Die international beachtete Beethoven-Sensation des Kammerorchesters Basel mit dem italienischen Dirigenten Giovanni Antonini – einem der bedeutenden Vertreter der Barockmusik und der historisch informierten Aufführungspraxis – nimmt mit der Einspielung der Sinfonien 7 und 8 ihren Fortgang. Wieder wählt Antonini einen schlüssigen Mix aus modernen und historischen Instrumenten: Modern sind die Holzblasinstrumente, die Geigen sind mit Darmsaiten bespannt. Dazu kommen Naturhörner und -trompeten.

Nach dem Konzert im Februar 2010 schrieben wir: «Die Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92 erklang in vibrierender Vitalität.» Das gilt genau so für die im Juni 2010 im Konzertsaal des Kultur- und Kongresszentrums Luzern aufgenommene Einspielung auf CD. Im Juli 2012 folgte dann die Aufnahme der Achten. Antonini und das Kammerorchester Basel formen sie – wie die sechs Sinfonien zuvor – zur spannungsvollen Klangrede. Antonini nimmt die Tempoangaben ernst, geht aber sehr musikalisch damit um und bringt die Musik in eine stete, vorwärtsdrängende Bewegung.

Die siebte Sinfonie

Wie bei den bisherigen Sinfonien zeigt sich das Kammerorchester Basel als ebenso präzis wie leidenschaftlich spielender Klangkörper von ausserordentlicher Transparenz. Im Eingangsteil des ersten Satzes «Poco sostenuto» entfalten Antonini und das Orchester Beethovens reiche Klanglandschaft, die Entwicklung des Themas. Einzigartig, wie Antonini den Spannungsbogen im Übergang zum «Vivace» bis zum Zerreissen dehnt und dann tänzerisch ins «vivace» einsteigt. Der zweite Satz «Allegretto» ist ein voran schreitender Trauermarsch, von einer Eindringlichkeit, die die Abgründe öffnet, die Beethoven darin eingeschrieben hat.

Im Presto ist jede Wiederholung mehr als blosse Wiederholung, der Ausdruck verändert sich, die Intensität wird verstärkt und so die Spannung gesteigert. Letzteres gelingt Antonini und dem Orchester auch in den Pausen, die stille, die Inhalte weitertragende Teile der Klangrede sind. Das Trio erhält lyrische, sinnliche Gestalt, berührt. Im vierten Satz, dem «Allegro con brio» entfacht das Kammerorchester einen wilden, in musikalische Ordnung gebrachten Sturm. Die Präzision und Musikalität des Orchesters bei diesem horrenden Tempo ist atemberaubend, dabei ist jede Figur detailgenau gestaltet.

Die achte Sinfonie

So wegweisend wie Antoninis Zugriff auf die Siebte ist der auf die Achte. Von sinnlicher Schönheit ist das Zusammenspiel von Fagott und Klarinette im Eingangsteil des ersten Satzes «Allegro vivace e con brio» – und die Streicher leuchten betörend. Mitreissend entwickeln Antonini und das Kammerorchester im «con brio»-Teil das Drängen in neue musikalische Welten. Im «allegretto scherzando» mit seinem hüpfenden Marschrhythmus macht Antonini hörbar, wie Beethovens Humor virtuos über dem Abgrund tanzt. Das Menuett kommt in seiner unbändigen, aufbegehrenden Kraft daher. Von starker Dynamik ist wiederum der Schlusssatz «Allegro vivace». Auf ein anmutiges Piano folgt der emotionale Ausbruch ins Forte; die Musik, die sich hier immer auch befragt, wird hier plastisch zur Erzählung geformt. Antonini leuchtet mit dem Kammerorchester noch die verborgensten Tiefen von Beethovens Komposition aus, er liest sie von dessen Vorgängern aus und somit als die Erneuerung der Sinfonik. Beethovens Musik wird unter seinen Händen so pulsierend lebendig und aktuell, als wäre sie neu entstanden.

Nun freuen wir uns heute bereits auf die Aufführung der Neunten am 20. September im Stadtcasino Basel.