Neuer Dok-Film
Wie Tina Turner durch die Hölle ging

"Tina" gibt Einblick in das Leben und das Denken der am Zürichsee wohnhaften Sängerin.

Stefan Künzli
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Tina Turner auf dem Höhepunkt ihres Erfolges 2001.

Tina Turner auf dem Höhepunkt ihres Erfolges 2001.

Fin Costello / Redferns

Tina Turner hat den Film «Tina – What’s Love Got to Do with It?» von 1993 über ihr Leben nie gesehen. Sie wollte mit ihrer Vergangenheit nicht mehr konfrontiert werden. «Ich lebte ein Leben voller Gewalt. Anders kann man es nicht sagen», sagt die heute 81-jährige Sängerin in ihrer Villa am Zürichsee. Der neue Dokumentarfilm «Tina», der jetzt in die Kinos kommt, offenbart keine grundlegend neue Erkenntnisse, aber er gibt Einblick in das Denken einer Frau, die durch die Hölle ging. «Tina» macht zumindest teilweise erklärbar, was zuvor unvorstellbar war. Wieso ist sie nicht einfach gegangen? Wieso ist ihr Mann und Peiniger Ike Turner so geworden? Der Dokumentarfilm beschönigt nichts, er ist aber auch keine Abrechnung mit Ike Turner. «Es war eine gute Sache, dass ich ihn getroffen habe», sagt sie heute. Ohne Ike hätte es Tina nie gegeben.

Auch seine Bedeutung für den Rhythm and Blues wird unterstrichen. Sein Song «Rocket 88», den er 1951 komponiert und mit seiner Band eingespielt hat, wird heute von vielen als die Geburt des Rock’n’Roll angesehen. Doch damals wurde Ike übergangen. Der Song wurde dem Saxofonisten Jackie Brenston zugeschrieben. Dieses traumatische Erlebnis hat bei ihm krankhafte Verlustängste ausgelöst, die er an seiner Frau Tina brutal ausliess.

Der Buddhismus hat Tina Turner entscheidend geholfen. «Ich hasste ihn lange», sagt Tina heute über diese schwere Zeit, "es schmerzt mich immer noch, wenn ich zurückdenke. Aber inzwischen habe ich ihm vergeben. Erst wenn du vergeben kannst, hört das Leiden auf».

«Tina» (USA, 2021) Dokfilm von Dan Lindsay und T.J. Martin. Jetzt im Kino.