Popmusik
Kylie Minogue mit 45: «Manchmal sage ich: Gott, bin ich wieder müde!»

Die australische Sängerin Kylie Minogue will neu starten, «vielleicht in den zweiten Teil meines Lebens». Nach 25 Jahren hat die 45-Jährige das Management gewechselt. «Die Erkenntnis, dass ich eine neue Umgebung brauche, traf mich wie ein Schlag.»

Reinhold Hönle
Drucken
Pop-Superstar Kylie Minogue will neu starten. Das Management hat sie nach 25 Jahren gewechselt.
7 Bilder
«Ein Vorteil des Älterseins mag sein, dass man wenigstens ein bisschen weiser ist!», sagt die 45-jährige Sängerin.
Die Australierin ist grosser Fan des Formats «The Voice»
Kylie Minogue 2012 in Locarno
Kylie Minogue

Pop-Superstar Kylie Minogue will neu starten. Das Management hat sie nach 25 Jahren gewechselt.

Kylie, Sie können schon auf eine sehr lange Karriere zurückblicken. Was gefällt Ihnen an der Gegenwart und wann wünschten Sie sich, nochmals 25 zu sein?

Kylie Minogue: Ein Vorteil des Älterseins mag sein, dass man wenigstens ein bisschen weiser ist! Ich geniesse es, auf Erfahrungen zurückgreifen zu können, die ich vermisste, als ich jung war. Ich wollte mir damals meine Sporen abverdienen, Kontakte knüpfen und das Gefühl bekommen, Teil des Musikbusiness zu sein. Zuerst fühlte ich mich wie eine Hochstaplerin. Bis ich begriff, dass ich eben ich bin und meinen eigenen Weg finden muss. Momentan fühle ich mich als Künstlerin sehr wohl. Nicht so toll ist, dass man mit 45 nicht mehr endlos Energie hat.

Bei Ihren Konzerten merkt man das nicht.

An manchen Tagen habe ich das Gefühl, so fit zu sein wie früher, manchmal sage ich zu meinen Freunden «Gott, bin ich wieder müde!» Ich finde es wohl einfach normal, hart zu arbeiten, aber vermutlich ist es nicht normal, welche Prioritäten ich setze.

Konnten Sie den australischen Sommer wenigstens ein bisschen geniessen?

In der Zeit, in der ich für die australische Ausgabe der Castingshow «The Voice» arbeite, sehe ich nicht viel vom Land. Aber nur schon zu wissen, dass ich zu Hause in Australien bin, einen Blick auf die Sterne werfen und die frische Luft geniessen kann, macht mich schon glücklich. Ich hoffe, ich kann am Schluss noch nach Melbourne reisen, um meine Familie zu treffen.

Was hat Sie an «The Voice» so gereizt, dass Sie parallel auch noch in der britischen Ausgabe als Coach mitwirken?

Ich wurde bereits vor ein paar Jahren für die Jury von Castingshows angefragt. Zuerst habe ich immer abgelehnt. Dann wollte ich bei «The Voice» mitmachen, weil ich einfach ein grosser Fan dieses Formats bin.

Was wollen Sie diesen jungen Talenten mitgeben?

Meine Botschaft ist, dass sie es schaffen können. Wichtig ist auch, dass sie Publikum brauchen und Orte, wo sie auftreten können. Wir können den Teilnehmern helfen, ihren Platz zu finden, indem wir ihnen eine Plattform bieten, um Erfahrungen zu sammeln.

Wie haben Sie die schwierigen Phasen überwunden, die es auch in Ihrer Karriere gab?

Einfach, indem ich durchgehalten habe. Musik kann grossartige Dinge leisten. Sogar wenn ich in einer schweren Zeit steckte, habe ich an nichts mehr anderes als an den neuen Song gedacht, wenn ich an ihm zu arbeiten begann. Natürlich habe ich diese schwierigen Zeiten damals nicht genossen, aber ich schätze sie heute, weil ich dank ihnen den Erfolg viel mehr geniessen kann.

«Aphrodite» war Ihr weltweit in den Hitparaden bestklassiertes Album seit «Fever». Wie hat dies Ihre neue CD beeinflusst?

«Kiss Me Once» ist wie «The Voice» eine ganz neue Erfahrung. Ich habe das Management gewechselt und die Art, wie ich mein Geschäft und meine Karriere während 25 Jahren geführt habe. Grundsätzlich will ich zwar noch dasselbe machen, jedoch anders an die Dinge herangehen, um eine neue Energie und Dynamik zu erzeugen.

Hatten Sie mit dem Manager, der Sie seit Ihren Anfängen begleitete, Differenzen?

Nein, ich sass zu Hause und hatte eine Offenbarung. Das ist mir vorher noch nie passiert! Nachdem ich 2012 mein 25-jähriges Jubiläum im Showbusiness gefeiert hatte, traf mich die Erkenntnis, dass ich eine neue Umgebung brauche, in der ich nur den Horizont und nichts weiter sehe, wie ein Schlag. Ich wusste nicht, was das genau bedeutet oder wie meine Zukunft aussehen würde, aber, dass ich neu anfangen muss.

Wollen Sie dies mit der packenden Dancefloor-Single «Into the Blue» ausdrücken?

Ja, ich bin Songschreiberin Kelly Sheean unheimlich dankbar für dieses Lied, bei dem viele Freunde von mir dachten, es stamme von mir. Ich habe «Into The Blue» sofort geliebt. Es hat sich toll angefühlt, eben wie «mein Lied». Ich glaube, es muss irgendwie kosmisch sein! (lacht)

Eine Zeile lautet: «Ich kann immer noch nicht ganz loslassen, was hinter mir liegt.»

Ja, das Lied drückt sogar noch besser aus, wo ich in meinem Leben stehe. Mein Gemütszustand ist im Moment: Ich bin alleine. Ich weiss, woher ich komme. Und ich will neu starten, vielleicht den zweiten Teil meines Lebens. Meine Uhr tickt, und ich will unbekümmert in Richtung Zukunft aufbrechen und manche Dinge loslassen und andere geschehen lassen.

Hatten Sie so etwas schon einmal erlebt?

Auch bei «Can’t Get You Out Of My Head» war es Schicksal! Als ich den Song hörte, wusste ich: «Du bist es, wir bleiben für immer zusammen.» Und er wurde zu einem wichtigen Teil meines Repertoires.

Ist es mehr als nur Zufall, dass der französische Schauspieler Clement Sibony im Videoclip zu «Into The Blue» Ihren Liebhaber spielt?

Ich traf ihn für dieses Projekt zuerst in Paris, musste ihm die Handlung erzählen und wollte herausfinden, ob wir uns verstehen. Wir gingen abendessen, ich habe einige seiner Freunde kennen gelernt und wir hatten eine tolle Zeit. Er hat dann seine Weihnachtsferien verkürzt, um beim Videodreh in London mitzuwirken. Er ist perfekt für die Rolle. Er hat unglaublich viel Realismus und Tiefe hineingebracht. Er war nicht einfach ein hübsches Gesicht auf dem Set. Man spürt die Beziehung im Video – das ist unglaublich!

Formulieren «Sexy Love», «Sexercize» und «Les Sex» die Wünsche einer sinnlichen Frau in den besten Jahren?

Sie sind weniger ein Statement als einfach tolle Songs, die mir zugeflogen sind. Als ich später die Trackliste fürs Album zusammenstellte, war es natürlich sehr auffällig, dass drei Lieder das Wort «Sex» im Titel haben. Ich überlegte mir, ob ich sie umbenennen oder auswechseln sollte, weil es grosse Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Antwort lautete: Nein! Ich liebe sie alle so, wie sie sind.

«Kylie» ist längst eine Marke. Wofür soll sie stehen?

Sie hat sich aus mir herausentwickelt und verbindet Glamour, Konzeptkunst, Mode, Musik und Design mit Bodenständigkeit. Ich könnte immer noch die Nachbarin von nebenan sein. Ich bin ein normales Mädchen in einer etwas anderen Welt. Die Marke hat einen sozialen Aufstieg erlebt, aber sie basiert weiter auf Menschlichkeit.

Kennen Sie die Schweiz auch noch aus einer andern Perspektive als von der Bühne aus?

Vor nicht so langer Zeit war ich am Filmfestival von Locarno. Das war wunderschön! Ansonsten habe ich in der Schweiz nur meine Konzerte gegeben. In Zürich versuche ich dann im Stadtzentrum wenigstens einen Spaziergang zu machen, wenn ich schon zum Shoppen meist keine Zeit habe. Gibt es da nicht Trams? Ein sehr hübsches Städtchen! Oder sollte ich Stadt sagen?

Aktuelle Nachrichten