Na so was! Zwei Sieger-Teams, das gibt es eigentlich nie bei Langstreckenrennen. Und Film ist zweifelsfrei eine Disziplin, die einen langen Schnauf erfordert. Das zeigt sich am Beispiel von Jeshua Dreyfus. Der Basler begann vor sechs Jahren, da war er noch Mitte Zwanzig, an seinem Spielfilm «Sohn meines Vaters» zu arbeiten. Nun wird er mit dem Basler Filmpreis geehrt.

Was sein Werk ausmacht, konnte man am Montag an der Preisverleihung im Gare du Nord nur erahnen: Denn sein Film ist noch in keinem Kino und an keinem Festival gelaufen. Die öffentliche Präsentation am Mittwochabend im Stadtkino Basel (18.30 Uhr) steht für eine Uraufführung.

Die eigentliche Premiere wird aber erst 2019 erfolgen, im Rahmen eines Festivals. In die Kinos kommt Dreyfus’ Film dann im März. Das verdeutlicht die langen Prozesse, die im Filmgeschäft üblich sind. Und es erklärt, warum dieser von einer Zürcher Produktionsfirma unterstützte Film überhaupt nominiert war: Dreyfus lebt zwar mittlerweile nicht mehr in Basel, als er aber erstmals Fördergelder beantragte und erhielt, war das noch anders. Gemäss Reglement ist er deshalb für den Basler Filmpreis zugelassen.

Besondere Erwähnung

«Sohn meines Vaters» war einer von drei Filmen, den die dreiköpfige Fachjury (David Bernet, Reta Guetg und Ute Holl) aus elf eingereichten «Kinofilmen» nominierte und schliesslich erneut beurteilte, da dasselbe Trio auch die Gewinner kürte. Dass die Jury mit «Letztes Jahr in Utopia» in dieser Kategorie einen zweiten Film aufs Podest stellte, irritiert. Wenn sich Jurys in Locarno, Berlin oder Cannes trotz grosser Anzahl für einen einzigen Siegerfilm entscheiden können, warum soll das in Basel nicht auch zwingend sein?

Eine Begründung dafür findet sich in der Ausrichtung des Preises: Der Basler Filmpreis ist Teil des neuen Förderkonzepts der Halbkantone, das seit drei Jahren in Kraft ist. Jährlich stehen 60 000 Franken für Preise zur Verfügung, welche die Jury in verschiedenen Kategorien verteilen darf. Dabei kann sie in einer Kategorie auch zwei Preise vergeben. Oder einen Sonderpreis aussprechen. Letzteres ist eine gute Idee, mit einer «Special Mention» wie es im Jargon heisst, einer besonderen Erwähnung, hebt man an Festivals eine besondere Leistung hervor: So wie im vergangenen Jahr der mit 10 000 Franken dotierte Spezialpreis für den Sounddesigner Tobias Koch.

Doch beim Basler Filmpreis 2018 konnte sich die Jury offenbar nicht für eine solche Lösung entscheiden, auch nicht für einen einzigen Siegerfilm, also ehrte sie einfach zwei der drei Nominierten. Ein unglücklicher Entscheid, nicht nur für den Dritten, Daniel Zimmermann, der mit seinem Dokfilm «Walden» leer ausging. Sondern auch, weil ein «doppelter Filmpreis» an Strahlkraft verliert und beliebiger wahrgenommen wird.

Zum Vergleich: Beim Basler Pop-Preis – mit 15 000 Franken bescheidener dotiert, aber ebenfalls als Spitzenförderung installiert – kam es in zehn Jahren nie zu einer Doppel-Auszeichnung, obschon gute Gründe dafür sprachen. Auch beim Pop-Preis werden unterschiedlichste Genres miteinander verglichen, auf hohem Niveau. Und allein in diesem Jahr waren mit Zeal & Ardor und Audio Dope zwei Künstler nominiert, die mit qualitativer Musik auf Spotify ein internationales Millionenpublikum erreichen. Dennoch entschied sich die Jury nur für einen Sieger. Gut so.

Äpfel, Birnen, Quitten

Dass die Wahl eine Qual ist, liegt in der Natur von Kulturjurys. Vielleicht wäre es sinnvoll, das Juryboard beim Filmpreis zu erweitern, auf fünf Personen. Doch auch dann läge die Schwierigkeit der Juryarbeit darin, dass sie Äpfel mit Birnen und in diesem Fall sogar noch mit Quitten vergleichen muss, werden für den Basler Filmpreis doch unterschiedlichste Arbeiten eingereicht, vom Dokumentar-, Spiel- bis zum Animationsfilm.

Das macht es nicht einfach und erklärt ein Stück weit, warum sowohl Jeshua Dreyfus als auch Katharina Knust und Jana Magdalena Keuchel den Filmpreis erhalten haben. Die Jury wollte auch den experimentelleren Dokumentarfilm «Letztes Jahr in Utopia» und damit eine andere Form der Filmkunst auszeichnen. Warum diese durch und durch deutsche Produktion für den Basler Filmpreis nominiert war, erschloss sich einem bei der Preisverleihung allerdings nicht. Erst durch Nachfragen erfuhr man: Eine der beiden Filmemacherinnen ist in Basel wohnhaft.

Wenn der Basler Grosse Rat am 5. Dezember mit dem Kanton Baselland gleichzieht und die Filmförderung für drei weitere Jahre erneuert, was zu begrüssen wäre, dann bietet sich für die Kulturabteilungen die Gelegenheit, nochmals über die Bücher zu gehen. Zum Beispiel auch nicht mehr von «Kinofilmen» zu reden. Das ist im Netflix-Zeitalter doch eine überholte Formulierung. Besser, man würde von Langfilmen sprechen. Solche Feinjustierungen, auch beim Reglement des Filmpreises, wären zu empfehlen. Um den Preis selber zu stärken.
Sohn meines Vaters läuft heute um 18.30 Uhr im Stadtkino Basel. Freier Eintritt.