Kultur

Neues Album von Sc'ööf: Ein wuchtiges Kondensat aus Rhythmus und Sound

Die Band Sc’ööf tritt zusammen mit Gästen an mehreren Abenden im Luzerner Club Dänemark auf.

Die Band Sc’ööf tritt zusammen mit Gästen an mehreren Abenden im Luzerner Club Dänemark auf.

Auf ihrem neuen Album wirken die Luzerner hartnäckig und abenteuerlich. Das Luzerner Quartett stellt seine Musik an neun Abenden im Club Dänemark vor.

Jazz Auf einem ehemaligen Gewerbeareal im Luzerner Maihofquartier, wo sich das «Esszimmer» befindet, haben rund ein Dutzend junge Musiker sowie Kultur- und Kunstschaffende im letzten Herbst den Club Dänemark eingerichtet. Die kleinen Räumlichkeiten sind ein Ort für Experimente und Begegnungen. Hier entwickelten die vier Musiker der Band Sc’ööf grosse Teile ihrer Musik, und nahmen dabei auch ihr neues Album auf. Es ist nach dem Album «B.S.P.P.» der Band Tanche, welches diesen Frühling erschienen ist, die zweite Produktion aus dem Hause Club Dänemark.

Christian Zemp (Gitarre), der auch bei Tanche dabei ist, sitzt mit dem Schlagzeuger Amadeus Fries draussen vor dem Club und macht Pause. Die beiden sind regelmässig vor Ort. Sie haben hier ihren Übungsraum, Fries hat zudem ein kleines Aufnahmestudio eingerichtet. Ihre Sc’ööf-Kollegen trudeln später ein. Es sind die Saxofonisten Noah Arnold und Elio Amberg. Es gibt noch einiges zu besprechen und zu tun, bevor dieses Wochenende eine ungewöhnliche Plattentaufe steigt.

Vier längere Tracks

Die vier Musiker haben sich an der Jazzabteilung der Luzerner Musikhochschule kennen gelernt und Sc’ööf vor fünf Jahren gegründet. Ihre Musik ist heute an einem anderen Ort, wie ihr neues Album verdeutlicht. «Weaving Elephants» enthält vier längere Tracks, mit denen sowohl die konventionellen Jazzhörer wie die unkonventionellen Musikfreunde herausgefordert werden. Die Musik besticht durch ihre Andersheit und Kompaktheit. Hier wurde extrem viel gedrechselt und gebastelt, dennoch siegen am Ende Klarheit und Dringlichkeit. Die Band hat mit ihrer Arbeitsweise und zahlreichen Konzerten eine eigene musikalische Sprache entwickelt.

«Weaving Elephants» ist ein dichtes Gewebe aus rhythmischen Konstrukten, eigenwilligen Sounds und repetitiven Strukturen, die mit einer druckvollen Spielweise auf den Punkt gebracht werden. Wucht und Emotionalität treffen auf Konzept und Reduktion. Man hört Versatzstücke aus Jazz, Minimal, Math-Rock, Noise, Punk, Abstract. Es ist eine Musik der harten Schnitte und der permanenten Veränderung. Dennoch hält die Spannung und wirkt die Musik organisch.

Eingespieltes Material auseinandergenommen

«Es war ein langer Prozess», sagen Schlagzeuger Amadeus Fries und Gitarrist Christian Zemp zur Entstehungsweise des neuen Albums. Das Vorgehen war dabei immer gleich: Wann immer sie zusammenkamen, haben Sc’ööf bestimmte Teile ihres eingespielten Materials auseinandergenommen, neu zusammengefügt und dann wieder eingeübt. So entstand ein eigentlicher Kompositionsprozess, der nicht auf dem Notenpapier ausgetragen, sondern im konkreten Spiel und im permanenten Trial-and-Error-Verfahren entwickelt wurde.

Das Überraschende daran ist, dass Sc’ööf ihre abenteuerlich klingenden Stücke so spielen können, wie sie auf dem Album zu hören sind. «Es ist immer klar, wer und was einer spielt. Die rhythmischen Strukturen und Sounds sind definiert.» Was neu dazu kommt, ist die Live-Energie. Mit ihrer kollektiven Vorgehensweise hat die Band die Spezialitäten ihrer Mitglieder fortlaufend integriert. Die rhythmischen Konstrukte haben vor allem Fries und Amberg eingebracht. So ist die aktuelle Sc’ööf-Musik ein Kondensat aus Rhythmus und Sound, das bei aller Verwobenheit jede Menge an Überraschungen und Energieschüben bietet.

Neun Event-Abende im Club Dänemark

Zwischen dem 4. und 13. September finden unter dem Namen «easy undercover series» zehn Live-Abende statt, die alle verschieden sein werden. Neben Sc’ööf sind zahlreiche Gäste aus verschiedenen Kunstsparten daran beteiligt. Details werden allerdings keine bekanntgegeben, es soll eine Performance-Reihe mit Überraschungen bleiben. Sicher ist nur, dass Sc’ööf am kommenden Montag, 7. September, auch im Moods in Zürich für den ZKB Jazzpreis 2020 auf der Bühne stehen werden.

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