Netflix und Co. blasen zum Angriff

Offensive gegen Serienkönig «Game of Thrones»

Besser denn je: «Better Call Saul» mit dem kriminellen Anwalt Jimmy McGill (Bob Odenkirk)

Besser denn je: «Better Call Saul» mit dem kriminellen Anwalt Jimmy McGill (Bob Odenkirk)

Weil «Game of Thrones» die Frist für den Fernsehpreis Emmy verpasst, haut die Konkurrenz all ihre besten Serien auf einen Schlag raus.

Oh Fernsehvolk, lasst uns frohlocken! Was werden wir derzeit verwöhnt. Keine Woche vergeht, ohne dass uns HBO, Netflix und Co. frische Waren auftischen, die unseren Appetit auf gute Fernsehserien mehr als sättigen.

Da wäre zum Beispiel «Better Call Saul» (Netflix), das mit seiner kürzlich angelaufenen dritten Staffel an die besten Zeiten von «Breaking Bad» erinnert.

Oder «Silicon Valley» (HBO), das die lustigsten Einblicke in die nerdige IT-Welt bietet, oder «The Handmaid’s Tale» (Hulu), das mit seiner düsteren Zukunftsvision von als Sexsklaven missbrauchten Hausfrauen aufrüttelt.

Unverpassbar sind auch die neuen Staffeln von «Master of None» (der strahlendste Pastamacher und die melancholischste Romanze!) von Netflix und «The Leftovers» (der noch spannendere Nachfolger von «Lost»!) von HBO.

Alle wollen den Emmy

Kein Zufall, dass der Serienkalender gerade jetzt so dicht gefüllt ist: Wer sich für den diesjährigen Emmy qualifizieren will, muss bis zum 31. Mai alle Episoden der aktuellen Staffel ausgestrahlt haben.

Der renommierteste Fernsehpreis der Welt wird am 17. September verliehen.

Bei den letzten beiden Verleihungen ging der wichtigste aller Emmys, jener für die beste Drama-Serie, jeweils an das Fantasydrama «Game of Thrones» (HBO), das mit insgesamt 38 Auszeichnungen so viele auf seinem Konto hat wie keine andere Serie.

«Game of Thrones» gewann bereits 38 Emmys – Rekord. HBO

«Game of Thrones» gewann bereits 38 Emmys – Rekord. HBO

Weil allerdings die neue, siebte Staffel von «Game of Thrones» dieses Jahr erst Mitte Juli startet statt wie üblich Anfang April, verpasst der Serienkönig erstmals die Emmy-Frist. Sein Thron ist angesägt.

HBO will die Krone natürlich im Haus behalten. Neben «The Leftovers», das mit seiner jetzigen dritten Staffel zu Ende geht, hält der Sender dieses Jahr auch mit «Westworld» gute Karten in der Hand.

Die neue Science-Fiction-Serie spielt in der Zukunft und zeigt den Wilden Westen als Vergnügungspark für Reiche.

«Westworld» erhielt teilweise noch bessere Kritiken als «Game of Thrones» und wird als dessen designierter Nachfolger angesehen.

Netflix bläst zum Angriff

Doch HBO hockt ein ernstzunehmender Konkurrent im Nacken: Netflix. Der Streamingdienst brennt darauf, endlich den Emmy für die beste Dramaserie zu gewinnen. Selbst seine hochgelobte Serie «House of Cards» wurde bislang nur in Nebenkategorien ausgezeichnet.

Kein Wunder, hat Netflix in den letzten Monaten eine regelrechte Offensive gestartet. Neue Serien wie «The Crown» (über Königin Elisabeth II.) und «Stranger Things» (über eine gruslige Parallelwelt) beeindruckten auf Anhieb und bescherten Netflix Millionen neue Abonnenten.

Die grössten Siegeschancen für Netflix orten Emmy-Experten bei «Better Call Saul». Die neuen Folgen über den kriminellen Anwalt Jimmy McGill würden selbst die meisterhafte Mutterserie «Breaking Bad» in den Schatten stellen, urteilten Fans und Kritiker.

«Breaking Bad» war die letzte Serie, die vor «Game of Thrones» den Drama-Emmy gewinnen konnte. Ein gutes Omen.

Egal, welche Serie am Schluss den Emmy gewinnt: Die wahren Gewinner sind wir, die Zuschauer. Der Kampf um den Thron hat die Macher unserer Lieblingsserien zu Höchstleistungen angetrieben.

Meistgesehen

Artboard 1