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Sommer bedeutet in der Regel Kinoflaute – doch das könnte dieses Jahr aufgrund des Coronavirus anders sein

Schönes Wetter und Kino sind kein Widerspruch. Im heissen letzten Sommer hat manch einer das Kino als kühlen Rückzugsort entdeckt.

Schönes Wetter und Kino sind kein Widerspruch. Im heissen letzten Sommer hat manch einer das Kino als kühlen Rückzugsort entdeckt.

Vielleicht öffnen die Kinos am 8. Juni wieder. So könnten sie das kulturelle Vakuum füllen.

Und dann taucht es doch noch auf, das Kino. Zwar nicht an der Medienkonferenz des Bundesrates vom 29. April, aber gleichentags in einer Grafik, zusammen mit dem Theater: voraussichtliche Öffnung am 8. Juni. Darüber, ob die Kinos dann tatsächlich wieder öffnen dürfen, wie im provisorischen Ausstiegsfahrplan vom 29. April vorgesehen, wird der Bundesrat aber erst am 27. Mai abschliessend entscheiden.

Für die Kinos ist die Situation nach wie vor sehr unsicher. «Wir arbeiten mit Hochdruck an einem Schutzkonzept für die Kinosäle, das wir rechtzeitig an unsere Mitglieder schicken werden», sagt René Gerber, Generalsekretär von Pro Cinema. Der Dachverband der Schweizer Kino- und Filmverleihunternehmen entwickelt die Sicherheitsregelungen in Absprache mit den zuständigen Behörden. Dass diese schon nächste Woche an die Kinos kommuniziert werden können, dahinter steht ein grosses Fragezeichen. Dabei rechnet der Branchenverband selber für den Neustart mit einer Vorlaufzeit von vier bis sechs Wochen.

Wie, ob und wann? – Die grossen Fragen sind noch unbeantwortet

Zu den grossen Herausforderungen, welche die Kinos stemmen müssen, gehören aber nicht nur die Umsetzung der Schutzmassnahmen für die Gäste und das Personal. Wenn sie dann mal wissen, wie die genau aussehen, steht noch die Frage der Besucherzahl im Raum.

Gelten für einen Kitag- oder Pathé-Saal mit 400 Plätzen unter Einhaltung der Distanzregeln die gleichen Bedingungen wie für einen mit nur gut 100, oder dürfen maximal 50 Leute rein wie vor dem 13. März? Über das Versammlungsverbot von mehr als fünf Personen wird eben auch erst am 27. Mai beraten. Sandra Meier vom Kinok St.Gallen sagt:

«Aber natürlich freuen wir uns auf die Wiedereröffnung. Ob wir jedoch schon am 8. Juni parat sein werden, wissen wir nicht.» Die schlimmste aller Befürchtungen: Das Kino wieder schliessen zu müssen. Auch bei Frank Braun von der Zürcher Neugass Kino AG, welche die Kinos Riffraff und Houdini in Zürich sowie das Bourbaki in Luzern betreibt, scheint Unsicherheit durch:

Sommer ist Ferienzeit und bedeutet in der Regel Kinoflaute. Zudem machen Grossveranstaltungen in den Bereichen Sport und Musik den Kinos die Besucher abspenstig. Das ist dieses Jahr anders. Auch das Locarno Film Festival musste abgesagt werden. Trotzdem stehen nicht mehr Filme auf der Startliste. Gibt es überhaupt genügend Stoff für die vielen Leinwände?

In dieser Frage sind die Kinos von den Verleihern abhängig. Die wiederum davon, was die Nachbarländer machen, insbesondere Deutschland und Frankreich. Das neue Startdatum für den deutschen Spielfilm «Undine» von Christian Petzold, der 11. Juni, ist auch bereits wieder überholt. «‹Undine› wurde verschoben und wird neu mutmasslich am 9. Juli starten – aber auch dies unter Vorbehalt», sagt Marco Brazerol von der Filmcoopi Zürich. «Unser Neustart im Juni wird voraussichtlich ‹It Must Be Heaven› sein, den wir zurzeit für den 18. Juni angesetzt haben.» Mehr Klarheit betreffend Startdaten erhofft sich Brazerol in den nächsten zwei Wochen.

Was für neue Filme für den Sommer verfügbar sind, weiss noch niemand mit Sicherheit. Mit den ersten internationalen Blockbustern ist frühestens im Juli zu rechnen. So soll Christopher Nolans Spionage-Zeitreise-Actiondrama «Tenet» am 16. Juli in die Deutschschweizer Kinos kommen. Startdaten könnten aber weiterhin ändern, ergänzt Warner Bros. Schweiz. Das Gleiche gilt für Disney: Mit der Spielfilmversion von «Mulan» soll am 23. Juli der Coronaneustart in der Deutschschweiz lanciert werden.

Mit Sicherheit werden Filme erneut den Weg ins Kino finden, die vor der Schliessung am 16. März erst wenige Tage liefen, wie etwa «Mare» von Andrea Štaka oder «La vérité» von Hirokazu Kore-eda. Im Verlauf der nächsten Woche werden die Kinos eine «Corona-Restart-List» erhalten; eine Liste mit allen Filmen, die für eine Wiedereröffnung zur Verfügung stehen.

Kommen die Gäste? – Es besteht Grund zur Zuversicht

Bei aller momentanen Unsicherheit besteht für die Kinos aber hinsichtlich Besucherinteresse Grund zur Zuversicht. Sandra Meier vom Kinok St.Gallen und Franz Kälin von der Cineboxx Einsiedeln nehmen direkt Bezug auf die Umfrage der deutschen Fachzeitschrift «Blickpunkt:Film» zur Freizeitgestaltung nach den Lockerungen. Danach wollen 69 Prozent der Befragten wieder ins Kino – es ist der höchste Wert. «Wir denken, in der Schweiz dürfte es ähnlich sein», sagt Kälin.

Ob Kinoketten wie Kitag oder Pathé, Arthouse-, Programm- oder Landkinos: Unter Berücksichtigung und Einhaltung von Sicherheitsabständen, Hygiene- und Reinigungsmassnahmen will man den Kinobetrieb so früh wie möglich wieder aufnehmen. Die Besucher, ob alt oder jung, sollen sich sicher fühlen und unbeschwert einen guten Film geniessen können, und zwar auf der grossen Leinwand.

Das eigene Streamingportal der kult.kino Basel, myfilm.ch, habe zwar durch den Lockdown einen erheblichen Schub erhalten, teilt Co-Geschäftsleiterin Gini Bermond mit, «doch stiegen unsere Zahlen auch vor der Krise stetig». Kuratierte Filme im Streaming sind ein Zusatzangebot, das Kinoerlebnis bleibt unersetzlich. Das zeigt sich gerade jetzt.

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