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Hugh Grant entdeckt im neuen Film «The Gentlemen» das Schmuddelfach für sich

Hugh Grant als schmieriger Privatdetektiv Fletcher in «The Gentlemen».

Hugh Grant als schmieriger Privatdetektiv Fletcher in «The Gentlemen».

In Guy Ritchies Film «The Gentlemen» bricht der auf romantische Komödien abonnierte Schauspieler mit seinem Image.

«Ich fühle mich je länger je wohler in abscheulichen Rollen. Je abscheulicher desto besser», sagt Hugh Grant genüsslich. Berühmt geworden mit romantischen Komödien wie «Four Weddings and a Funeral» und «Notting Hill», spielt der inzwischen 59-jährige britische Schauspieler nun den schmuddeligen Privatdetektiv Fletcher in Guy Ritchies neuem Film «The Gentlemen», der derzeit in den Schweizer Kinos läuft.

Angestellt von einem Londoner Klatschblatt, heftet sich Fletcher an die Fersen des Marihuana-Königs Mickey Pearce (Matthew McConaughey). Mickey möchte seine Plantagen, die er heimlich auf Landsitzen des verarmten Adels bewirtschaftet, verkaufen und sich zur Ruhe setzen. Die interessierten Käufer umwerben ihn mit drastischen Mitteln. Wie in den schnittigen Gangster-Komödien von Guy Ritchie («Lock, Stock and Two Smoking Barrels»,«RocknRolla») üblich, ist die Handlung mit Leichen gesät und konfus.

Zumindest Fletcher glaubt zu wissen, was abgeht. Deshalb versucht er das Pearce-Lager mit einem Drehbuch zu erpressen, in dem er sein Wissen festgehalten hat. Es dient als Basis für die Rückblenden-Erzählstruktur von «The Gentlemen».

Selbst von Privatdetektiven verfolgt

Dass Hugh Grant hier mit seinem Image bricht und in die Rolle des schnoddrigen Schnüfflers schlüpft, ist der Selbstironie des Schauspielers zu verdanken:«Privatdetektive, die für die Boulevard-Presse arbeiteten, haben mein Telefon gehackt, sind bei mir eingebrochen und haben meine Krankenakte gestohlen», erinnert er an den britischen Hacking-Skandal von 2011.

Damals flog auf, dass die Regenbogenpresse jahrelang sein Telefon angezapft hatte. Grant verklagte Murdochs Boulevard-Blätter erfolgreich und kämpft seither für die Umsetzung von Presse-Reformen.

«Ein paar dieser Privatdetektive haben inzwischen auf meine Seite gewechselt, weil die wirklich Verantwortlichen ungestraft davon kamen.» Hugh Grant traf sich mit dem einen oder anderen zum Lunch; liess sich für Fletchers Look von ihnen inspirieren.

Frieden hat er mit der Boulevardpresse nach wie vor nicht geschlossen. Zum Thema Megxit sagt er: «Wenn ich Harry wäre, dessen Mutter quasi von den britischen Zeitungen ermordet wurde und die nun seine Frau auseinandernehmen, würde ich auch schützende Massnahmen ergreifen.»

Hugh Grant ist auch sonst eine der lautesten Showbiz-Stimmen aus London geworden, die mit ihrer Frustration nicht mehr hinter dem Berg halten. Wie viele britische Künstler kritisierte er den Brexit. Im Dezember ging er sogar von Tür zu Tür, um seine Mitbürger zu bitten, strategisch gegen Boris Johnson zu stimmen. Vergebens.

Der Brexit ist eine Katastrophe

«Es ist eine Katastrophe. Wir sind erledigt», meint er zur aktuellen Lage.

Das macht ihn traurig. Makaber scherzend antwortet er auf die Frage, wie er seinen 60. Geburtstag im September feiern werde: «Bei Dignitas in der Schweiz.»

In Wahrheit wird es eine Party mit seinen Polit-Freunden in London geben. Aber den Lebensabend wie der «Lolita»-Autor Vladimir Nabokov am Genfersee zu verbringen, ist für Grant durchaus erstrebenswert: «Ich könnte mir vorstellen, wie er in einem Grandhotel mit Blick auf den See zu leben, Schmetterlinge zu jagen und mich mit meiner Frau auf den Besuch der Kinder zu freuen.»

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