Neue Musik trifft Jazz
Duoplus-Reihe: «Im Trio macht’s am meisten Spass»

Er kommt vom Jazz her, sie von der Neuen Musik: Peter Schärli und Sylwia Zytynska lancieren eine zweite Staffel ihrer «Duoplus»-Reihe: Je neun Konzerte mit Specialgästen in Basel, Aarau und Luzern.

Pirmin Bossart Jetzt kommentieren
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Neue Musik trifft Jazz: Peter Schärli und Sylwia Zytynska im «Duoplus».

Neue Musik trifft Jazz: Peter Schärli und Sylwia Zytynska im «Duoplus».

Die letztjährigen Konzerte in der intimen «Duoplus»-Reihe haben gezeigt, was die freie Improvisation kann, wenn es funkt zwischen den Musikern und auch zwischen Musikern und Publikum. Zwischen Peter Schärli und Sylwia Zytynska hat es schon vor 20 Jahren gefunkt. «Wir haben damals im Schweizer Pavillon im Hannover gespielt, später auch in einem Quartett mit Lauren Newton und Jean-Jacques Pedretti», sagt Sylwia Zytynska. «Wir hatten sofort eine Sympathie füreinander.» Das sei ein wichtiges Kriterium, sagt die Vibrafonistin. «Wenn man sich im Gespräch und als Person gut versteht, ist der Weg nicht weit, dass man auch gerne und gut miteinander Musik spielt.»

Von der Klassik zur Improvisation

Letztes Jahr haben Schärli und Zytynska in Basel, Aarau und Luzern ihre «Duoplus»-Reihe lanciert und mit Gästen wie Charlotte Hug, Co Streiff, Saadet Türköz, Gerry Hemingway oder dem Schriftsteller Klaus Merz gespielt. Nun wird die Reihe mit neun weiteren musikalischen Begegnungen fortgesetzt. Neben erfahrenen Musikern und Musikerinnen wie Lauren Newton, Fritz Hauser, Jacques Widmer und Jonas Kocher ist diesmal mit Mathilde Raemy (Cello), Marina Tantanozi (fl), Valeria Zangger (dr), Kevin Sommer (cl) und Klara Germanier (g, Lyrics) auch die junge Generation gut vertreten.

Jazztrompeter Peter Schärli hat eine lange Erfahrung mit freier Improvisation, während Sylwia Zytynska über eine klassische Ausbildung zur freien Spielweise gekommen ist. Sie spielte Klavier und Cello, bevor sie Schlagzeug studierte und sich dann auf die «mallets» spezialisierte. Die ersten Erfahrungen mit freier Improvisation machte sie vor 25 Jahren im Trio mit Marianne Schuppe und Alfred Zimmerlin und später mit Fritz Hauser. Es eröffnete sich ihr eine neue Welt. «Nach meinem klassischen Werdegang empfinde ich das Improvisieren als eine unglaubliche Bereicherung.»

Trotz der unterschiedlichen musikalischen Herkunft hat sie den Draht zu Peter Schärli sofort gefunden. «Wir ergänzen uns wahnsinnig gut.» Schärli spiele wunderbare Melodien. «Er ist für mich der König der Melodien.» Sie schätzt auch seine Zurückhaltung. «Er spielt nie zu viel und nie zu wenig. Und wenn er spielt, hat jeder Ton eine Bedeutung.» Seine Art, Musik zu machen, verändere auch ihr Spiel auf dem Vibrafon. «Ich erlebe das Instrument wie aus einem anderen Blickwinkel. Die Klänge bekommen eine andere Bedeutung.»

Auch mal schweigen oder zuhören

Das wichtigste Kriterium, ihre Gäste auszuwählen, ist für Zytynska ganz einfach die Lust, «mit ihnen musikalisch zu kommunizieren». Es sind praktisch immer Musikerinnen und Musiker, mit denen die beiden schon gespielt haben und deren Qualitäten sie kennen. «Wenn Peter jemanden vorschlägt, den ich nicht näher kenne, habe ich Vertrauen auf diese Wahl, und umgekehrt. Bis jetzt hat das immer sehr schön funktioniert.»

Mit der Idee von «Duoplus» kommen bei jeder Begegnung wieder andere Impulse ins Spiel. Ein Trio sei magischer als ein Duo, sagt Zytynska. «Duos münden oft in Pingpongs und sind langweilig. Auch in Quartetten kommt es gerne zu Zweier-Aufteilungen.» In einem Trio könne man auch mal schweigen und zuhören, was für die Musik sehr wichtig sei. «In einem Trio ist einfach viel mehr gemeinsam möglich. Und es ist gleichberechtigter.» Die Vibrafonistin lächelt. «Deshalb bin ich ein Trio-Fan.» Und wir ein Fan von «Duoplus».

Live: Duoplus mit Gastmusikerin Lauren Newton am 23 September: Brocki auf dem Wolf, Basel;
24. September: Galleria Periferia, Luzern;
29. September: Forum Schlossplatz, Aarau.
Nach den 45-minütigen Konzerten können sich Publikum, Musiker und Musikerinnen bei einem Apéro austauschen.

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