Kultur

Padi Bernhard über sein Leben und seine Karriere: «Ich bin extrem dankbar»

Ist mit sich im Reinen: Padi Bernhard geniesst ein Fussbad im Vierwaldstättersee.

Ist mit sich im Reinen: Padi Bernhard geniesst ein Fussbad im Vierwaldstättersee.

Padi Bernhard wird 50. Der Autor und Sänger des Hits «Ewigi Liäbi» schaut auf 27 Jahre musikalisches Schaffen zurück.

«Unzerstörbar» nennt er ihn, diesen Song, den er Mitte der Neunzigerjahre geschrieben hat. Dieses eine Lied, das sein Leben derart mitgeprägt hat und das so gut wie jeder Schweizer und jede Schweizerin kennt. 25 Jahre später sitzt Padi Bernhard mit einem breiten und zufriedenen Lächeln in einem Café mit Blick auf den Vierwaldstättersee. Hier in Brunnen ist der Autor und Sänger von «Ewigi Liäbi» zu Hause – seit bald fünf Jahrzehnten. Der vielleicht bekannteste Zentralschweizer Mundartmusiker feiert am Samstag den 50. Geburtstag und einen Tag davor mit seiner neuen Band Trybguet Plattentaufe.

Bernhard schaut auf eine bewegte Künstlerkarriere zurück, die mit «Ewigi Liäbi» erst so richtig lanciert wurde und in deren Verlauf er nie die Bodenhaftung verloren hat. Entsprechend zeigt sich der Schwyzer beim Treffen in einem seiner Lieblingslokale authentisch, heimatverbunden, bescheiden und überlegt.

So unzerstörbar wie sein grosser Hit scheint auch Bernhard selbst zu sein. Die unweigerliche Frage danach, ob es nicht auf die Nerven gehe, wenn man seit Jahren in erster Linie mit diesem einen Lied in Verbindung gebracht wird, beantwortet er gelassen. «Es gab durchaus Phasen in meinem Leben, da habe ich es verflucht und dachte: Lasst mich doch in Ruhe mit dem Song. Aber letztlich ist es ein Geschenk. Ich kann stolz und dankbar sein, dieses Lied geschrieben zu haben», resümiert er.

Kult um den Song hat sich verselbstständigt

Erst fünf Jahre, nachdem er ihn zu Papier gebracht hatte, nahm er ihn mit der damaligen Band Mash auf. «Ewigi Liäbi» war der abschliessende Song auf dem Album «Nid Vo Bärn» und kurbelte den Verkauf der Platte erst mit etwas Verzögerung an – dann nämlich, als er auf einmal auf allen Radiostationen rauf und runter lief. Mit «Ewigi Liäbi» hatte Bernhard danach immer wieder das Gefühl, den Höhepunkt erreicht zu haben.

So paradox es klingen mag: Solche Erfolge können Karrieren zerstören. Tatsächlich löste sich Mash 2005 auf. Allerdings lag dies nicht daran, dass man nach «Ewigi Liäbi» an der Erwartungshaltung zerbrach. Bernhard erinnert sich:

Noch grösser wurde das Lied Mitte der Nullerjahre und dem gleichnamigen Musical sowie der TV-Sendung «Die grössten Schweizer Hits». «Es kam immer noch eine Schippe drauf. Ich vergleiche das immer mit einem Kind, welches man gross zieht, hegt und pflegt und irgendwann geht es seinen eigenen Weg», sagt Bernhard. Der Kult um den Song und damit auch um den Urheber hatte sich verselbstständigt.

Zu den alten Bandmitgliedern unterhält Bernhard ein gutes Verhältnis. Eine Reunion sei jedoch überhaupt kein Thema. Erst recht nicht, weil er inzwischen mit seiner neuen Band Trybguet sehr viel Spass hat – und gleichzeitig auch bei den Fans gut ankommt. Das Debütalbum «So wyt so guet» stürmte Anfang Monat sofort in die Top Ten der Schweizer Album-Charts. Genugtuung ist bei Bernhard über diese Platzierung zu spüren, auch wenn er Musik stets frei von finanziellem Druck und überehrgeizigen Chart-Ambitionen macht.

Und was man besonders merkt: Das Album trägt melancholische und sehr persönliche Züge, drückt dadurch eine gewisse Reife aus. Das Unbeschwerte von früher fehle zwar ein bisschen, aber das sei eben ein Spiegelbild des Lebensabschnitts, sagt Bernhard. Am besten hätten sowieso immer Songs funktioniert, in denen er authentisch geblieben ist und von sich erzählte.

Padi Bernhard in einem seiner Lieblingscafés in Brunnen.

Padi Bernhard in einem seiner Lieblingscafés in Brunnen.

Damit käme auch das Beste am Musikmachen zum Vorschein, ergänzt Bernhard: «Wenn ich die Menschen mit meinen Geschichten berühren kann.»

Nie still stehen und den Moment dennoch geniessen können

Seit 2016 macht er nun schon Musik mit Trybguet. Doch erst 2018 folgte der erste Gig, vor ein paar Wochen dann das Album. Morgen Freitag steht nun im Gaswerk Seewen die Plattentaufe an. «Wir haben relativ schnell eine gemeinsame musikalische Linie gefunden.» Am Ende ist einerseits ein klassisches Bernhard-Mundartpop-Werk daraus geworden, andererseits fliessen auch neue Elemente wie ein grosse Prise Country mit hinein. Nie stillstehen, sich nicht einfach zurücklehnen und doch den Moment geniessen können. Bernhard scheint diesen Spagat zu schaffen. Beim Sinnieren über den runden Geburtstag, der ein halbes Jahrhundert Lebenszeit repräsentiert, ist kein Funken Bitterkeit zu spüren. Bernhard scheint im Reinen mit sich und der Welt.

Seit kurzem hat er einen neuen Job als Schulleiter angetreten. Das fordere ihn enorm, bereichere aber auch sein Leben mit ganz neuen Impulsen. Nur auf die Karte Musik zu setzen und den Job als Lehrer an den Nagel zu hängen, kam für ihn nie in Frage.

Was treibt ihn an, immer wieder neue Songs zu schreiben? Es sei der Prozess an sich, der ihn fasziniert: «Ein weisses Blatt Papier vor mir zu haben und eine Melodie im Ohr: Das ist mit das Spannendste.» Durch das Älter-Werden findet er zunehmend die Gelassenheit, um musikalisch genau dahin zu kommen, wo er hin will: «Man verfügt naturgemäss über viel mehr Vergleichswerte. Das führt dazu, dass man genau weiss, was man tut.»

«Weck mi uf» ist ein Song, der diese Entwicklung verdeutlicht. Er wirft die Frage auf, ob man sein Leben auch wirklich so gelebt hat und lebt, wie man es möchte. «Wenn du älter wirst, überlegst du dir zwischendurch schon, ob die eine oder andere Entscheidung richtig war. Und jeder anders gefällte Beschluss hätte dich ganz woanders hingetragen.» Nun entfaltet sich der nachdenkliche Padi Bernhard in voller Blüte. Subtil, analytisch, bedacht – so wie man ihn von der Promi-Berichterstattung aus den Boulevardmedien oder dem Fernsehen kaum kennt. «Ich habe die Welt nicht bereist, vieles nicht gemacht, was man hätte tun können. Vielleicht bereue ich dies eines Tages, aber ich lebe im Hier und Jetzt und bin glücklich. Und für all das, was ich bisher erleben durfte, bin ich enorm dankbar.» Er zählt dabei privates Glück mit Ehefrau Bea und den beiden Kindern im Teenager-Alter genauso auf wie das Privileg, an «einem der schönsten Ort der Welt geboren worden zu sein». Sein Blick wandert über den im Herbstlicht glitzernden See.

Mit einer Prise Selbstironie

Einige Kilometer landeinwärts wird er morgen mit Trybguet das neue Album den Fans vorstellen, auf der Bühne stehen, die Menschen berühren wollen. Auch mit Trybguet hat er eine Version seines grossen Hits eingespielt. «Damit bin ich wirklich sehr zufrieden. So hätte der Song eigentlich von Anfang an klingen sollen», sagt Bernhard mit einer Mischung aus Augenzwinkern und Ernsthaftigkeit. Und fügt schelmisch hinzu: «Doch hätten wir ihn damals so eingespielt, es wäre vielleicht gar nie ein Hit geworden.» Auch dieses Statement sagt viel über den Künstler und Menschen Bernhard aus: Eine gute Portion Selbstironie und kritische Distanz zum eigenen Schaffen schadet niemandem.

Bleibt die Frage, ob es rückblickend nicht doch etwas gibt, das er bereut? Bernhard muss lachen und gesteht: «In meiner Funktion als Lehrer oder nun Schulleiter kann ich mir gewisse Dinge beim Texten nicht erlauben. Da hätte ich mich ab und zu gerne etwas mehr ausgelebt.» Na ja, vielleicht kommt das ja noch, Padi Bernhards Durst nach Musik ist längst nicht gestillt. «Ich habe noch viel Songmaterial in mir.» Die Fans wird es freuen.

«Bliibed diheimä» statt «Ewigi Liäbi»

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