«Concert & Cinema»

Schatzsuche mit Soundtrack: Basler Sinfonieorchester begleitet Indiana Jones

Gelungener Auftakt: Das Sinfonieorchester lancierte seine neue Reihe «Concert & Cinema».

Nanu, Popcorn zum Sinfoniekonzert? Das gabs am Donnerstagabend im Basler Musical Theater. Anlass war eine neue Reihe, die das Sinfonieorchester Basel (SOB) lanciert: «Concert & Cinema». Livemusik und Leinwandaction. Zugegeben, die Idee ist nicht neu: Es gibt Orchester, die sich darauf spezialisiert haben, wie man etwa im KKL Luzern mehrfach erleben konnte.

Auch die Komponisten selber haben den Reiz der Bühnenaufführung erkannt, zuletzt gingen mit Ennio Morricone und Hans Zimmer zwei Legenden auf Tour, um ihre berühmten Melodien vor Publikum aufzuführen. Auf diesen Zug springt nun also auch das SOB auf, angepeitscht von Indiana Jones, diesem Haudegen der Action-Archäologie. Eine Filmfigur, die Regisseur Steven Spielberg in furiose Abenteuer abseilen liess.

Kultfilm und Konzerterlebnis

Wie stark Indiana Jones in den Erinnerungen der Menschen haften geblieben ist, offenbarte vor wenigen Tagen ein Auktionsresultat: In London kamen 600 Kostüme und Requisiten aus Filmen und TV-Serien unter den Hammer. Den höchsten Preis erzielte ein Markenzeichen, das Schauspieler Harrison Ford in «Raiders of the Lost Ark» trug: Für den im Inneren signierten Schlapphut zahlte ein Fan satte 443 000 Euro. Fast 100 000 Euro mehr, als das Auktionshaus Prop Store erwartet hatte. Allein daran lassen sich Beliebtheit und Kult dieses ersten Indiana-Jones-Films aus dem Jahr 1981 messen.

Ob das Sinfonieorchester mit der Lancierung der neuen Reihe aber von Beginn an sein Publikum erreichen würde? Die Antwort hat selbst die Verantwortlichen überrascht: Mehr als 1000 Besucher, viele davon bemerkenswert jung, fanden sich im Musical Theater ein. 90 Prozent, so die Schätzung des künstlerischen Direktors Hans-Georg Hofmann, dürften zum ersten Mal ein Konzert des SOB besucht haben.

Nicht nur der Publikumsaufmarsch, auch die Umsetzung stimmte erfreulich. Auf Grossleinwand rannte und ritt Indiana Jones durch antike Kulissen, darunter nutzte das Orchester die gesamte Bühnenfläche und schöpfte aus dem Vollen: John Williams, der für den grandiosen Soundtrack verantwortlich war, hat hierzu nicht nur unvergessliche, heroische Trompetenfanfaren geschrieben, sondern auch Flöten und Klarinetten schwelgen, Platteninstrumente hüpfen oder Streicher zirpen lassen. Williams baute aber auch atonale Passagen ein, um Mystik und Spannung zu unterstreichen. Da waren alle Register gefordert.

Sie alle meisterten ihre Aufgabe während der 111 Filmminuten mit Bravour, auch dank der souveränen Direktion von Ernst van Tiel. Um diese Premiere im Zusammenspiel von Film, Tontechnik und Livesound nicht dem Zufall zu überlassen, hatte das SOB den in Filmmusik erfahrenen holländischen Gastdirigenten engagiert, der den Click Track stets im Auge behielt.

Haselnüsse zu Weihnachten

Durchatmen konnte das Orchester in den Passagen, in denen Spielberg auf knallige Special Effects setzte – oder auf reine Dialoge. Dabei merkte man der Filmtonspur auch das Alter an. Die Klangqualität ist weniger gut gealtert wie Williams’ Original-Kompositionen. Dass die Dialoge allerdings in der Originalsprache Englisch abgespielt wurden, freute nicht nur die zahlreichen Expats im Publikum, sondern alle Cineasten. Zum Glück keine synchronisierte Version!

Von Indiana Jones gibt es mehrere Teile, von denen – nebenbei gesagt – der dritte (mit Sean Connery als Vater) der gelungenste, der zeitloseste ist. Ob dieser im nächsten Jahr zur Aufführung gelangt? Die Stoffe werden dem Sinfonieorchester nicht ausgehen. Von «Spiel mir das Lied vom Tod» über «Star Wars», «The Artist» bis zum «Fluch der Karibik» gibt es unzählige Filmklassiker, die sich für diese Form der Darbietung eignen, ja, geradezu aufdrängen.

Eine nächste Gelegenheit ergibt sich noch in diesem Jahr: Am 22. Dezember, kurz vor Weihnachten also, spielt das Sinfonieorchester Musik des tschechischen Komponisten Karel Svoboda. Der Abend dürfte allein wegen des Films ein Selbstläufer sein: Denn Weihnachten ohne «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» ist so undenkbar wie Indiana Jones ohne Schlapphut.

Meistgesehen

Artboard 1