Miriam Goldschmidt wurde 1947 als Kind eines schwarzen Vaters und einer jüdischen Mutter geboren. Sie studierte in den 1960er-Jahren bei Jacques Lecoq in Paris Schauspiel. Bekannt wurde sie, als sie in der französischen Hauptstadt 1971 tragendes Mitglied des Centre international de créations théâtrales bei Peter Brook wurde. In Brooks internationaler und freier Truppe konnte sie sich entfalten und blühte unter anderem als Kunti in Brook/Carrières Bearbeitung des «Mahabharata» auf.

Peter Stein sah sie in einer früheren Inszenierung von Brook und lud sie ein an die Berliner Schaubühne. Dort spielte sie in Genets «Die Neger» und in «Kalldewey, Farce» von Botho Strauss. Sie erarbeitete 1981 mit ihrem damaligen Lebenspartner, dem Basler Schauspieler Urs Bihler, Salomon An-Skis «Der Dibbuk» - ein Stück, das sie 1983 und 1989 an den Basler Theatern zeigte. Für grosses Echo sorgte sie auch mit Athol Fugards Parabel «Ein Stall voller Schweine».

Unvergesslich für viele: In der Ära Baumbauer inszenierte sie 1991 Alexander Granachs «Da geht ein Mensch» am Theater Basel. Und 2001 spielte sie zur Eröffnung des Neuen Theaters am Bahnhof Dornach den Narr in Shakespeares «Was ihr wollt» unter der Regie von Georg Darvas.

Auf der Seite der Leidenden

Miriam Goldschmidt hatte auf der Bühne eine hin- und mitreissende Präsenz. Sie schien immer auf der Seite der Leidenden zu sein, ihr Ausdruck kam aus dem ganzen Körper, der Tiefe der Seele. Sie war sehr entschieden, gleichzeitig auch privat voller Geschichten und Gedankengespinste.

Sie lebte lange in Dornach in einem geheimnisvollen Häuschen, das sie beseelte wie ein Waldgeist. Man erlebte sie auch auf dem Theater in einer magischen Welt zwischen Realität und Fiktion.

Peter Brook schreibt in einem Nachruf, der uns vorliegt, dass sie stets Tragödie und Komödie ineinander verwoben habe, wie es der Alltag auch tue. Ihre Eltern hat sie nie kennengelernt; sie wurde zur Adoption freigegeben, durchlief aber zunächst eine jahrelange Odyssee durch Kinderheime.

«Immer war das Helle und das Dunkel in ihrem Leben gleichzeitig da», so Brook, «die Trauer des Clowns war ein Teil von Miriams faszinierender Ausstrahlung. Für sie bedeutete Leben Improvisation. Und Improvisation war ihre bevorzugte Art des Spiels. Sie spielte improvisierend sowohl in Supermärkten in Paris wie in afrikanischen Dörfern, und diese Qualität ihrer Schauspielkunst war auch präsent in einem Stück wie ‹Glückliche Tage› von Beckett, das ich mit ihr in Basel inszenierte.»

Goldschmidt ist im Alter von 70 Jahren in der Nähe von Basel verstorben.