Metallica, Megadeth, Slayer und Anthrax – die «Big Four» des Thrash Metals sind dank kluger Promotion und massivem Touren heute wieder in aller Munde. Von den «Big Four» des Grunge – die vier Bands, die zu Beginn der 90er-Jahre die ganze Metal-Szene für ein knappes Jahrzehnt aus der Mode brachten – hört man hingegen nicht mehr viel. Das liegt daran, dass die Sänger von Nirvana und Alice In Chains gestorben sind und Pearl Jam zwar immer noch hervorragende neue Alben veröffentlicht, dies aber – ganz in der Tradition des Grunge – nicht mehr an die grosse Glocke hängt.

Nun wären da noch Soundgarden, die Band um Chris Cornell, bei der man zu Beginn nie genau wusste, ob das nun bereits Grunge ist oder noch ein Ausläufer des Hair Metals. Kein Grunger schrie wie Chris Cornell und keiner sang in diesen Höhen. 16 Jahre nach ihrem letzten Album «Down On The Upside» haben die GrungeLegenden nun ein weiteres Werk eingespielt: «King Animal».

Musik ohne Firlefanz

Der Stil von Soundgarden hat sich während der langen Pause kaum verändert. Immer noch brettern die Gitarren entweder mit verzerrten Licks oder leicht schleppenden Power-Chords. Musikalisch ist das irgendwo angesiedelt zwischen Black Sabbath, ZZ Top und Led Zeppelin. Ideologisch hingegen ist «King Animal» viel mehr als eine blosse Nachahmung alter Helden.

(Quelle: youtube/Soundgarden)

Worse Dreams von Soundgarden

Werfen wir den Blick zurück: Bei Bands wie Soundgarden war ab Mitte der 80er-Jahre auch der Musikfan mächtig, nicht nur die Industrie. Was Musik bedeutete, war bis zu diesem Zeitpunkt fast komplett von den Leuten abhängig, die sie verkauften. Grosse Labels erschufen die Images zur Musik und entwerteten damit immer wieder die künstlerische Relevanz von damaligen Mainstream-Acts wie etwa Guns ’n’ Roses. Die Grunge-Welle zeigte, dass es auch ohne den ganzen Firlefanz gehen kann – einfach, in dem man die Musik ins Zentrum stellte und die Menschen aufforderte, zuzuhören oder sich abzuwenden. Zugegeben: Viele Grunger – Soundgarden eingeschlossen – waren nicht gerade die fröhlichsten Gesellen. Aber das machte ihre Musik umso glaubwürdiger.

Energie der Anfangstage

«King Animal» erscheint nun in einer Zeit, in der die Musikszene wiederum kaum ein Mittelmass kennt. Es gibt Monster-Acts wie U2, Rolling Stones oder Lady Gaga, die ganze Stadien füllen und den Zuschauern horrende Preise aus den Taschen ziehen.

Auf der anderen Seite der Skala ist das Gros an Bands, die kaum oder gar nicht über die Runden kommen, obwohl sie im Radio laufen und den Sprung in die Charts geschafft haben. Die Internet-Piraterie macht ihnen dabei mehr zu schaffen, als sie zugeben wollen.

Natürlich sind Soundgarten heute längst Superstars. Weil die Musiker aber ausgesorgt haben, hört man auf «King Animal» eine ähnliche Energie wie in den Anfangstagen, als sie nichts zu verlieren hatten. Lieder wie «Been Away Too Long» oder «Bones Of Birds» brauchen keine grosse Bühne, um richtig zu donnern. Die ehrliche Rohheit in ihrer Musik ist Grund genug, damit man Soundgarden zuhört. Und dann darf es auch etwas kosten.

Soundgarden King Animal. Universal.