Auszeichnung

Der Dies academicus: Blumen für den Präsidenten, Lorbeeren für die Alma Mater

Der 80-jährige Musiker Heinz Holliger ist neuer Ehrendoktor der Universität Basel (Archivbild: EPA/ROBERT GHEMENT)

Der 80-jährige Musiker Heinz Holliger ist neuer Ehrendoktor der Universität Basel (Archivbild: EPA/ROBERT GHEMENT)

Der Musiker Heinz Holliger ist neuer Ehrendoktor der Universität Basel. Die Auszeichnung wurde dem in Basel lebenden Oboisten und Komponisten von Weltruf am Freitag am Dies academicus verliehen.

Es war der letzte grosse Auftritt von Ueli Vischer als Präsident des Universitätsrats. Am gestrigen Dies Academicus verabschiedete sich der Anwalt, Messepräsident und alt Regierungsrat mit einer humoristischen Rede von den Hundertschaften an akademischen Würdenträgern, Politikern, Wirtschafts- und Kulturvertretern im Theater Basel.

Vischer, der seit 2005 im Amt ist und Ende Jahr den Stab an den früheren BLKB-Chef Beat Oberlin weitergeben wird, liess den Reigen an Rektoren und Bildungsdirektoren der vergangenen 14 Jahre mit meist lobenden, aber durchaus auch ambivalenten Worten Revue passieren. Sein ironischer Grundton konnte nicht darüber hinwegtäuschen, wie wenig Vischer von der seit einigen Jahren international grassierenden Ranking-Manie unter den Universitäten hält. Umso mehr, da doch die Alma Mater Basiliensis zweifelsfrei die Beste der Welt sei. Was wiederum rein ironisch gemeint gewesen sein muss.

Sieben neue Ehrendoktoren aus allen Fakultäten

Vor Vischers Bankett-Rede lief der 559. Dies Academicus in der langen Geschichte der Universität Basel in gewohntem Rahmen ab. Sieben Männer waren am Vormittag in der Martinskirche mit der Ehrendoktorwürde beglückt worden. Neben den drei US-Forschern Bryan A. Stevenson (Jurisprudenz), Randy Wayne Shekman (Zellbiologie) und Jerome R. Busemeyer (Psychologie), ehrte die Universität auch vier Personen, die in der Schweiz und der Region in weiteren Kreisen Bekanntheit erlangt haben:

  • Heinz Holliger. Der Oboist und Dirigent wurde von der Philosophisch-Historischen Fakultät mit der Ehrendoktorwürde bedacht. Der 80-Jährige lote als Komponist «die Grenzen von Klang und Sprache aus», schreibt die Universität. «Als Dirigent und Organisator engagiert er sich für die Musikkultur Basels durch wesentliche institutionelle und künstlerische Impulse.
  • Ruedi Lüthy. Gewürdigt wird die Arbeit des Aids-Arztes von der Medizinischen Fakultät.
  • Martin Stingelin. Die Theologische Fakultät ehrt den Baselbieter Kirchenmann und Pfarrer, weil er sich als langjähriger Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche Baselland «an der Schnittstelle von Kirche und Wirtschaft für die Zusammenarbeit der Kirchen auf nationaler und internationaler Ebene» einsetze. Ausserdem fördere Stingelin interreligiöse Beziehungen und engagiere sich für Menschen am Rande der Gesellschaft.
  • Klaus Endress. Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät zeichnet den Reinacher Unternehmer und Wirtschaftsingenieur aus, weil er den Nachweis erbracht habe, dass «eine wertegeleitete Unternehmensführung auf der Basis von Tradition, Verantwortung und Loyalität nicht im Widerspruch zu wirtschaftlichem Erfolg und Modernisierung steht».

«In der Wissenschaft gibt es keine absolute Wahrheit»

Universitäts-Rektorin Andrea Schenker-Wicki widmete ihre Festagsrede ganz dem Thema «Fake News». Sie betonte, dass die vertiefte Auseinandersetzung mit Fakten und Argumenten und die Vermittlung fundierter Erkenntnisse notwendiger sei denn je - «nicht zuletzt auch, um zu verhindern, dass der Glaube an Verschwörungstheorien wieder salonfähig wird». In der universitären Lehre und Forschung sei die Fähigkeit zu zweifeln genau so wichtig wie die Fähigkeit, sich neues Wissen anzueignen. «Wir lehren unseren Studierenden, dass es in der Wissenschaft keine absolute Wahrheit gibt, sondern dass jede Erkenntnis immer geprägt ist von einem entsprechenden Kontext», sagte Wicki.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

Meistgesehen

Artboard 1