Beim Stichwort Horntrio denken Liebhaber der Kammermusik wohl zuerst einmal an Johannes Brahms und György Ligeti. Trios in dieser keineswegs so seltenen Besetzung gibt es aber auch von Lennox Berkely, Carl Czerny, Zsolt Durkó, Joseph Holbrooke, Hugo Kauder, Charles Koechlin, Elizabeth Lutyens, Istvan Zelenka und von drei weiteren Komponisten. Diese stehen in chronologischer Ordnung auf dem schlicht als «Trio-Abend» betitelten Konzertprogramm des längst auch über die Region hinaus bekannten Aarauer Musikerpaares Anne-Françoise und Werner Schmid, das als Gast den Hornisten Martin Ackermann aus Weinfelden eingeladen hat.

Bei den drei Komponisten handelt es sich um den französischen Klassiker Frédéric Duvernoy (1765–1839), den tschechischen Frühromantiker Jan Ladislav Dussek (1760–1812) und den Aarauer Musiker Werner Wehrli (1892– 1944), der einen imposanten Brückenschlag von der Spätromantik bis zur Neuen Musik vollzog. Die stilistischen Unterschiede zwischen diesen drei Repräsentanten je einer Epoche der Musikgeschichte könnten nicht grösser sein – umso interessanter ist die Trias, die aus Werken mit zunehmendem Klangvolumen besteht.

Dussek spielt Duvernoy

Musik von Frédéric Duvernoy, der als Professor für Horn am Pariser Konservatorium und als Solohornist der Grand Opéra eine Berühmtheit war, brachte Jan Ladislav Dussek als Pianist zur Aufführung. Und vermutlich war es Duvernoy, der den Hornpart von Dusseks Notturno concertante anlässlich der Pariser Erstaufführung spielte.

Wie so manche Komposition der Wiener Klassik beginnt auch das 1. Trio c-Moll für Violine, Horn und Klavier von Duvernoy mit einer spannungsgeladenen Adagio-Einleitung. An eine kadenzartige Klavierüberleitung schliesst sich das kantabile Hauptthema an, das vom Horn vorgetragen wird. Das tänzerische Allegretto bringt Musik von bezaubernder Beschwingtheit.

Gegensätzliche Menuette

Dreissig Jahre jünger als Mozarts Prager Freund Franz Xaver Duschek (Dušek), wurde der ebenfalls aus Böhmen stammende Jan Ladislav Dussek (Dusík) als Pianist, Glasharmonikaspieler und Kapellmeister von Fürst Tailleyrand am Pariser Hof bekannt. Mit seinem kühn modulierenden Notturno concertante op. 68 in Es-Dur wies er auf die Romantik voraus. Das im Violin- und Klavierpart virtuose Werk schliesst mit einem weiträumigen Menuett voll zarter Sangbarkeit.

Ganz anders, nämlich humorvoll antikisierend, kommt das Menuett im Trio op. 11 d-Moll von Werner Wehrli daher. Der vor 125 Jahren in Aarau geborene Musiker integrierte diesen alten Tanztypus als 6. Variation in das kontrapunktisch subtile Finale des 1921 entstandenen Werks. Der von lyrischen Stimmungen erfüllte Kopfsatz und das geistsprühende Scherzo geben der Geigerin Anne-Françoise Schmid, dem Hornisten Martin Ackermann und dem Pianisten Werner Schmid beste Gelegenheit, ebenso ausdrucksvoll zu musizieren wie mit Bravour zu glänzen.

Trio-Abend Kultur- und Kongresshaus Aarau, 22. Februar, 20 Uhr.