Bluesfestival Baden

Toronzo Cannon – der neue Grosse von Chicago

Toronzo Cannon (50) gehört zu den Aufsteigern des Blues.

Toronzo Cannon (50) gehört zu den Aufsteigern des Blues.

Der Gitarrist und Sänger Toronzo Cannon ersetzt Sonny Landreth. Das Festival beginnt an diesem Wochenende in der Klosterkirche Wettingen.

Das Erstaunen war gross, die Enttäuschung grösser. Ohne Angaben von Gründen hatte der grossartige amerikanische Slide-Gitarrist Sonny Landreth Anfang Mai seine ganze Europa-Tournee abgesagt. Das Bluesfestival Baden, das den Saiten-Künstler am Freitag, 23. Mai, gebucht hat, stand plötzlich ohne Headliner da. Umso ärgerlicher war die Absage, als Landreth seine Termine in den USA wahrnimmt. Die Absage scheint also nicht krankheitsbedingt zu sein.

Unter Hochdruck hat deshalb das Team des Bluesfestivals einen Ersatz gesucht. Walter Trout, Johnny Lang und Big Daddy Wilson standen zur Diskussion, schliesslich hat es mit dem Gitarristen und Sänger Toronzo Cannon geklappt. «Innerhalb einer halben Stunde haben wir den neuen Headliner gebucht. Das hat es noch nie gegeben», sagt ein zufriedener Robert Amsler vom Bluesfestival über den Deal.

Der 50-jährige Toronzo Cannon ist nicht so berühmt wie Landreth, hat aber in den letzten Jahren für einiges Aufsehen gesorgt. So zum Beispiel vor sechs Jahren am Lucerne Blues Festival. Schon zweimal ist Cannon von der Blues Foundation für einen Blues Music Award nominiert worden, zuletzt 2017 für sein Album «The Chicago Way» als «Album of the year».
Toronzo Cannon ist ein Spätzünder. Er ist zwar in der Bluesstadt Chicago geboren und mit Blues aufgewachsen, hat aber erst im Alter von 22 Jahren mit der Gitarre begonnen.

Das Gitarrespiel brachte er sich selbst über Videos von Bob Marley bei und wandte sich zuerst dem Reggae zu. Als Vorbilder nennt er Albert Collins, B.B. King, Freddie King, Buddy Guy und Jimi Hendrix. Cannon spielt deshalb auch eine explosive, intensive Gitarre und sein Gesang ist von Soul und Gospel geprägt. Lange Jahre war er am Tag als Busfahrer unterwegs und spielte am Abend in den Clubs von Chicago, bevor er den Durchbruch schaffte. «The Chicago Sun-Times» nennt ihn «einen der neuen Grossen von Chicago».

Big Shot Tom Hambridge

Schon längst etabliert ist der 58-jährige Tom Hambridge. Als Produzent, Komponist und Schlagzeuger gehört er heute sogar zu den prägenden Figuren des aktuellen amerikanischen Blues. Er hat mit Eric Clapton, Bernard Allison, Ana Popovic, Susan Tedeschi, ZZ Top oder Roy Buchanan gearbeitet und als Produzent von Buddy Guy zwei Grammies gewonnen.

Sein aktuelles, achtes Solo-Album «The Nola Sessions» bietet Roots-orientierten Blues und steht seit Monaten in den vorderen Rängen der amerikanischen Roots Blues Airplay Charts.

Hambridge ist auch einer der gefragtesten Drummer der Szene. So ist er in diesem Jahr bei den Blues Music Awards als bester Schlagzeuger nominiert worden. Hambridge gastierte schon vor zwei Jahren in Baden, als er den Jungstar Quinn Sullivan begleitete.

Blues-Award-geadelt ist auch der Sänger, Gitarrist und Bandleader Bob Margolin, der von 1973 bis 1980 bei Muddy Waters spielte. Nach Baden kommt er mit dem hochkarätigen Multi-Instrumentalisten Jimmy Vivino, der sich einen Namen als Bandleader beim legendären Tribute-Konzert zu Ehren von B. B. King sowie in der Showband der amerikanischen Talksendung von Conan O’Brien gemacht hat.

Ausverkauftes Klosterkonzert

Zum ersten Mal gastiert das Bluesfestival in der Klosterkirche in Wettingen, wo der Gitarrist Nic Niedermann (Tonic Strings) zum Auftakt des Festivals am 18. Mai eine Carte Blanche erhielt, um seine Version des Blues zwischen Bach, Gospel bis Gipsy-Jazz, Latin und Ländler zu präsentieren. Eingeladen hat er dabei den Gitarristen Max Lässer, Walter Baumgartner (Blues Harp) und die Sängerin Justina Lee Brown.

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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