Musik
Schweizer Hip-Hop kann auch tanzbar sein

Das neue Album «Uswärts!» des Berner Rappers und Produzenten Webba hört sich erfreulich frisch an. Die Beats weisen starke Einflüsse von Dubstep und Drum 'n' Bass auf.

Raffael Schuppisser
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Die Schweizer Hip-Hop-Szene zeichnet sich nicht gerade durch Innovationsfreude aus. Ihre Protagonisten üben sich vor allem in Rückbesinnung. So sind dann die hiesigen Produktionen - im besten Fall - gelungene Hommagen an den Sound der goldenen Ära der 90er oder - im schlechtesten Fall - verkappte Imitationen des Südstaatenraps des vergangenen Jahrzehnts mit aufgesetzten Gangster-Attitüden.

Dagegen hört sich das neue Album «Uswärts!» des Berner Rappers und Produzenten Webba erfreulich frisch an. Die Beats weisen starke Einflüsse von Dubstep und Drum 'n' Bass auf; sie sind gespickt mit wummernden Bässen und schnell vorantreibenden, klar strukturierten Drumlines.

Anstatt sich beim US-Rap der Vergangenheit zu inspirieren, wendet sich Webba dem britischen Hip-Hop der Gegenwart zu. Grime nennt man das in England zurzeit angesagte Genre auch, das im Osten Londons entstanden ist und in dem elektronische Tanzmusik und Hip-Hop zu einer Melange finden. «Mir gefällt diese Szene viel besser als der traditionelle Hip-Hop mit seinem oftmals krassen Getue und protzigen Gehabe», meint Webba im Gespräch.

Eigene Beats

Dass der 31-jährige Berner an einem interessanten Projekt arbeitet, kündigte sich bereits im letzten Herbst an, als die erste Vorab-Single «Chorzschluss» mit Steff la Cheffe erschien - die vielleicht erste Dubstep-Produktion mit Mundart-Raps. Nun liess Webba also ein ganzes Album in diesem Stil folgen. Dabei zeichnet er sowohl für die Texte als auch für die musikalischen Produktionen verantwortlich. Der Berner gehört zu den wenigen Rappern, die auch die Beats selber machen.

«Ich fühle mich mehr als Produzent denn als Rapper», meint er. Für ihn als Produzenten sei Rap auch ein Perkussionsinstrument, das sich ins gesamte Arrangement eingliedern müsse.

Dennoch ist es Webba wichtig, dass seine Texte auch eine Aussage haben. Während die dahinfegenden Beats einen auf die Tanzfläche zerren, gelingt es den sozialkritischen Lyrics oftmals auch, den Denkapparat der Zuhörer in Gang zu setzen. Grosse Poesie ist das zwar nicht, in Kombination mit den Beats aber durchaus gelungen. So etwa die energetische Nummer «Lah Auäs Usä» mit dem radikal durchgezogenen Drum-'n'-Bass-Beat, die dazu aufruft, seinem Ärger endlich wieder einmal Luft zu verschaffen. Wenn einem der Kragen platzt - schreien, aufstehen und tanzen!

Webba Uswärts! Equipe Music / Sound Service. Ab 13. Januar.