Rock
Was hat Deep Purple mit Polo Hofer zu tun?

Auf dem neuen Album «Turning To Crime» präsentieren sich die Hard Rock-Pioniere von einer anderen Seite und spielen nur Coversongs. Der Wahlschweizer Roger Glover gibt Auskunft.

Stefan Künzli
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Deep Purple als Knastbrüder: Steve Morse, Ian Paice, Ian Gillan, Don Airey und Roger Glover.

Deep Purple als Knastbrüder: Steve Morse, Ian Paice, Ian Gillan, Don Airey und Roger Glover.

Ear Music

«Das ist vielleicht unser letztes Album», sagte Roger Glover vor einem Jahr im Interview mit dieser Zeitung zur Veröffentlichung des Albums «Whoosh». Doch jetzt ist alles wieder anders. «Turning To Crime» heisst das neue Werk von Deep Purple, das diese Woche erscheint. Und schon hat sich die Band wieder zu Songsessions für ein weiteres Album getroffen. Die englischen Hard-Rock-Pioniere haben noch keine Lust, in Rente zu gehen.

Doch das neue Album zeigt Deep Purple von einer anderen Seite. In den Anfangsjahren Ende der 60er, hat die Band auch Songs von anderen Interpreten wie den Beatles, Jimi Hendrix und Ike & Tina Turner interpretiert, ein reines Coveralbum gab’s in der über 50-jährigen Geschichte von Deep Purple aber noch nie. Gehen der Band, im Herbst ihrer Karriere, die Ideen aus?

Deep Purple wird zur Swing-Band

Bassist Roger Glover widerspricht. Das Problem sei ein anderes, wie er im Gespräch in seiner Wohngemeinde Frick ausführt: «Wir schreiben keine Songs. Vielmehr treffen wir uns, jammen ein bisschen und lassen die Songs spielend entstehen. Die Songs erscheinen uns», erklärt Glover. Dieses Vorgehen war aus den bekannten Gründen nicht möglich, weshalb sie für einmal auf andere Songs zurückgegriffen.

Die Songentwürfe sind in den jeweiligen Heimstudios der Musiker aufgenommen worden. Im April dieses Jahres wurden die Songs dann in Peter Gabriels Realworld-Studios in vier Tagen aufgenommen. Doch Glover, der am 30. November 76 Jahre alt wird, musste zuvor noch in eine einwöchige Quarantäne. War es schlimm? «Nein, überhaupt nicht. Ich habe es sogar genossen. I like my own company», sagt er und lacht.

Auf der Songliste befindet sich auch kein Hard Rock. Vielmehr sind auffällig viele Rock-’n’-Roll-Stücke der 50er-Jahre dabei sowie Songs der Yardbirds, von Love, Fleetwood Mac, Cream aus den 60er-Jahren. «Es sind Songs, die uns geformt haben und Teil unserer musikalischen DNA geworden sind», sagt Glover. Deep Purple interpretiert die Songs natürlich anders. Auffällig ist aber, dass ein Grossteil ein rhythmisches Swingfeeling hat, die Songs darum leichter wirken als normale Purple-Songs. Ian Paice, ursprünglich ein Jazz-Drummer, aber auch Don Airey (Piano) und Sänger Ian Gillan fühlen sich auf diesem Parkett hörbar wohl.

Bekannt und überraschend für Schweizer Ohren sind die Songs «Dixie Chicken» und«Battle Of New Orleans». Aus letzterem, einem Traditional, haben die Les Humphries Singers im Jahre 1972 den Mega-Hit «Mexico» geschustert und «Dixie Chicken», ursprünglich von Little Feat, kennen wir in der Mundartversion «Kiosk», dem grössten Hit von Rumpelstilz mit Polo Hofer.

Beide Versionen sind dem Wahl-Schweizer Glover aber nicht bekannt. Und auch mit dem Namen Polo Hofer kann Glover nichts anfangen. «Ganz ehrlich, wir haben uns damals weder für Musik aus Deutschland noch aus der Schweiz interessiert», sagt er, «weshalb sollten wir auch? Wir hätten es ja eh nicht verstanden.»

Deep Purple: Turning To Crime (phonag). Erscheint am 26. Nov.

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