Kultur

Im Kino lebt Bruno Ganz weiter

August Diehl als Bauer Franz Jägerstatter und Bruno Ganz als Nazi-Militärrichter Werner Lueben.

August Diehl als Bauer Franz Jägerstatter und Bruno Ganz als Nazi-Militärrichter Werner Lueben.

Cannes – In seinem letzten Film verkörpert Bruno Ganz einen Nazi-Richter. «A Hidden Life» von Terrence Malick ist im Rennen um die Goldene Palme.

Es gehört zur Magie des Kinos, dass geliebte Filmgrössen auf der Leinwand ewig weiterleben. Bruno Ganz, am 16. Februar im Alter von 77 Jahren seinem Krebsleiden erlegen, bleibt unvergessen als Engel in «Der Himmel über Berlin», als Alpöhi in «Heidi» oder als Hitler in «Der Untergang». Er stand für internationale Regiestars wie Werner Herzog oder Wim Wenders, in den letzten Jahren für Ridley Scott oder Lars von Trier vor der Kamera. Zweifelsohne war er der grösste Schauspielstar, den die Schweiz je hervorgebracht hat.

Und es gehört zu den vielleicht ein bisschen seltsam anmutenden Dingen des Kinos – der langen Produktionszeit geschuldet –, dass ein Schauspieler in einer neuen Rolle quasi wiederauferstehen kann. Für «The Hidden Life» arbeitete Bruno Ganz erstmals mit dem US-amerikanischen Regisseur Terrence Malick zusammen. Am Sonntag feierte der Film im Wettbewerb von Cannes Weltpremiere.

Der Film beruht auf einem realen Fall

Autorenfilmer Malick, bekannt geworden mit «Badlands» oder «Der schmale Grat», widmet sich seit «The Tree Of Life» aus dem Jahr 2011 den grossen Fragen: «Why did You create us?», «Warum, Gott, hast du uns erschaffen?». Auch «The Hidden Life», beruhend auf dem realen Fall des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der, als er 1943 erneut eingezogen werden soll, den Dienst verweigert, ist religiös überladen. Der Krieg, eine Welt aus Leiden, Kälte, Hunger, Tod und Zerstörung, beginnt auch die bäuerliche Idylle zu korrumpieren, als ein einfacher, gottesfürchtiger Familienvater versucht, das Richtige zu tun.

Kurzer, aber einprägsamer Auftritt von Bruno Ganz

Es sind schon gut zwei Stunden um, als Bruno Ganz für ein paar Minuten in Erscheinung tritt. Aber, so haben wir ihn in Erinnerung, der Schauspieler brauchte nicht viel Leinwandzeit, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. In der Rolle des deutschen Generaloberstabsrichters Werner Lueben ist er es, der über Tod oder Leben entscheiden muss. Er sitzt da, in der Mitte seiner Richterkollegen, und man weiss erst nicht, blicken diese Augen kalt, oder ist es etwas anderes. Dann bittet Lueben den der Wehrkraftzersetzung angeklagten Jägerstätter überraschend ins Richterzimmer zu einem Gespräch unter vier Augen und setzt an: «Sie werden den Verlauf dieses Krieges nicht ändern. Die Welt wird weitermachen wie bisher, und ein anderer wird Ihren Platz einnehmen.» Nicht ganz unverhofft kommt dann des Richters Frage: «Verurteilen Sie mich?» Nachdem Jägerstätter den Raum verlassen hat, sieht man Lueben noch ein paar Sekunden dasitzen, die Hände auf den Oberschenkeln. Ein von Zweifeln und Schuld zerfressener Mann, alt und müde. Es ist Bruno Ganz’ letzter Film, und der Schweizer zeigt noch mal sein ganzes Können: sympathische und abscheuliche, in sich widersprüchliche Figuren mit Charakter und Emotionen zu füllen, dass sie glaubhaft sind.

Hinweis
Noch kein Startdatum bekannt.

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