Unter den Veranstaltern herrschte jedoch Heiterkeit: So entspannt wie heuer war die Musikveranstaltung lange nicht mehr.

Die fast 78'000 Besucher während der vier Tage bedeuteten Rekord, wie die Organisatoren mitteilten. Neben einer Handvoll Frakturen und erfreulich wenigen Hitzekollapsen handelte es sich beim grössten medizinische Notfall um ein freudiges Ereignis. Nachdem ihre Fruchtblase geplatzt war, wurde eine Frau mit der Gurtenbahn ins Tal gebracht, wo das Mädchen noch auf dem Weg ins Spital zur Welt kam.

"Die Frau hätte am liebsten noch hier oben geboren, ihr Mann jedoch wollte unbedingt ins Spital", sagte die Gurten-Ärztin Meret Lemann an der Pressekonferenz vom Sonntag. Insgesamt mussten etwas mehr als 1500 Personen behandelt werden, was rund 100 Personen pro Tag mehr ausmacht als im letzten Jahr. "Nur rund 50 von ihnen mussten jedoch über längere Zeit überwacht werden, was wiederum eine geringere Anzahl ist als in den letzten Jahren", so Lemann weiter.

Weil während der vier Tage so wenig passiert ist, griff der sichtlich zufriedene Gurtenchef Philippe Cornu auf erfreuliche Geschichten aus dem Backstage-Bereich zurück. "Hinter den Kulissen herrschte in diesem Jahr eine bemerkenswerte Entspanntheit." Das liege vermutlich daran, dass die meisten Auftretenden zwei bis drei Tage in Bern verbrachten.

So tummelten sich Placebo bereits am Samstagabend auf dem Gurtengelände und schauten sich das eine oder andere Konzert an. Die Londoner Rockband sollte am Sonntagabend als letzte Band auf der Hauptbühne auftreten.

Publikum wurde gelobt

Die britische Band Franz Ferdinand, welche die Gurtenbesucher am Samstag zu einer Sitzwelle und ungewöhnlichen Reigentänzen animierten, waren begeistert: "Sie sagten, das Publikum hätte viel mehr sie unterhalten als umgekehrt", so Philippe Cornu. Ähnliches habe ihm auch der 72-jährige Seasick Steve berichtet, der als ältester Gurtenkünstler aller Zeiten restlos begeisterte.

Nachdem das Festivalpublikum am Openair Frauenfeld vom vergangenen Wochenende einen schlechten Eindruck - sprich riesige Abfallberge - hinterlassen hatte, klingt es auf dem Gurten ganz anders. "Bei uns produzieren die Besucher rund 300 bis 400 Gramm Abfall pro Tag, was wenig ist", so Philippe Cornu. "Abfall ist hier oben kein Thema."

Gurtenbähnli bockte noch einmal

Die Gurten-Veranstalter ziehen also eine durchweg positive Bilanz. Der Ausfall des Steuergeräts, der die Gurtenbahn am Donnerstag während rund drei Stunden ins Stocken oder gar zum Stehen brachte, ist längst vergessen. Dass die Bahn am Samstag nochmal kurz streikte, kein Thema mehr. Und auch der Zwischenfall mit den Pyro-Kerzen während des Konzerts von The Prodigy ist glücklicherweise folgenlos geblieben.

Das nächste Gurtenfestival findet vom 16. bis 19 Juli 2015 statt.