Das Kammerorchester Basel (KOB) arbeitet stetig und mit viel Kunstwillen an der weiteren Steigerung seiner Qualität. «Die Qualitätsdiskussion wird bei uns intensiv geführt», erklärt Geschäftsleiter Marcel Falk im Gespräch. Mit zur heute sehr hohen künstlerischen Qualität hat auch die langjährige und fruchtbare Arbeit mit dem italienischen Dirigenten und Barockspezialisten Giovanni Antonini beigetragen.

Die bisherigen Einspielungen von Beethovens Sinfonien – bis zur Achten – erregen international Aufsehen und werden weitherum gelobt. Die Neunte – im vergangenen September im Konzert in Basel gespielt – wird in der Saison 2015/16 noch in der Tonhalle Zürich und in La Chaux-de-Fonds aufgeführt – neu mit der Zürcher Singakademie als Chor. Auf CD erscheine die Neunte 2017, merkt Falk an.

Zudem intensiviert das KOB seine Zusammenarbeit mit Antonini in den kommenden 17 Jahren mit der Gesamteinspielung der über 100 Sinfonien von Joseph Haydn. Das KOB startet damit in der Saison 2016/17 (die frühen Sinfonien spielt Antonini mit «Il Giardino Armonico» ein).

Wichtige Grundlage für die hohe musikalische Qualität des KOB sind weiter der feste Bestand an Musikern und ebenso seine Experimentierfreudigkeit. So wird es die Haydn-Sinfonien in der für die damalige Zeit originalen Stimmung von 430 Hertz einspielen – mit historischen Instrumenten. Die Barockkonzerte spielt das KOB in der Stimmung von 415 Hertz, die neoklassizistischen Werke in der heute für moderne Instrumente gängigen Stimmung von 442 Hertz. Das alleine sagt schon viel über die Flexibilität der Musikerinnen und Musiker. Diese fordern so starke Künstlerpersönlichkeiten wie Antonini auch. Und der hervorragende Dirigent und Barockspezialist vermag im KOB zudem enorme Energien freizusetzen.

Mit der Ernennung eines Principal Guest Conductor knüpft das KOB an den Beginn seines Aufstiegs zu einem der wichtigen und international ankerkannten Basler Ensembles an. Nach 1999 war für mehrere Jahre Christopher Hogwood Principal Guest Conductor. Der im vergangenen September verstorbene Engländer gehörte zu den Pionieren der historisch informierten Aufführungspraxis und erarbeitete mit dem KOB zudem die Werke des Neoklassizismus. Es war der heute noch gültige Bezug zu Paul Sachers Programm mit dem Basler Kammerorchester, in dessen Tradition sich das KOB sieht.

Barock und Neoklassizismus

Das KOB baut – trotz der beiden Grossprojekte in der Klassik – weiterhin auf seine zwei ursprünglichen Säulen: den Barock und den Neoklassizismus – oder die klassizistische Moderne, wie diese Strömung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch genannt wird.

Das Orchester wird 2015/16 seine unterschiedlichen Konzertgefässe weiter entwickeln und damit eine noch stärkere Präsenz in der Region zeigen – dies neben den vielen Gastspielen im In- und Ausland. Mit Gastkonzerten spiele das KOB 65 bis 70 Prozent seines Budgets von knapp fünf Millionen Franken in internationalen Konzerten ein, erwähnt Falk. Diese Konzerte sind für die Existenz des Orchesters schlicht eine Notwendigkeit – auch wenn der harte Franken die Einnahmen im Ausland schmälert. Die staatlichen Subventionen machen gerade mal 15 Prozent aus.

Die Auslandkonzerte haben dem KOB zudem zu grossem Renommee verholfen – wie auch die CDs. Immerhin mit 10 Prozent seiner Auftritte ist das KOB nun in der Region aktiv. Darunter die neun Abonnementskonzerte mit inzwischen 350 festen Abonnenten. Dazu kommen die Nachtklang-Konzerte im Ackermannshof, dem Domizil des Orchesters, die Lunchkonzerte im Volkshaus und Education Projekte. In Letzteren geht das KOB mit Klassenzimmerstücken einen eigenen Weg. Bespielt werden Klassenzimmer.

Sommernachtstraum in Kaiseraugst

Das KOB startet in der kommenden Saison bereits Mitte August– nicht in Basel, sondern im römischen Theater in Augusta Raurica. Dabei muss es auf die Gunst der Wettergötter hoffen. Thema ist «Sommernachtstraum». In dem vom Augusta-Raurica-erprobten Regisseur Björn Jensen inszenierten Abend spielt das KOB unter Trevor Pinnock, Felix Mendelssohns Bühnenmusik «Ein Sommernachtstraum» und die Suite zu Henry Purcells Semi-Opera «The Fairy Queen». Pinnock, dieser Gentleman der Alten Musik, der auch zu den Pionieren der historisch informierten Aufführungspraxis gehört, hat diese Suite selber zusammengestellt. Mit von der Partie sind die Basler Madrigalisten und Solisten.

Der Saisonauftakt ist eines der drei Konzerte, in denen das KOB mit einem Dirigenten arbeitet. Das zweite ist am 4. März 2016 im Stadtcasino Basel: Mario Venzago, Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Berner Symphonieorchesters, dirigiert Franz Schuberts siebte Sinfonie, die Unvollendete, die er selbst vollendet hat.

Den Abschluss macht Principal Guest Conductor Antonini mit Haydn, Pleyel und Beethoven. In Beethovens zweiter Sinfonie ist zu verfolgen, wie das KOB seit der CD-Einspielung vor zehn Jahren an Beethoven weitergearbeitet hat. Und Haydns Sinfonie Nr. 79 ist ein leckerer Appetizer zum anstehenden Haydn-Projekt.

Die anderen sechs Konzerte werden in der Tradition des Barocks und der Kammerorchester vom Solisten oder der Konzertmeisterin geleitet. In der Martinskirche gibt es zwei Konzerte mit je einem Countertenorstar: Ende September mit Franco Fagioli. Es erklingen Arien, Ouvertüren und Concerti von Georg Friedrich Händel, Jean-Baptiste Lully und anderen. Mitte Dezember lädt das KOB zum Weihnachtskonzert mit Andreas Scholl und dem Deutschen Kammerchor – mit Kantaten von Johann Sebastian Bach.

Drei Konzerte werden von Violinisten geleitet: Im Oktober ist es Renaud Capuçon, der unter anderem ein vom KOB in Auftrag gegebene Werk Stefan Wirths uraufführt. Im Februar 2016 lässt uns Konzertmeisterin Julia Schröder, die hier als Solistin fungiert, Barockkomponisten aus Bologna entdecken. Und der Engländer Daniel Hope macht eine Reise durch die Musikgeschichte – von Bach über Béla Bartók bis zu Toru Takemitsu und Philip Glass. Im Januar konzertiert das KOB unter der Leitung seiner anderen Konzertmeisterin, Yuki Kasei, mit der Wölfezüchterin und -schützerin, dem französischen Klavierstar Hélène Grimaud. Geboten wird ein typisches Sacher-Programm mit Bach, Prokofjew, Mozart und Strawinsky.