Vergleich

Netflix oder HBO – wo gibt es die besseren Serien?

Die hochkarätigsten Serien gibt es zurzeit bei HBO und Netflix. HBO war zuerst, Netflix schaute ab. Doch welcher Anbieter hat nun die Nase vorn? Unsere Filmredaktion ist sich uneins.

HBO ist besser: Ein untrügliches Symbol für intelligente Unterhaltung

Die erste Liebe vergisst man nie. Bei der Musik war das Prince mit dem Stück «Alphabet Street». In Sachen Serien «The Sopranos» von HBO. Gut zehn Jahre ist das erst her, Netflix kannte damals hierzulande trotzdem noch niemand. Meine bessere Hälfte bekennt sich schon seit «Twin Peaks», eine ABC-Produktion wohlgemerkt, als Serienjunkie. Irgendwann hat er mich dazu gebracht, die «Sopranos»-DVD-Box mit nach Hause zu nehmen. Es folgten fünf Staffeln «Six Feet Under», fünf Staffeln «Boardwalk Empire». Alles HBO. Dann kam «Game of Thrones».

Während ich «Sex and the City» noch sporadisch am Fernsehen schaute, Deutsch synchronisiert, kam mit den DVDs das Binge Watching im Original. Und ich, die der Versuchung lange standhielt, war angefixt. Da hat man ja gar keine Zeit mehr, sich Filme anzusehen, hatte ich argumentiert. Tatsächlich erscheint mir Seriengucken immer mal wieder als Zeitverschwendung. Ich will einfach, dass sie richtig gut sind! Und da wären wir wieder bei HBO: «Girls», «Veep», «Big Little Lies», «Sharp Objects» – noch mehr Serien mit weiblichen Hauptfiguren.

Meine Liebe zu Prince hält ein Leben lang, auch wenn er es mir bisweilen schwermachte. An meine erste Netflix-Serie kann ich mich nicht erinnern, prägend kann sie nicht gewesen sein. Einzig «The Crown», die brillante Verflechtung von Geschichte, Politik und Privatem, zieht mich zeitweilig auf die Netflix-Seite. Und die grossartige Musikdoku «Hip-Hop Evolution». Na gut, auch «House of Cards» hat das drei oder vier Staffeln lang geschafft. HBO aber prägt seit Mitte der 1990er-Jahre die Serienwelt und rüttelt sie immer wieder gewaltig durch. So vor sechs Jahren mit der ersten Staffel der atmosphärisch und erzähltechnisch herausragenden Anthologieserie «True Detective». Und gerade wieder, mit «Chernobyl».

Stilprägende Qualität, dafür steht HBO. Mit dieser Meinung bin ich nicht allein. «Chernobyl» und «Succession» haben die diesjährigen Golden Globes mit je zwei Gewinnen dominiert. Die brutal-naturalistische Westernserie «Deadwood» gewann einen, «Barry» von und mit Comedian Bill Hader war bisher sechsmal nominiert. Beide sind oder waren in den USA äusserst beliebt, bei uns kennt sie kaum jemand. Zu Unrecht.

Das Signet, die drei Grossbuchstaben, die sich am Anfang jeder Episode über die Bildstörung legen, ist ein untrügliches Symbol für intelligente Unterhaltung geblieben. Und sorgt bei mir für leichte Erregung. Nicht mehr ganz so wie damals bei Tony Soprano, aber so ist das nun mal im Leben.

Warum Netflix besser ist: Diese Serien sorgen für absolute Glücksmomente

Ich bin ein typisches Serien-Kind der 90er. «Baywatch» hat meinen Fernsehkonsum als Jugendlicher geprägt. Danach lange Zeit nichts, kein Fernseher, keine Serie. Dafür Kinobesuche und Leih-DVDs für den Laptop. Bis ich mir «Breaking Bad» anschauen wollte. Alle sprachen darüber, und ich wunderte mich sehr, wie Menschen sich eine Geschichte antun, die fast 48 Stunden vor der Glotze bedeutet. Schliesslich überwand ich meine Skepsis, und ich löste einen Netflix-Account. Der US-Streamingdienst produzierte damals zwar noch keine Serien, hatte aber ein gutes Händchen und sich die Rechte für «Breaking Bad» gesichert. Monatlich sieben Dollar kostete der Zugang, den ich nach der Serie wieder löschen wollte.

Wollte. Denn gute Serien machen süchtig. Enttäuscht vom Schluss von «Breaking Bad», brauchte ich neuen Stoff.

2012 mischte Netflix neu als Produzent den Markt auf. Als Erstes wurde «Lilyhammer», mitproduziert, eine Mafia-Geschichte über einen New Yorker Paten, der sich nach Norwegen absetzt und im für die Olympischen Winterspiele 1994 bekannt gewordenen Lillehammer eine neue Zelle aufbaut. Mafioso im Norwegerpulli, das war sehr reizvoll. Genauso obskur, aber viel cooler war die erste Staffel der Serie «Fargo», ein Spin-off des gleichnamigen Kultfilms der Brüder Coen. Netflix war an der Produktion zwar nicht beteiligt, bewies aber wiederum guten Geschmack und zeigte die Serie.

Auch die Netflix-eigenen Produktionen wurden besser und besser. Unter ihnen «Orange Is The New Black» über eine weisse Mittelschichtsfrau im vornehmlich von Latinas und Afroamerikanerinnen besetzten Frauenknast. «House of Cards» dann wurde geradezu zum Hype. Nie zuvor hatte ich einen böseren Politiker im Fernsehen gesehen als Kevin Spacey, dessen Intrigen ihn zum mächtigsten Mann des Planeten machten. Zu meinen absoluten Glücksmomenten auf Netflix gehört auch «Narcos» und danach «Narcos Mexiko», die sehr spannend erzählten Geschichten des Drogenkriegs in Lateinamerika.

Zugegeben, daneben gibt es bei Netflix sehr viel Mist. Doch finden sich darauf auch sehr gute Doku-Serien, zum Beispiel «When They See Us» über einen Justizskandal, der einen zu Tränen rührt.

Netflix hat mir und Zigtausenden Menschen die Welt der Serien neu erschlossen. Der Dienst führte dazu, dass andere wie Sky (mit HBO-Serien) nachzogen. Ohne Netflix würden wir immer noch DVDs ausleihen.

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