Literatur

Lieblingsbuch der Buchhändlerinnen: «Dieser Roman ist erschütternd und ermutigend zugleich»

Debora Reichmuth, Buchhaus Stocker in Schwyz. «Der Gesang der Flusskrebse» ist ihr Lieblingsbuch 2020.

Debora Reichmuth, Buchhaus Stocker in Schwyz. «Der Gesang der Flusskrebse» ist ihr Lieblingsbuch 2020.

Zum dritten Mal wählten die Buchhändlerinnen ihr Buch des Jahres. Eine von ihnen ist Debora Reichmuth. Für sie hat das richtige gewonnen.

Es sei lange her, dass sie ein Buch dermassen berührt und gefesselt habe, sagt Debora Reichmuth. Als Buchhändlerin steht sie jeden Tag in direktem Kontakt mit Leserinnen und Lesern. Sie gehört zu jenen, die Delia Owens’ Roman «Der Gesang der Flusskrebse» (Hanser Verlag) zum Lieblingsbuch 2020 der Deutschweizer Buchhändlerinnen und Buchhändler gekürt haben. Der Siegertitel wird seit drei Jahren jeweils am Tag des Buches bekannt gegeben. Es kommen Titel in Frage, die zwischen 1. April 2019 und 31. März 2020 in deutscher Sprache erschienen sind. Fünf Titel kommen auf eine Short-List. Dazu gehörten auch Laetitia Colombanis «Das Haus der Frauen», Simone Lapperts «Der Sprung», Jasmin Schreibers «Marianengraben» und Christoph Schwyzers «Der Staubwedel muss mit». Der Titel mit den meisten Stimmen wird dann zum Lieblingsbuch gekürt, das prominent in den Buchhandlungen präsentiert wird.

Ein US-Bestseller mit einer Heldin wie Huckleberry Finn

Interessant ist, dass Owens Bestseller, der in den USA eine Millionenauflage erzielte, in keiner grossen Schweizer Zeitung besprochen worden ist. In deutschen Medien hingegen gab es neben einem Verriss in der «Süddeutschen Zeitung» zahlreiche euphorische Stimmen. Elke Heidenreich schwärmte: «Eines der schönsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe», Denis Scheck meinte: «Ein Schmöker, aber einer mit literarischer DNA». Und im «Spiegel» stand, Delia Owens Mädchen Kya, das alleine ohne Eltern in der amerikanischen Wildnis aufwächst und sich dabei selber helfe, gehöre in eine Reihe mit Mark Twains Huckleberry Finn, Salingers «Der Fänger im Roggen» und Harper Lees Hauptfigur in «Wer die Nachtigall stört». Auch der Verband der unabhängigen Buchhandlungen in Deutschland wählte den Titel zu seinem Lieblingsbuch.

Die Schwyzer Buchhändlerin Debora Reichmuth sagt: «Das einsame Aufwachsen der Hauptfigur ist erschütternd und ermutigend zugleich. Die stillen, atmosphärischen Beschreibungen der Natur und die wenigen, intensiven Begegnungen mit Menschen lassen einen tief in die Lektüre versinken. In einem Nebenstrang wird ein Todesfall packend beschrieben und aufgeklärt.» Die Liebesgeschichte im Roman sei «wunderschön, aber nie kitschig». Packende Handlung, Mitgefühl und abenteuerliches Aufwachsen: offensichtlich die Zutaten eines Bestsellers.

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