Peter Netzer sowie die Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini über die Auszeichnung. (fzr/sda)

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