Tonhalle-Orchester Zürich

So klingt die Musik des 20-Franken-Note-Coverboy

Tonhalle-Dirigent: Der 29-jährige Franzose Lionel Bringuier.Priska Ketterer/ho

Tonhalle-Dirigent: Der 29-jährige Franzose Lionel Bringuier.Priska Ketterer/ho

Lionel Bringuier dirigiert sein Zürcher Tonhalle-Orchester: Ein reicher Abend mit ein paar Abstrichen.

Die Tonhalle praktisch ausverkauft, durchaus auch junge Menschen im Saal, ein weltberühmter Solist auf der Bühne, zu Beginn ein grosses, sehr selten gespieltes Werk, dann ein Happen kluge Pädagogik dank der Programmauswahl – und zum Schluss gar eine plärrende Zugabe als Geschenk: Das alles tönt nach prächtigem Konzertabend, nach angeregten Stunden im Halbdunkel der Zürcher Tonhalle.

Der Eindruck täuscht nicht, hätte man am Mittwoch nicht ein paar Mal leicht die Stirn gerunzelt.

Schön war es, Arthur Honeggers (1892–1955) 2. Sinfonie zu hören: Ein Prachtstück für Streicher hat der 20-Franken-Note-Coverboy 1942 geschrieben. Verlockend ist es, hier Extreme auszureizen und virtuos über die Stränge zu hauen. Tonhalle-Orchester-Chefdirigent Lionel Bringuier aber liess die Streicher vor allem edel aufspielen – fast etwas langweilig wäre das geworden, hätte die von Anita Leuzinger angeführte Cellogruppe bisweilen nicht kräftig geknurrt. Doch wo waren die anderen Ecken und Kanten?

Auch in Dmitri Schostakowitschs 6. Sinfonie brillierte das Zürcher Orchester in den Registern. Doch warum nicht etwas loslassen, warum so altklug alles aufzeigen, wenn da doch im 3. Satz die Welt aus den Fugen gerät?

In Robert Schumanns a-Moll-Klavierkonzert, dem zentralen Werk des Abends, war diese Welt lichtgrün: Der Norweger Leif Ove Andsnes zeigte keine Flausen, spielte klar und überlegen durch. Poesie, das war mal früher etwas für deutsche Träumer. Aus dem Ansatz von Bringuier und seinem Tonhalle-Orchester wurden wir nicht klug: brave Begleitung hier, Aufmüpfigkeit da. Zur Durchdringung des romantischen Klassikers fehlte noch ein Stück.

Wiederholung: Freitag 12.2., Tonhalle Zürich, 19. 30 Uhr. Karten Fr. 25.– bis 85.–.

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