Ganz poetisch – mit einer Vogelformation am Himmel – endet der vorletzte «Tatort» aus Luzern. Die 90 Minuten davor jedoch sucht man vergebens nach einem Idyll.

Nein, «Ausgezählt» bietet keine Innerschweizer Postkartenmotive, keine tourismustauglichen Luzern-Impressionen, keine Schönheit und keine Behaglichkeit. Allenfalls bietet diese Folge so etwas wie die Schönheit des Unverblümten: Ganz zu Beginn etwa die Schnörkellosigkeit einer rechten Geraden bei einem Boxkampf zweier junger Profisportlerinnen.

Vom Boxring ist es nicht weit zum Kellerverlies, in welches die Siegerin von ihrem Manager gesteckt wird, um sie zur Räson zu bringen: Nach dem Tod ihrer Gegnerin, verursacht nicht zuletzt durch Doping, möchte Martina Oberholzer (Tabea Buser) jedem weiteren derart gepushten Erfolg entsagen und einen Schlussstrich ziehen. Dumm nur, dass ihr renitenter Manager Sven Brügger (Urs Humbel) erschossen wird, kaum dass er Martina eingesperrt hat. Das Wissen um die Koordinaten des Kellerlochs nimmt er mit ins Jenseits.

Ein Boxkampf leitet den vorletzten «Tatort» aus Luzern ein. Rau geht es dann auch weiter: mit einer Kellergeisel und viel Zoff im Knast. (Bild: SRF/Daniel Winkler)

Ein Boxkampf leitet den vorletzten «Tatort» aus Luzern ein. Rau geht es dann auch weiter: mit einer Kellergeisel und viel Zoff im Knast. (Bild: SRF/Daniel Winkler)

Vom Kellerverlies wiederum ist es nur ein Katzensprung ins Gefängnis, in welches sich Heinz Oberholzer (Peter Jecklin) – Ex-Polizist und Onkel von Martina – begeben will, um beim Drahtzieher des Dopingrings, Pius Küng (Pit-Arne Pietz), den Aufenthaltsort der Geisel in Erfahrung zu bringen. Oberholzer bekennt sich nicht nur schuldig des Mordes am Manager, sondern nutzt auch seine frühere Arbeitsbeziehung zu Kommissarin
Liz Ritschard (Delia Mayer) für den Zweck, ohne Umwege als verdeckter Ermittler in
den Knast eingeschleust zu werden.

Ein Konflikt zwischen Ritschard und Kollege Flückiger (Stefan Gubser) ist programmiert: «Was läuft da, Ritschi?», fragt Flückiger leicht aufgescheucht die Kollegin, die plötzlich ein Geheimnis aus der beruflichen Vergangenheit mit sich herumträgt. Im vorletzten Fall dürfen die Luzerner Kommissare noch schnell ihre Loyalität testen.

Gedreht wurde übrigens weder in der JVA Grosshof in Kriens noch in der JVA Wauwilermoos, sondern im Aargau, in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg. Das Drehbuch stammt von Urs Bühler, der auch den neunten, 2015 hoch gelobten Luzerner «Tatort», Titel «Ihr werdet gerichtet», schrieb. Ein solcher Geniestreich ist «Ausgezählt» jedoch nicht. Die Schnörkellosigkeit einer rechten Geraden geht diesem Genrestück letztendlich ab.

Die aktuellen «Tatort»-Kommissare: