Kultur

Hat Popstar Billie Eilish etwa ein wenig von Greta Thunberg?

Die grüne Billie Eilish mit ihren 5 Grammys hat das Potenzial zur Greta des Pop.

Die grüne Billie Eilish mit ihren 5 Grammys hat das Potenzial zur Greta des Pop.

Noch nie ist es bisher einer Frau gelungen, bei den Grammy Awards alle Hauptkategorien zu gewinnen. Billie Eilish hat es geschafft und zwar absolut verdient.

Die inzwischen 18-jährige Amerikanerin kann nicht auf Teenie-Pop reduziert werden. Zu philosophisch, zu poetisch sind ihre Texte, zu vielschichtig und emotional ist ihre Musik, die sie auf ihrem letztjährigen Debütalbum «When We All Fall Asleep, Where Do We Go?» präsentiert. Die Popwelt hat einen neuen Superstar. Doch wofür steht Billie Eilish?

Wie keine andere Kunstgattung kann Pop Probleme der Zeit, Stimmungen und Strömungen abbilden und transportieren. Auch Billie Eilish macht das. Mit ihrer dunklen, düsteren Musik transportiert sie die Zukunftsängste, Zweifel und Endzeitstimmungen ihrer Generation.

Überhaupt ist Pop wieder zum Seismografen von politischen, gesellschaftlichen und sozialen Erschütterungen geworden: Bei MeToo, beim Brexit, bei Fremdenfeindlichkeit und Rassismus haben sich Popmusiker zu Wortführern des Protests aufgeschwungen. Das ist jetzt auch bei den Grammy-Verleihungen deutlich geworden.

Kein Soundtrack zur Klima-Jugend

Die Preise für Billie Eilish, Lizzo & Co. können als Statement für Gleichberechtigung, Frauenrechte, für Selbstbestimmung und Selbstliebe gelesen werden. Die Grammys für den im letzten Jahr ermordeten Rapper Nipsey Hussle richten sich gegen Gewalt und Bandenkriminalität. Dazu sind die Preise an die vermutlich schwulen Rapper Lil Nas X und Tyler, the Creator ein Fingerzeig an die latent homophobe Hip-Hop-Szene.

Nur zur Klima-Erwärmung und der Klima-Jugend schweigt Pop. Das ist umso auffälliger und störender, als sich Jugendbewegungen und Subkulturen in der Pophistorie stets auch über Musik definiert haben. Nur die Klima-Jugend nicht. Pop hat es bisher nicht geschafft, einen Soundtrack zur Klima-Jugend zu schreiben. «Die Musik hat ihre bindende Kraft verloren», so lautet das harte Verdikt des Pop-Chronisten Jon Savage. «Teenager benötigen sie nicht mehr. Um sich als Teil einer Subkultur zu definieren», sagt er im Magazin «musikexpress».

Kann sie ein Vorbild sein?

Billie Eilish hat durchaus das Zeug zur Greta der Popmusik. Mit der Ikone der Umwelt-Jugend teilt sie die unbedingte Ernsthaftigkeit und die Erfahrung einer verunsicherten, verzweifelten Generation. Doch eine eigentliche Mission hatte sie bisher nicht. Das soll sich jetzt ändern: Ihre im März beginnende «Where Do We Go»-Welttournee will sie umweltfreundlicher gestalten: An ihren Konzerten sind Plastikstrohhalme und Einwegflaschen verboten.

Genügt das? Ist das glaubhaft? Das Problem ist, dass Pop-Superstars wie Billie Eilish, die für ihre Konzerte mit dem Flugzeug um die Welt jetten, kaum als Vorbilder, als Botschafter für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt taugen. Auch der ökologische Fussabdruck der 18-jährigen Amerikanerin ist bestimmt nicht positiv.

Kann er gar nicht sein. Doch immerhin versucht sie es, die Herausforderungen beim Namen zu nennen und eigene Wahrheiten und Visionen zu entwickeln. Das ist immer noch besser, als zu schweigen. Nein, Billie Eilish wird die Welt nicht retten. Aber immerhin setzt sie ein Zeichen und ist ein wenig Greta.

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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