Corona-Virus

Konzerte trotz Corona: Notvorrat und Quarantäne statt Brot und Spiele

Jeans for Jesus in der Reitschule Bern

Jeans for Jesus in der Reitschule Bern

Gerade in Corona-Zeiten kann ein Ausgang manchmal eine heilende Wirkung haben. Ein Augenschein bei Jeans for Jesus in Bern.

Vielleicht haben diese Menschen dieses «Social Distancing» einfach nicht verstanden. Der Abstand zu den Nebenfrauen und Nebenmännern jedenfalls beträgt maximal 30 Zentimeter. Im Corona-Radius von zwei Meter stehen über 15 Leute. Der Dachstock der Reitschule in Bern am Samstagabend ist ausverkauft.

Jeans for Jesus stehen auf der Bühne. Es sei eine Zitterpartie gewesen, ob das Konzert stattfinden könne, sagt Sänger Mike Egger. Dann sei aber das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vorbeigekommen und habe alles desinfiziert, drum klinge jetzt alles auch so «clean». Ausgang in Krisenzeiten. Man lacht, man witzelt, man ist unbesorgt.

Einzig an der Kasse erinnert der gelbrote Flyer des BAG an das Corona-Virus. «Gründlich Hände waschen» und «Bei Fieber und Husten zu Hause bleiben» steht da drauf und – eben – «Abstand halten». 700 Personen haben Platz im Dachstock. Das sind 300 weniger als die vom Bundesrat gesetzte Obergrenze von 1000 Besucherinnen und Besucher.

Fern von Push-Meldungen geht das Virus vergessen

Anstatt dass sie das Konzert absagen mussten, waren die Veranstalterinnen der Reitschule darum verpflichtet, zusammen mit den kantonalen Behörden eine Risikoeinschätzung vorzunehmen. Und ganz offenbar kam man dabei zum Schluss, dass – positiv ausgedrückt – die Chancen für weitere positive Corona-Fälle gering seien, oder – negativ gedeutet – zumindest verkraftbar.

So ein Ausgang, der kann heilende Wirkung haben. Fernab von Push-Meldungen und Desinfektionsmittel geht das Virus vergessen. «Brot und Spiele» setzten die römischen Kaiser ein, wenn die Masse aufmuckte, und beruhigte sie so.

Es wird gehustet – wegen Zigaretten

Derzeit sind wir eher bei «Notvorrat und Quarantäne». Vielleicht erschwert man so dem Virus die Übertragungswege, gleichzeitig gibt man der Angst viel Platz. Sie springt rasch in die Lücke, die sich dank «Social Distancing» zwischen uns und den Mitmenschen öffnet.

Im Dachstock hat die Angst kein Ticket erhalten. Natürlich schaut man aber schon skeptisch, wenn der Nebenmann der Nebenfrau innerhalb des Corona-Radius zu Husten beginnt. Es scheint glücklicherweise an der Zigarette zu liegen, die er sich – verbotenerweise – angezündet hat. Rasch blickt man wieder zurück zur Bühne. Es ist ein tolles Konzert.

Beschwingt und fast etwas beruhigt geht man nach der Show nach draussen, läuft durch die Menschenklüngel auf dem Vorplatz und kommt nach dieser Nacht ein Stück weit wieder in der Normalität an. «Social Distance» kann bis am Montag warten. Mindestens.

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