Literatur

Mit Pippi Langstrumpf ins Abenteuer: Wie diese kleine Basler Buchhandlung der Krise trotzt

«Für mich ist jeder Tag wie Weihnachten»: Dorette Paraventi in ihrer Buchhandlung am Petersgraben 18.

«Für mich ist jeder Tag wie Weihnachten»: Dorette Paraventi in ihrer Buchhandlung am Petersgraben 18.

Dorette Paraventi ist die Inhaberin der Basler Buchhandlung Annemarie Pfister. Gegenüber der bz erzählt sie, wie Leidenschaft und Geschäftssinn zusammengehen.

Dorette Paraventis kleine, feine Buchhandlung am Petersgraben 18 ist benannt nach ihrer langjährigen Vorgängerin Annemarie Pfister. Es handelt sich um einen von mehreren unabhängigen kleinen Buchläden in Basel, in denen eine ganze Welt zwischen Klappentext und persönlicher Beratung passt und wir einfach nur verweilen wollen.

Im Schaufenster hängt ein Plakat im Stil der Fin-de-siècle-Tourismuswerbung. Darauf wirbt ein Schweizer Verlag aus Zürich mit einem tollen Programm für «Ferien in der Schweiz». Unter den ausgestellten Büchern entdecken wir das Puschlav-Wanderbuch von Corina Lanfranchi, die Dorette Paraventis Laden jeden Freitag hütet.

Nach den Sommerferien, die Paraventi mit ihrer Familie bei den Schwiegereltern in Italien verbringen wird – «Ich muss das Meer sehen!» – werden die beiden sich gut ergänzenden Powerfrauen und Literaturkennerinnen die Buchhandlung gemeinsam weiterführen. «Schon als ich das Geschäft übernahm, wusste ich, dass ich eine Teamplayerin bin», sagt Paraventi. Jetzt aber zieht die quirlige Mittvierzigerin erst einmal Zwischenbilanz nach einem guten Jahr Buchgeschäft.

Sie hat Literatur «zum Fressen gern»

Dorette Paraventi liebt ihren Beruf. «Für mich ist jeder Tag wie Weihnachten», sagt sie. «Wenn ich am Morgen in den Laden komme, bin ich umgeben von Büchern, Wissen und Geschichten und bin zufrieden. Und auch die Kosten konnte ich alle bezahlen», so die Inhaberin, die drei Ausbildungen absolviert hat: die Lehre zur Buchhändlerin, das Studium der Osteuropäischen und der Kunstgeschichte sowie den Master in Betriebswirtschaft.

Als sie Anfang 2019 die Buchhandlung Annemarie Pfister übernahm, habe sich ein Kreis für sie geschlossen, erzählt sie: «Hier verbindet sich mein Flair für Zahlen mit dem ‹Schöngeistigen› und dem Kundenkontakt, der mir auch sehr wichtig ist.» In der Coronakrise, als auch sie den Laden vorübergehend bis Mitte Mai schliessen musste und die online bestellten Bücher nach Hause lieferte, sei die Solidarität der Kundinnen und Kunden gross gewesen, schwärmt sie begeistert. Ihr Geschäft habe während der Gesundheitskrise «eher noch ein wenig zulegt».

Wer Literatur zum Fressen gern hat, wie Paraventi auf der Webseite ihrer Buchhandlung schreibt, ist mit ihr aufgewachsen. In ihrem Elternhaus in Riehen gehörte das Bücherlesen zum Alltag. Als ihre Mutter, ausgebildete Buchhändlerin, in der Gemeindebibliothek Riehen arbeitete, habe sie sie als Kind oft dorthin begleitet und «alle Kinder- und Jugendbuchklassiker verschlungen», von Astrid Lindgrens «Pippi Langstrumpf» bis zu Ottfried Preusslers «Die kleine Hexe». In den 1990er-Jahren, als die Buchbranche boomte, machte sie eine Buchhändlerlehre in der Buchhandlung André im Dorf. Nach einem halben Jahr im Erstberuf wechselte sie zur Universitätsbibliothek in den Einkauf.

Es baucht mehr als das betriebswirtschaftliche Know-how

Doch ihr junges Leben und die Suche nach ihrer Berufung führte sie weiter. Sie arbeitete als Journalistin bei der «Basler Woche» und absolvierte ein Praktikum im Marketing der Migros-Genossenschaft Nordwestschweiz. Es folgten sieben «tolle und glückliche» Jahre als Projektmanagerin in einer Gesundheitsfirma. Diese Lebensschule in der Privatwirtschaft hat Spuren hinterlassen: Paraventi weiss, wie man ein Geschäft führt und präsentiert.

Was braucht es ausser dem betriebswirtschaftlichen Know-how für den Erfolg einer Buchhandlung? «Ein Gespür für gesellschaftliche, politische und persönliche Strömungen», erklärt Paraventi. Zwar verlange die Kundschaft aktuell nicht spürbar mehr «Black Lives Matter»-Literatur. Doch wolle sie ihr Literaturangebot «zu einem solch wichtigen gesellschaftspolitischen Anliegen ausweiten und über Rassismusfragen Bescheid wissen», sagt Paraventi. Selbst liest sie gerne Krimis, Belletristik und Literatur aus dem englischsprachigen Raum. Letztere sei «unglaublich vielfältig» und «weniger verkrampft und verkopft» als viele deutschsprachige Literatur.

Kleinere Mengen, dafür in besserer Qualität

Zuletzt wollen wir von ihr wissen, wie es nach der Sommerpause weitergeht. Sie hoffe, dass die kurz vor dem Corona-Notrecht begonnene hauseigene Veranstaltungsreihe «Das Buch des Monats» mit der literaturaffinen Schauspielerin Serena Wey im August fortgeführt werden könne. «Wir überlegen uns auch neue Formate und sind offen für Ideen – solange sie im Laden stattfinden können», sagt sie.

Die Auswirkungen von Corona würden der Buchbranche teils massiv zusetzen, so Paraventi. Sie sei «eher skeptisch», was die Prognose für ihre eigene Buchhandlung angehe. «Wir werden die finanziellen Konsequenzen der Pandemie noch spüren», meint sie nüchtern. Allerdings habe die Gesundheitskrise einen positiven Effekt auf die Neuerscheinungen im Herbst, sagt sie wiederum strahlend: «Das Herbstprogramm der Verlage ist abgespeckt, und es kommt eine sehr gute Qualität von Literatur heraus.»

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