Serien sind die besseren Filme. Immer öfter. Von ihnen strahlen die neuen kreativen Impulse aus. Solche Aussagen gehen mittlerweile auch angesehenen Regisseurinnen und Regisseuren des nichtkommerziellen Kinos über die Lippen. «Amerikanische Fernsehserien scheinen heute ein sehr kreativer Pool zu sein», sagte etwa der argentinische Filmmeister Eliseo Subielo vergangene Woche bei einem Gespräch im Basler Stadtkino.

Vor allem der Fernsehprogrammanbieter HBO ist bekannt für innovative Serien wie «Homeland», «The Wire» oder, früher, «The Sopranos» und «Six Feet Under». Angeblich dreht derzeit Regisseur Steven Soderbergh Hollywood den Rücken zu und wendet sich an HBO, um unter dessen Dach eine Mini-Serie zu drehen. Viele Filmemacher erzählen, dass ihnen HBO alle künstlerischen Freiheiten lasse.

Viele Filmgrössen drehen Serien

Die aktuellsten Serien werden von bekannten Filmgrössen inszeniert und mit hervorragenden Schauspielern besetzt, sie haben eine gute Geschichte und eine interessante Ästhetik. Der nächste Schritt liegt nah: Solche Serien sind zu schade fürs Fernsehen; solche Serien gehören auf die Leinwand. Vor allem, wenn sie so bildgewaltig sind wie Jane Campions «Top of the Lake».

Es ist eine kleine Sensation: Gleich nach den Festivals Sundance und der Berlinale darf nun das Basler Filmfestival Bildrausch diese Mini-Serie der bekannten, australischen Regisseurin in voller Länge im Stadtkino Basel zeigen – als Epilog, denn das Festival ist eigentlich schon lang vorbei. Sekundiert wird Basel von Zürich: Das Arthouse-Kino tritt als Partner auf.

«Wir haben neun Monate dafür gekämpft und gegen 300 Mails geschrieben, um die Serie als Dritte zeigen zu dürfen», sagt Nicole Reinhard, Direktorin des Stadtkinos. Im Spiel waren wohl auch ihr Charme sowie Schweizer Schokolade.

Die Mystery-Serie erntete in Sundance und Berlin viel Applaus beim Publikum, aber einige weniger begeisterte Kritiken von Filmjournalisten. Atemberaubend seien die Landschaftsaufnahmen der Südinsel Neuseelands, sind sich alle einig. Nicole Reinhard spricht zudem von einer «grossen Erzählkunst» und einer «wunderbaren Dreistigkeit und Wildheit». In den Hauptrollen spielen Elisabeth Moss (Peggy in «Mad Men»), Holly Hunter, Peter Mullan, David Wenham und Thomas M. Wright. Jane Campion (59) hat 1993 für «Das Piano» als erste Frau die Goldene Palme gewonnen.

Top of the Lake ist ihre erste Fernsehserie. Gezeigt werden die 350 Minuten kommendes Wochenende am Stück, mit einer grösseren Pause – in Basel gibt es Gerstensuppe. «Binge Viewing» nennt man einen solchen Filmmarathon. Auch ein neuer Serien-Trend.

«Top of the Lake» läuft am 12. Oktober ab 15 Uhr im Stadtkino Basel; am 13. Oktober ab 13 Uhr im Zürcher Kino Uto.