Alle Jahre wieder werden sich die Einen ärgern – und die Andern freuen. Kurz nach dem Final von DSDS wird der Gewinner-Song in den Radios jeweils zwangsweise öfters gespielt (wir berichteten). «Man kommt nicht darum herum und muss ihn spielen, solange Hänni noch aktuell ist – wir wehren uns aber auch nicht dagegen», sagt Martin Ackle der Leiter Musik und Moderation von Radio 32.

Ob Luca Hänni das Potenzial habe, über längere Zeit ganz vorne mitzumischen darüber stehe jedoch ein sehr grosses Fragezeichen. «Es ist halt so ein typischer 0815-Massenware-Casting-Song von Dieter Bohlen und das Album wird nur solche Songs enthalten. Wahrscheinlich hat der ehemalige Modern Talking Sänger sein Repertoire an tausenden von vorgefertigten Songs geöffnet und nach einem gegriffen», meint auch Peter Stutz, der Musikchef von Radio Argovia.

Leona Lewis, Kelly Clarkson und Paul Potts

Verschiedene Casting-Sternchen von Amerika oder auch England haben den ganz grossen Durchbruch im Musik-Business geschafft. Leona Lewis, Kelly Clarkson oder auch Paul Potts sind nur einige Namen derer, die heute auf der ganzen Welt Millionen von Tonträgern verkaufen und dies über Jahre hinweg.

In den deutschsprachigen Ländern jedoch, in denen jedes Jahr mehr als nur ein «Star» irgend einer Casting-Show entspringt, klappt es beim grössten Teil überhaupt nicht und nach dem ersten produzierten Album sind sie meist wie vom Erdboden verschluckt.

Klar, auch hier gibt es einige Ausnahmen, wie die No Angels, Stefanie Heinzmann oder auch Mark Medlock. Nimmt man jedoch diese «Ausnahmen der Regel» und vergleicht sie mit der Anzahl aller vermeintlichen «Superstars», die kurz nach dem Erfolg von der Bildfläche verschwunden sind, ist das Ergebnis mehr als nur ernüchternd.

Warum klappt es im deutschsprachigen Raum nicht?

«Das Erfolgsgeheimnis von England und Amerika sind die Songs, die für den Gewinner produziert werden. Mit diesen Songs schaffen es die Künstler auch, über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden, dies aus dem einfachen Grund, weil die Lieder effektiv gut sind», erklärt Peter Stutz das Phänomen. Bohlen-Songs dagegen würden sich auf die Schweiz, Deutschland und Österreich beschränken.

Das ist Luca Hännis erstes Video zur Single Don't Think About Me

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Deswegen traut er auch Luca Hänni nicht zu, über längere Zeit Erfolg zu haben. «Der Song funktioniert jetzt, wo der Hype so gross ist. Auch das Album wird noch funktionieren und vielleicht eine zweite Single, dann aber wird es ihm höchstwahrscheinlich so ergehen wie allen DSDS-Gewinnern bisher», meint Stutz.

Der Musikchef von Radio Argovia hat auch gleich einen Tipp für das Format «Deutschland sucht den Superstar» parat: «Es wäre einmal Zeit für einen anderen Produzenten. Bohlen sollte für einmal nur auf dem Jury-Stuhl platz nehmen und die Produktion einem dieser Superproduzenten aus Schweden, die alle grosse Hits produzieren, überlassen. Dann würde dem Gewinner vielleicht mehr Erfolg zuteil.»

Dass Bohlen jemals kürzer treten würde, käme für den Juror aber wohl nie in Frage. «Das ganze Format der Sendung ist Bohlens ‹Kind› und er wird sich denken wieso etwas ändern, es funktioniert ja für kurze Zeit, dort wo es funktionieren soll, und so kassiert er auch gehörig ab.»

Musikchefs sind sich einig

Auch für den Leiter Moderation und Musik von Radio 32 Martin Ackle ist der Song kein Highlight. «Der Song ist eindeutig keine Ausgeburt von Kreativität. Er passt auch nicht wirklich zu Luca Hänni. Schon bei der Entscheidungsshow wurde dies klar, als er den Song ja ziemlich versiebte, da war mehr als nur ein falscher Ton mit dabei.»

Glück für ihn, dass es bei diesen DSDS-Shows auch nicht um den Song gehe, oder um jemand der wahnsinnig gut singen könne. Mit Musik mache man heute kaum noch Geld, das Drumherum spiele die entscheidende Rolle und das funktioniere mit dem «Bravo-Typ» Luca Hänni sicherlich.

Mit ihm werde genau die Zielgruppe angesprochen, die sich eine solche Show auch ansieht. «Die Sendung wird vor allem von jungen Teenager-Girls verfolgt, da passt der ecken- und kantenlose Luca Hänni natürlich perfekt rein.»

Luca Hänni und eine Karriere im Fernsehen?

Auch dem neuen DSDS-Star wird also eine grosse Zukunft im Musik-Business wohl eher verwehrt bleiben – obwohl dies letztlich durch seine Fans, die Produzenten und ihm selber entschieden wird. Wenn man dabei an den Aufmarsch von gestern Mittwoch denkt, bei dem die Stadt Aarau von kreischenden Teenagern belagert wurde, scheint – trotz allen Gegenzeichen – eine grosse Zukunft auf den jungen Berner zu warten.

Falls es nicht klappen sollte, wird man trotzdem auf den «Justin Bieber» der Schweiz nicht unbedingt verzichten müssen meint der Musikchef von Argovia: «Nach seinem Kurz-Erfolg, wird er sich bei allen TV- und Radiostationen melden, da er das ‹Blut der Medien› geleckt hat. Das ist ja oft so bei Ex-Missen oder Ex-Superstars», schmunzelt Peter Stutz und fügt an: «Luca Hänni im Fernsehen, das könnte vielleicht auch funktionieren.»