Kultur

Im Wald wartet Magie pur

Das Luzerner Theater steuerte am Samstag zu Lucerne Festival eine ganz spezielle «Ouverture dans la nuit» bei: Am Ende eines Nachtspaziergangs in den Gütschwald umhüllte das Luzerner Sinfonieorchester die 150 Premierenbesucher mit zauberhaften Klängen.

Premiere Konzerte schulen das Hören und damit die Wahrnehmung. Aber sie schränken diese auch ein, erfuhren wir zu Beginn der «Ouverture dans la nuit» (Ausgabe vom Freitag), die ein Beitrag des Luzerner Theaters zum Sommer-Festival ist. Denn im Konzertsaal schliessen die Mauern «alles, was ‹stört›, aus», sagte bei der Besammlung auf dem Theaterplatz Lukas Kubik. Er ist einer der hilfsbereiten Begleiter auf dem anschliessenden Spaziergang in den Wald und rief zunächst die Geräusche auf dem Theaterplatz ins Bewusstsein – bis zur Güllen-Bar, die das Theater in der Box zum «Besuch der alten Dame» (Premiere am 7. September) eröffnete.

Wir nehmen diese Geräusch-Umwelt immer weniger wahr, weil «uns die Zeit abhanden gekommen ist», rief der Schauspieler mit dem Megafon über den Theaterplatz hinweg, nämlich die «unbesetzten» Zwischenzeiten, die wir mit Musik oder mit dem Handy zustopfen.

Der Spaziergang in den Gütschwald gab einem diese Zeit zurück. Die Ruhe und die Geräusche des Waldes wurden zwar an der ausverkauften Premiere von den Schritten und Gesprächen der 150 Teilnehmer zugedeckt, trotz des meditativen Tempos, das André Willmund an der Spitze mit seiner Fackel anschlug.

Magie pur mitten im Wald

Aber pure Magie war der ­Moment, wo der Zug sich der Lichtung näherte, auf der das Luzerner Sinfonieorchester die Waldsinfonie von Christian ­Garcia-Gaucher spielte. Die Musiker waren in einem grossen Rund verstreut, die Pultlichter verstärkten den Eindruck einer sanften Lichtoase. Und die ersten Klänge, die man von Ferne vernahm, konnten das Stimmen der Instrumente oder der Anfang der Komposition sein.

Diese fügt sich mit flächigen Klängen in die Natur ein, konkretisiert diese zu Vogelstimmen und hebt schliesslich mit pulsierenden Flächen ab. Das erinnerte –an den Naturlaut-Beginn aus Mahlers erster Sinfonie und bediente ideal dieses Setting, bei dem man sich auf Decken oder Stühlen eingehüllt in Musik treiben lassen konnte. Allerdings dürfte die Musik viel von ihrer Magie einbüssen, wenn sie bei Regen in der Waldhütte gespielt wird. Aber bei trockenem Wetter und in kleinen Gruppen hat man die Magie auf sicher. (mat)

Hinweis

Spieldaten: 4., 5., 6., 8., 12., 13., 15. September, Besammlung auf dem Theaterplatz.

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