Pop
Marc Sway: «Ich wäre der weltschlechteste Jongleur»

Marc Sway hat eine auffällige Frisur und eine starke Stimme – jetzt begibt sich der Zürcher Sänger in den Zirkus.

Michael Graber
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Kann Gas geben, aber auch nachdenklich sein: Marc Sway. Sony

Kann Gas geben, aber auch nachdenklich sein: Marc Sway. Sony

Marc Sway, wenn man Ihr neues Album hört, bekommt man den Eindruck, dass Sie sich jedes Mal etwas neu erfinden wollen und am Ende doch gleich klingen. Ist das eine böse Unterstellung?

Marc Sway: Nein, im Gegenteil. Das ist ein Kompliment. Ich habe eine Stimme, die prägnant ist, und ich habe – der Natur sei Dank – ein charakteristisches Timbre. Die Kunst besteht darin, sich in seinem Gebiet so zu bewegen, dass man nicht stehen bleibt, aber trotzdem vorwärts-kommt und sich selber bleibt. Ich habe ja auch zahlreiche Fans, die sich über die Jahre an mich und meine Musik gewöhnt haben. Sie sollen auch auf ihre Kosten kommen.

Für das neue Album haben Sie das Thema Zirkus gewählt. Braucht ein Album überhaupt ein Thema?

Nein, natürlich nicht. Aber es war spannend, mal eine ganz andere Herangehensweise zu haben. So ein Thema muss nicht unbedingt einengend sein, ein Korsett kann sogar befreiend wirken. Ich habe versucht, Bilder zu erschaffen und diese nachher musikalisch umzusetzen. Etwa: Wie fühlt sich der Seiltänzer während seines Auftritts – und so weiter. Dank des Überthemas ‹Zirkus› konnte ich auch freier sein, etwa bei den Sprachen: Es kommen Englisch, Portugiesisch und Deutsch vor.

Überfordert man mit diesem Sprachen-Mix den Hörer nicht?

Lustig, dass Sie das sagen. Wir leben in einem Land, in dem es vier Landesprachen gibt, und das gleichzeitig so gross ist wie ein Ei. Auf der Bühne habe ich gemerkt, dass die Leute damit absolut kein Problem haben. Im Gegenteil, das kommt sogar gut an.

Wie entscheiden Sie, ob Sie jetzt in Mundart oder Englisch singen?

Es ist der Song, der entscheidet. Meist schreibe ich zuerst eine Melodie, und dann schaue ich, welche Sprache dazu passt.

Gibt es auch Songs, bei denen Sie plötzlich denken: Da muss jetzt eine andere Sprache her?

Bei «Eus» – ein Duett mit Sina – war dies der Fall. Der hiess zuerst «Us», war also englisch, und als er fertig war, habe ich gedacht, hier muss ich etwas ändern. Die Botschaft verlangte irgendwie danach, in Mundart erzählt zu werden. Auch weil ich weiss, dass sie so viel mehr Leute verstehen.

Zurück zum Thema Zirkus: Welche Figur wären Sie in der Manege?

(Lacht.) Ich wäre der weltschlechteste Jongleur. Aber auch Clowns faszinieren mich. Ihre zwei gegensätzlichen Seiten: die Traurigkeit und der Schalk, die in ihnen stecken.

Haben Sie auch zwei Seiten? Ich erlebte Sie jeweils als regelrechte Rampensau.

Es wäre ja tragisch, wenn ich immer diese Rampensau wäre. Wer mich kennt, weiss, dass ich zwar Gas geben kann, aber auch sehr nachdenklich bin. Und hinter jedem lustigen Song steckt immer auch ganz viel ernsthafte Arbeit.

Arbeit erwartet Sie jetzt auch beim Schweizer Fernsehen. Sie sind Coach bei «Voice of Switzerland». Welchen Rat würden Sie dem jungen Marc Sway auf den Weg geben?

Wenn ich alte Aufnahmen höre, dann höre ich, dass ich an einem ganz anderen Punkt war. Ich war Anfang zwanzig und hatte diese Mischung aus Naivität und Grössenwahn in mir, die diese Lebensphase auszeichnet. Darin kann man eine enorme Energie entwickeln – und genau diesen Rat würde ich dem jungen Marc Sway geben. Denk nicht zu viel nach, mach einfach und lass die Energie raus.

Jetzt sind Sie also beim «Soul Circus» und feiern mit Ihrem Programm auch in einem Zirkuszelt Premiere. Gibt es auf der regulären Tour auch Zirkus? Nehmen Sie einen Löwen mit?

Nein, der mit der grössten Frisur bin und bleibe ich selber. Derzeit überlegen wir aber, wie wir im Frühling möglichst viel vom Zirkusfeeling auf die Bühnen bringen können. Es gibt sicherlich einige Überraschungen.

Live: Baden, Nordportal, 5. April 2013; Zug, Chollerhalle, 20. April 2013; Luzern, Schüür, 27. April 2013.