Swiss Music Awards

Was zum Kuckuck ist mit der Schweizer Pop- und Rockmusik los?

Nur gerade zwei Schweizer Songs haben sich in den Top 100 der Schweizer Jahreshitparade platzieren können, beide vom Newcomer-Rapper Nemo.

Nur gerade zwei Schweizer Songs haben sich in den Top 100 der Schweizer Jahreshitparade platzieren können, beide vom Newcomer-Rapper Nemo.

Der volkstümliche Pop dominiert weiter. Die Misere bei den Pop-Frauen ist gross. Immerhin tut sich in der Nachwuchsabteilung einiges.

Seien wir ehrlich: 2017 war ein miserables Jahr für die Schweizer Pop- und Rockszene. Nur gerade zwei Schweizer Songs haben sich in den Top 100 der Schweizer Jahreshitparade platzieren können, beide vom Newcomer-Rapper Nemo. Etwas besser sieht es bei den Schweizer Alben aus, doch wird die Jahreshitparade von volkstümlichem Pop Marke Heimweh, Trauffer und Jodlerklub Wiesenberg dominiert. Und Gölä bestätigt mit seinem Abstecher ins urchige Fach den Pop-Jodeltrend.

Die Dominanz des Volkstümlichen findet deshalb auch bei den Nominationen zu den Swiss Music Awards ihren Niederschlag. In der Hauptkategorie «Bestes Album» sind Gölä mit «Urchig» und der Jodlerklub Wiesenberg mit «Land ob de Wolke» nominiert. Trauffer und Heimweh sind nur deshalb nicht nominiert, weil sie schon im letzten Jahr kräftig abgeräumt haben. Zum Glück gibt es noch Lo & Leduc (zweimal nominiert), Gotthard und Züri West (zweimal nominiert), die in diversen Kategorien die Phalanx des Pop-Jodels zu durchbrechen vermögen. Trotzdem: Was, zum Kuckuck, ist mit der Schweizer Pop- und Rockmusik los?

Noch bedenklicher ist die Situation bei den Schweizer Popfrauen. Eliane und Sandee sind weit und breit die einzigen weiblichen Musikerinnen, die im letzten Jahr bei einem breiteren Publikum von sich reden machten. Die dritte Nominierte, Phanee de Pool, ist zwar eine vielversprechende Musikerin, doch nur Insider dürften schon von ihr gehört haben. «Hat die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem?», fragen die Swiss Music Awards und führen zum ersten Mal ein Panel zu diesem Thema durch.

Wo sind die Romands?

Fragen werfen auch die drei Nominierten in der Kategorie «Best Act Romandie» auf. Denn alle drei haben den Sprung über den Röschtigraben bisher nicht geschafft und sind hier weitgehend unbekannt. Aliose war immerhin in der Schweizer Hitparade platziert, Rootwords und Danitsa sucht man dort aber vergebens.

Immerhin tut sich in der Nachwuchsabteilung einiges. Kunz hat sich inzwischen etabliert und ist zu Recht in der Kategorie «Best Male Solo Act» nominiert. Und vor allem Faber macht Freude. Der Zürcher Sänger hat den Durchbruch auch in Deutschland geschafft und ist zweifellos einer der vielversprechendsten, originellsten Pop-Sänger der letzten Jahre. Er ist zweimal nominiert und wird sich in der Kategorie «Best Breaking Act» ein hartes Duell mit Jung-Rapper Nemo liefern. Mit vier Nominationen ist dieser der eigentliche Überflieger. Spannende Ansätze zeigen aber auch Crimer, Panda Lux (Best Talent) sowie Damian Lynn (Best Breaking Act). Erfreulich ist weiter, dass es mit Zeal & Ardor auch ein Act mit weniger zugänglicher Musik auf die Nominationsliste geschafft hat.

Auf www.swissmusicawards.ch kann man bis zum 4. Februar um Mitternacht für seine Favoriten abstimmen.

«Hat die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem?» Panels und Konzert am 7. Februar im Kosmos Zürich.

Verleihung der Swiss Music Awards am 9. Februar im Hallenstadion Zürich.

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