Die 55-jährige Sissacher Biobäuerin zählt nach wie vor zu den beliebtesten Politikerinnen der Region Basel. Zuletzt engagierte sie sich in Bundesbern als Grünen-Nationalrätin und Co-Präsidentin des Frauen-Netzwerks Alliance F, insbesondere in der Sexismus-Debatte. Was erlebt so eine Frau kulturell?

Was war 2017 Ihr kulturelles Highlight?

Maya Graf: Nicht New York City, sondern Sissach Village: Mit der Broadway Night 2017 hat der Musikverein Sissach nicht nur eine fantastische, musikalisch hochstehende Produktion gezeigt, sondern in Eigenregie eine alte Fabrikhalle in ein Musicaltheater verwandelt! Auch der grossartige Festakt zum Jubiläum 150 Jahre Musikakademie Basel bleibt mir in bester Erinnerung.

Der kulturelle Tiefpunkt 2017?

Leider hatte ich dieses Jahr kein Glück am Filmfestival Locarno: die beiden Hauptfilme auf der Piazza Grande liessen auch mich ratlos zurück.

Der albernste Trend?

Ü50-Vollbärte.

Was haben Sie verpasst?

Wer über das Verpasste nachdenkt, verpasst das Jetzt. Daher muss ich hier leider passen.

Und was haben Sie vermisst?

Die Baselbieter Regierung und der Landrat, die bei der Kultur nicht sparen, sondern mehr investieren. Kulturelle Leistungen sind ein wichtiger Kit für unser Zusammenleben und Inspiration und Innovation für unsere gesamte Gesellschaft.

Hat Sie etwas positiv überrascht?

Nicht überrascht, aber es freut mich. Und es muss einmal gesagt sein: Immer wieder werde ich als Baselbieter Nationalrätin ganz selbstverständlich und gastfreundlich zu kulturellen Veranstaltungen in die Stadt Basel eingeladen. Ich hoffe sehr, das ist umgekehrt auch so.

Wofür haben Sie viel Geld ausgegeben – und hat es sich gelohnt?

Unsere Familie hat dieses Jahr zu einem grossen Hoffest eingeladen mit Rockband, Barbetrieb, Speis und Trank: 170 Gäste feierten eine wunderbare Sommernacht lang durch. Das bleibt unvergesslich.

Ihr grösster Fehler im 2017?

Ich habe mir die Zeit nicht genommen, einen guten Freund zu besuchen, der sehr krank war. Jetzt ist es zu spät um Adieu zu sagen.

Ihr Youtube-Video des Jahres?

Das ist nicht mein Ding. Aber darf ich eine Filmempfehlung machen? Wer «Die Göttliche Ordnung» von Petra Volpe noch nicht gesehen hat, sollte es unbedingt nachholen. Denn dieser packende Film über den friedlichen Kampf ums Frauenstimmrecht in der Schweiz, ist auf dem Weg nach Hollywood.

Ihr Jahr in einem Lied zusammengefasst?

Mein erstes Konzert, das ich als Jugendliche besuchen durfte, war ein Konzert der Rumpelstilz in Gelterkinden! Daher wähle ich ein Lied zum Andenken an den in diesem Jahr verstorbenen Polo Hofer: «Nadisna» war 1975 ein Hit und hilft auch heute immer noch gegen zu dichte Termine, Stress und schlechte Laune.

Worauf freuen Sie sich im 2018?

Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Was Kultur anbelangt, entscheide ich jeweils spontan.

Was wären Ihre Wünsche an die Region Basel fürs kommende Jahr?

Dass wir die Vielfalt von kulturellen Juwelen in unserer Region als Stärke nutzen und fördern. Vielfalt und Einzigartigkeit bewahren und gemeinsam vorgehen ist kein Gegensatz, sondern der Schlüssel zum Erfolg.