Der Startschuss für den Karneval war am Freitagabend gegeben worden, zu dem wie jedes Jahr Millionen Feiernde erwartet werden. Wie im Vorjahr verweigerte der evangelikale Bürgermeister von Rio, Marcelo Crivella, seine Teilnahme an der traditionellen Eröffnungszeremonie.

Die Übergabe des glitzernden Schlüssels an "König Momo", der als Symbolfigur des Karnevals damit die Regentschaft über die Stadt während der tollen Tage übernahm, überliess er Rios Tourismuschef Marcelo Alves. Der evangelikale Politiker ist wegen seines Glaubens als Karnevals-Gegner bekannt, die finanzielle Unterstützung für die Feierlichkeiten strich er um die Hälfte zusammen.

Das ausschweifende Treiben in der brasilianischen Millionenmetropole findet dieses Jahr erstmals unter der Präsidentschaft von Jair Bolsonaro statt. Der rechtsradikale Staatschef wird von den Evangelikalen unterstützt und gilt als expliziter Gegner von Homosexuellen sowie liberalen Lebensentwürfen generell.

Bolsonaro als Thema

Beim prestigeträchtigen Wettbewerb im Sambodrom treten die grossen Sambaschulen mit jeweils tausenden Mitgliedern gegeneinander an. Die 14 Elite-Schulen defilieren am Sonntag und Montag im Sambadrom. Zahlreiche Themen der Gruppen drehen sich dieses Jahr um die ultrarechte Politikwende unter Bolsonaro.

Zum Karneval in Rio erwarten die Behörden in den kommenden Tagen sieben Millionen Besucher, darunter 1,5 Millionen Touristen aus dem In- und Ausland. In der unter hoher Kriminalität leidenden Stadt sind mehrere tausend Polizisten im Einsatz sein, um für Sicherheit zu sorgen. Auch in anderen Städten wie Salvador, Recife oder São Paulo findet der Karneval statt.