Jazz
Diane Reeves: Diese Stimme kennt keine Barrieren

Ihre Fans dürfen sich freuen. Zum zweiten mal innert fünf Monaten gibt die Jazz-Diva Dianne Reeves in der Region Basel ein Konzert.

Stefan Franzen
Merken
Drucken
Teilen
Dianne Reeves

Dianne Reeves

Jerris Madison

Verträgt die Region so viel Dianne Reeves? Vor fünf Monaten erst war sie zur Saisoneröffnung im Lörracher Burghof, nun gastiert sie auf der anderen Seite der Grenze. Immerhin: Neben Dee Dee Bridgewater und Cassandra Wilson gilt sie als die grösste Jazz-Diva unserer Zeit.

Wobei das bei ihr so eine Sache ist mit dem Jazz: Die Detroiterin hat sich nie so genau an die Genregrenzen gehalten, Übertritte in den R&B, Soul und in den Pop begangen, auf Platte mit durchwachsenem Ergebnis, auf der Bühne aber fast durchgängig fulminant.

Beides, ihre barrierefreie Philosophie und ihre starke Livepräsenz, dokumentieren die beiden letzten Alben: «Beautiful Life» ist ein von ihrer Freundin, der Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington produziertes Werk mit hauptsächlich Coverversionen, die Marvin Gaye, Bob Marley, Stevie Nicks oder Geri Allen geschmackvoll arrangiert unter die Lupe nehmen – äusserst gediegen zwar, jedoch ein bisschen in Watte gepackt.

Von Miles bis Fleetwood Mac

Auf «Light Up The Night» dagegen lässt Reeves ihre Konzertqualitäten aufscheinen: Sie hat den von Ella Fitzgerald etablierten, lautmalerischen Scat-Gesang weltläufig erweitert, sie spannt den Bogen von der Blues-Shouterin zur Balladen-Lady, bringt ein Spektrum von Miles Davis bis Fleetwood Mac in eine schlüssige Dramaturgie.

Den Modern Jazz-Standards noch neue Facetten abzugewinnen und sich in aktuelle Strömungen ohne Anbiederung hineinzufühlen – das ist vielleicht ihr grösstes Verdienst und zugleich spannender Balanceakt während ihrer Shows.

Natürlich hat daran auch ihr aktuelles Begleitquartett wesentlichen Anteil: Pianist Peter Martin glänzt in fast klassischen Intros, Reginald Veal und Terreon Gully bilden eine einfühlsame Rhythm Section, und ihr brasilianischer Langzeitbegleiter Romero Lubambo entlockt der Gitarre immer wieder elegante bis virtuose Kontrapunkte zu den Vocals.

Reeves zählt zu den Sängerinnen, deren Stimme im Alter gewonnen hat, da sie einen breiten Erfahrungshorizont von vier Jahrzehnten nicht nur überblickt, sondern diese ganze Spanne in eine zeitlose Sprache gebündelt hat.

Seit 40 Jahren auf der Bühne

Die heute 61-Jährige begann ihren internationalen Weg in den Siebzigern, als sie der Trompeter Clark Terry förderte. Später konnte sie von Tourneen mit Sergio Mendes und Harry Belafonte profitieren, was ihr Verständnis für die Musik zwischen Karibik und Rio schärfte.

Vor dreissig Jahren erschien schliesslich ihr Debüt bei Blue Note. Von da an führte sie ihr warmer Alt, der heutzutage auch mal fast maskuline Färbungen annehmen kann, zu Gastauftritten bei Wayne Shorter bis Daniel Barenboim und brachte ihr zahlreiche Grammys ein. Verträgt die Region also so viel Dianne Reeves? Allein ihr Publikum kann das entscheiden.

Live: Musical Theater Basel, Donnerstag, 22. März, 20.15 Uhr.
Platten: «Beautiful Life», «Light Up The Night» (Concord)