Kolumne
«Glamour, mon amour»: Wenn Brad Pitt auf der Speisekarte steht

Unsere Autorin Simone Meier schreibt diese Woche über einen Film, in dem Brad Pitt schon 2013 den Christian Drosten von 2020 verkörpert.

Simone Meier
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Zombies sind seit Jahrzehnten ein beliebtes Gruselmotiv.

Zombies sind seit Jahrzehnten ein beliebtes Gruselmotiv.

Bild: Keystone

Mögen Sie Zombie-Filme? Ich ahne schon, 95 Prozent von Ihnen schütteln jetzt den Kopf. Aber 5 Prozent nicken begeistert. Zombie-Filme gehen so: Ehemalige Menschen, die sich in einem unappetitlichen Kompoststadium befinden, haben Appetit auf lebendige Menschen, es stellt sich die Frage, wer wen besiegt, aber das ist alles nicht so schlimm, weil wir ja genau wissen, dass es Zombies gar nicht gibt. Ich habe mir neulich ein paar Zombie-Filme reingezogen, ich war überarbeitet, und das Innere meines Kopfes befand sich auch in einer Art Kompoststadium.

Einer der Filme ist aus dem Jahr 2013, heisst «World War Z» und gilt als Antiklassiker, denn normalerweise wanken Zombies so langsam durch die Gegend wie ein lampiger Lauch, aber da sind sie rasend schnell. Vielleicht, weil auf ihrer Speisekarte Brad Pitt steht, und der ist ja noch immer eins der verlockendsten Angebote, seit es Schauspieler gibt. Der Regisseur von «World War Z» ist übrigens unser Schweizer in Hollywood, nämlich Marc Forster, ein Mann, der erstens irrsinnig nett ist und den ich zweitens sehr bewundere.

Nicht für jeden seiner Filme, aber etwa für jeden zweiten, und ja, auch für den Bond-Film «Quantum of Solace», den einige für den schlechtesten Bond aller bisherigen Zeiten halten, während andere ihn ästhetisch vollkommen und psychologisch hochspannend finden. Marc Forster hat auch mit Johnny Depp und Kate Winslet die Geschichte des Autors von «Peter Pan» verfilmt und mit Ewan McGregor die Geschichte von Christopher Robin, dem Freund von Winnie-the-Pooh. Da fällt mir ein: Ich hatte mal ein Meerschweinchen namens Pooh. Leider war es nicht annähernd so unsterblich wie der Pooh-Bär …

Item, auch Marc Forsters Zombie-Film ist natürlich symbolisch zu verstehen, schliesslich stehen Zombies, die es nicht gibt, immer stellvertretend für etwas Fürchterliches, das es wirklich gibt. In diesem Fall stehen sie für … na, was ist das Wort, das ähnlich klingt wie Poohs schwarz-weisser Verwandter, der Pandabär? Genau! Die Zombies bei Marc Forster stehen für eine weltweite Pandemie.

Jeder Zombie ist quasi eine schnelle, effiziente, aber ansonsten eher simpel gestrickte Corona-Virenkugel. Logisch, dass es da einen virtuosen, attraktiven Wissenschafter wie Brad Pitt – der Christian Drosten von 2013 – braucht, der eine Schutzimpfung entwickelt. Natürlich ist bei der Impfung mit Nebenwirkungen zu rechnen, aber wenigstens denken die Zombies nicht mehr automatisch «Essen!», wenn sie einem Menschen begegnen, sondern einfach nichts.

Marc Forster entwickelt in seinem Werk das Motiv der Schutzimpfung übrigens wacker weiter. In der noch nicht gedrehten Komödie «The Cow» wird Ewan McGregor einen amerikanischen Piloten spielen, der im Zweiten Weltkrieg abgeschossen wird und sich mit Hilfe einer Kuh gegen die Nazis schützt. Ob das wirklich eine gute Idee ist, kann ich noch nicht abschätzen, aber ich wünsche Marc Forster an dieser Stelle viel Glück und freu mich drauf.

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