Der italienische Komponist Salvatore Sciarrino wird dieses Jahr Siebzig. Sein Landsmann Claudio Monteverdi ist vor 450 Jahren geboren. Die beiden treffen sich nun in Basel für einen weiteren Geburtstag: den 150. der Musik-Akademie Basel. Als Geschenk und zugleich zur Saisoneröffnung produziert der Gare du Nord die Musiktheaterproduktion «Lamento». In ihr werden Monteverdis «Orfeo» und Sciarrinos «Luci mie traditrici» ineinander verschränkt.

Mit im Boot sind bei dieser Eigenproduktion Mitwirkende der Hochschule für Musik und der Schola Cantorum Basiliensis. Regie führt die künstlerische Leiterin des Gare du Nord, Désirée Meiser.

Wie aber soll sich nun Monteverdis Barock-Oper um den Helden Orpheus mit Sciarrinos Oper aus dem Jahr 1998 vermählen, die das tragische Leben des italienischen Komponisten Carlo Gesualdo aufgreift?

Regisseurin Meiser und die Dramaturgin Anja Wernicke betten die beiden Werke in eine Rahmenhandlung ein. Eine Sopranistin, gespielt von Ulrike Hofbauer, und ein Tenor, gespielt von Kai Wessel, führen mit den jungen Musikerinnen und Musikern der beteiligten Institutionen eine Art musikalischen Initiationsritus durch.

«Sie erleben das Seminar im Laufe des Abends als eine Erfahrung zwischen Leben und Tod», schreiben die Initiantinnen zum Stück. Eine Grenzerfahrung die sowohl in Monterverdis wie auch in Sciarrinos Werk angelegt sei. Irgendwie passend, dass dann Sciarrinos eigens für Basel geschriebener Epilog «Distendi la fronte» heisst: «Entspanne die Stirn».

Dem Konzept treu

Wie die Eröffnungsproduktion «Lamento», steht auch das gesamte Jahresprogramm des Gare du Nord im Zeichen der künstlerischen Begegnung über Zeiten und Genres hinweg.
In der Reihe «Musiktheaterformen» werden acht Produktionen gezeigt. In Kooperation mit dem Musikfestival Bern beispielsweise «Durst & Frucht». Darin verwandelt die Komponistin Anette Schmucki das Wörterbuch der Gebrüder Grimm in «Wortlistenmusik».

Das Berliner Ensemble «DieOrdnungDerDinge» inszeniert zeitgenössische Kompositionen als Gratwanderung zwischen Konzert und Theater. In einer Koproduktion mit dem LAC in Lugano zeigt der Gare du Nord «Sinatra in Agony». Darin geht der Entertainer unter der Dusche seiner heimlichen Leidenschaft nach: Opernarien singen.

Erika Stucky und Lucy Shelton

Klingende Namen also beim Musiktheater. Aber auch die Reihe «Route de Voix» lässt aufhorchen. Da macht Erika Stucki beispielsweise mit FM Einheit, dem Performer der Einstürzenden Neubauten, gemeinsame Sache. Oder die New Yorker Starsopranistin Lucy Shelton: Sie verführt das Publikum mit «Moons, Planets, Stars» in den Kosmos.
Solche und weitere gewichtige Setzungen sorgen dafür, dass der Gare du Nord auch 15 Jahre nach seiner Eröffnung die wichtigste Basler Haltestelle in Sachen zeitgenössischer Musik bleibt.

In diesen Jahren ist das Netzwerk gewachsen. Neben den erwähnten Koproduktionspartnern sind auch das Ensemble Phoenix, das Basler Sinfonieorchester oder die Volkshochschule mit der Institution verbunden – und Basels Fussball-Fans.

Die Bar du Nord zeigt immer noch alle Spiele der Heimmannschaft auf Grossleinwand. Mit 8300 Besuchern pro Jahr führt sie nur knapp gegen die zeitgenössische Musik: Diese hatte letztes Jahr 7300 Besucher.

«Lamento»: Uraufführung am 19. Oktober. Das gesamte Saisonprogramm unter www.garedunord.ch.