Marc Amacher war ein Fremdkörper, ein Exot. Eigentlich sogar ein Gegenentwurf zu den stromlinienförmigen Casting-Kandidaten. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, schaffte es der Bluesmusiker, dieses knorrige Ur-Viech, dieser unangepasste, liebenswerte Hinterwäldler aus dem Berner Bergen, ins grosse Final von «The Voice of Germany». Eine Sensation!

Das war im Dezember 2016. «Zum Glück verloren» titelte diese Zeitung, als im Final die Gesetze der Casting-Sendungen wieder zurechtgerückt wurden und Amacher chancenlos blieb. Denn als Sieger hätte er die Erwartungen nie erfüllen können. Ein Amacher kann sich nicht verbiegen. Doch der PR-Effekt war maximal.

Der Bluesmusiker aus der anderen Welt erreichte im deutschsprachigen Raum ein Millionenpublikum. «Es war nicht meine Welt», sagt Amacher heute rückblickend, trotzdem möchte er die Zeit in Deutschland nicht missen. «Ich habe viele tolle Musiker kennen gelernt, die mich ernst nahmen», sagt er. Die Fernseherfahrung war eine gute Startrampe für eine Karriere als professioneller Musiker.

Marc Amacher an den Blind Auditions bei «The Voice of Germany» im Jahr 2016:

Trotzdem kam es zum Fehlstart. Ein deutscher Manager löste ihn von den Verpflichtungen gegenüber dem Branchenriesen Universal Deutschland und versprach ihm das Blaue vom Himmel. Rund 30 Musiker wurden zu einer ehrgeizigen, achttägigen Aufnahmesession in die Powerplay Studios in Maur eingeladen. Ein Album, ein Film zum Album, grosse Tour und noch grössere Gagen – das war der hochfliegende Plan. «Doch dann ist alles falsch gelaufen, was falsch laufen kann. Der Typ hat nichts auf die Reihe gekriegt», sagt Amacher, «einen einzigen mickrigen Gig vor fünfzehn Leuten hat er in Deutschland zustande gebracht.» Das fertige Album «8 Days» blieb unveröffentlicht, dazu kamen chaotische Konzerte mit einer übereilt zusammengewürfelten Band im Schweizer Festivalsommer. Ein Jahr nach dem Casting-Abenteuer stand Marc Amacher vor dem Nichts.

Die richtige Mischung

Die Wende zum Guten kam mit Tom Metzger. Der erfahrene Schweizer Manager nahm Ende 2017 mit seiner Agentur «In Rock We Trust» die Sache in die Hand und holte die internationale Künstleragentur «Jazzhaus» (Booking und Label) aus dem deutschen Freiburg mit ins Boot.
Plötzlich ging alles Schlag auf Schlag. Das zweite Album, «Roadhouse», ist schon erschienen. Eingespielt in nur zwei Tagen mit einem Quartett von Schweizer Musikern (Jüre Schmidhauser, Chrigu Berger und Phipu Gerber), die aus demselben Holz geschnitzt sind wie das 35-jährige Berner Oberländer Original und dieselbe musikalische Vision teilen. Amacher braucht den Freiraum und liebt das Spontane, das Musizieren und Reagieren im Moment, aus dem Bauch heraus. «Heja, gib ihm!», wie es Amacher nennt.


Gut die Hälfte der Songs auf «Roadhouse» kennen wir schon von «8 Days», doch das Energielevel in der aktuellen Produktion ist ungleich höher. Der Sound ist roh, direkt und transparent, die Band kompakt und ungekünstelt. «Ich will keine Radiomusik machen, ich will keine Hits schreiben, ich will Musik machen und spielen», sagt Amacher. «Roadhouse» macht Lust auf die Konzerte mit seiner neuen Band.

Coup mit dem Gitarren-Gott

Im Mai folgt eine Deutschland-Tour in angesagten Clubs wie dem Quasimodo in Berlin und Anfang Juni folgt der grosse Höhepunkt, der Coup mit Gitarren-Gott Eric Clapton. «Als ich das meinen Leuten erzählte, dachten sie zuerst, ich würde sie verarschen», sagt Amacher. Nein, es ist kein Witz: Amacher wird Anfang Juni in der Mercedes Benz Arena Berlin, der Stadthalle Wien und in der SAP Arena Mannheim das Vorprogramm der britischen Gitarren-Legende bestreiten.

Besonders stolz ist Amacher, dass er sich nicht um den Gig beworben hat und sich nicht, wie sonst durchaus üblich, in das Vorprogramm eingekauft hat. «Das Management von Clapton hat zuvor unzählige Vorbands abgelehnt, bevor ich angefragt wurde», sagt er. Der Schweizer Bluesmusiker kann es selbst kaum fassen. «Jahrelang habe ich mich an Helden wie Eric Clapton orientiert. Und jetzt spiele ich mit ihm auf derselben Bühne. Unglaublich! Ein Traum geht für mich in Erfüllung. Endlich bin ich dort angekommen, wo ich mich wohlfühle. Dort, wo ich zu Hause bin.»

Marc Amacher Roadhouse (Jazzhaus)
Live mit Eric Clapton 4. Juni Mercedes Benz Arena Berlin; 6. Juni Stadthalle Wien; 8. Juni SAP Arena Mannheim.