«Wir wollten das Leben spüren, wollten Teil der grossen Geschichte werden, wollten uns dem Bösen in dieser Welt entgegensetzen.» Das lässt der Autor Urs Hardegger den damals 26-jährigen «Jak» Jakob Aeppli im Juli 1937 am Strand von Barcelona sagen.

Bei ihm sind der Zürcher Gemüsehändler Edi Gmür (30) und Zita Gmür-Schulz (20). Edi und Zita haben im Juni 1937 in Spanien zivilrechtlich geheiratet. Gmür hat zwar in Zürich eine Frau und einen Sohn, aber die Beziehung zu Zita dauert schon länger.

Alle drei sind desillusioniert. Der Spanische Bürgerkrieg tobt nun schon ein gutes Jahr und es ist absehbar, wer ihn gewinnen wird. Auch wenn Francos Truppen einen schnellen Sieg gar nicht anstreben und die republikanischen Kräfte sich immer besser wehren. Für die schlechte Stimmung ist vor allem die Uneinigkeit auf der republikanischen Seite verantwortlich.

Gemässigte Republikaner, Sozialdemokraten und Sozialisten, linke Anarchisten und Kommunisten haben ausser einem ausgeprägten Antifaschismus nicht viel gemeinsam. Der war immerhin stark genug, um den Krieg bis 1939 zu verlängern. Mit unglaublichen Gräueltaten beider Seiten, die auch Hemingway in seinem Klassiker «Wem die Stunde schlägt» nicht auslässt.

Kämpfer gegen den Faschismus

Zwischen die linken Fronten gefallen waren aber vor allem die sogenannten «Spanienkämpfer». Meist junge Linke aus allen europäischen Ländern, wahrscheinlich mehr als 30 000, waren nach Spanien geeilt, um die Republik gegen den Faschismus zu retten. Die Komintern organisierte sie zu «Internationalen Brigaden».

Miserabel ausgerüstet, schlecht ausgebildet und geführt – bei den vielen Sprachen, die gesprochen wurden, war das kaum anders möglich – war ihr militärischer Beitrag wahrscheinlich weniger gross, als die Propaganda es darstellte. Humanitäre Ideale und Klassenkampf gegen italienische Caproni- und deutsche Junkers-Kampfflugzeuge reichten nicht weit.

Hitler und Mussolini hatten schon Flugzeuge bereitgestellt, um Francos Elitetruppen aus Marokko aufs Festland zu bringen. Und sie lieferten den Aufständischen fleissig Waffen, aber auch militärisches Personal. Die deutsche «Legion Condor» bombardierte nicht nur Guernica, sondern nutzte die Gelegenheit ausgiebig, den modernen Luftkrieg zu proben.

Grossbritannien fürchtete, dass sich der Konflikt ausweiten könnte und überredete die Demokratien zu einem Embargo. Den Nichtinterventionspakt unterzeichnete auch die Sowjetunion. Sie lieferte trotzdem als einzige Macht den Republikanern Waffen und Unterstützung.

Immerhin hatte die Komintern die Strategie gewechselt und aufgehört, alle linken Gruppierungen ausser den Kommunisten «Sozialfaschisten» zu nennen. Stalin konnte Franco nicht verhindern, aber er gewann auch die Überzeugung, dass die westlichen Demokratien in einem Konflikt gegen Hitler keine Verbündeten sein würden.

Politische oder private Gründe?

In diesen Hexenkessel lässt Hardegger in seinem Roman den gescheiterten Gemüsehändler Edi Gmür fallen. Er ist eine – mindestens – schillernde Figur, dem man den überzeugten Republikaner und Antifaschisten nicht immer abnimmt. In seinem Tagebuch, das erhalten geblieben ist, schlägt er die Freiheitstöne an, aber es sind mindestens gleich starke private Motive, die ihn nach Spanien treiben.

Edi Gmür in der Uniform der Milizsoldaten (links). Gmürs Freund Miggel Kummer (rechtes Bild, hinten).

Edi Gmür in der Uniform der Milizsoldaten (links). Gmürs Freund Miggel Kummer (rechtes Bild, hinten).

Und die Art und Weise, wie er und drei Kollegen dann nach Süden aufbrechen, ist spektakulär genug. Gmür mietet bei einem Zürcher Taxi-Unternehmen ein luxuriöses Mercedes-Kabrio: Spritzfahrt mit Imponiergehabe – an die Front.

Gmür und die Kollegen erleben einiges, vieles auch, was sie lieber nicht erlebt hätten. «Ich hatte ehrenwerte Gründe, nach Spanien zu fahren», das sagt Gmür im Prozess nach seiner Rückkehr in die Schweiz. Die Spanienkämpfer erhielten Gefängnisstrafen von einigen Monaten für «unerlaubten Eintritt in fremden Militärdienst».

Vor Gericht ist es schwierig, die Motivlage so darzustellen, dass die Strafe nicht zu hoch ausfällt. «Abenteuerlust» kann es nicht gewesen sein, «kommunistische Überzeugungen» sind auch nicht so geeignet, und wenn man «private Gründe» angibt, läuft man Gefahr, der Lächerlichkeit preigegeben oder gar wegen «liederlichen Lebenswandels» noch schärfer bestraft zu werden.

Gmür ist immerhin 30 und sieben Jahre verheiratet, die Kollegen sind jünger. Zwei werden in Spanien umkommen, zwei werden zurückkommen. Gmür und Kummer werden – so wird angedeutet – «den Weg zurück in ein normales bürgerliches Leben» nicht finden. Auch wenn sie dies im Gefängnis und in dunklen Stunden in Spanien sehnlichst wünschten.