Kunst

«Panorama von Muottas Muragl»: Fünf Meter Giacometti kommen unter den Hammer

Giovanni Giacometti: «Panorama von Muottas Muragl», 1898. 67×510 cm. Der Ausschnitt zeigt die pointillistische Malweise. Das ganze Panorama finden Sie weiter unten im Artikel.

Giovanni Giacometti: «Panorama von Muottas Muragl», 1898. 67×510 cm. Der Ausschnitt zeigt die pointillistische Malweise. Das ganze Panorama finden Sie weiter unten im Artikel.

An den aktuellen Schweizer Auktionen sind solch aussergewöhnliche Stücke rar

Fünf Meter Engadin, fünf Meter Giovanni Giacometti. Das «Panorama von Muottas Muragl» kommt nächste Woche bei Koller Auktionen unter den Hammer. Ein sehr seltenes Werk, umso schwerer ist es schätzbar. 2,8 bis 4 Millionen Schweizer Franken erwartet das Zürcher Auktionshaus.

So spannend wie der Ausgang der Versteigerung ist die Entstehungsgeschichte. Giovanni Giacometti, eben 29 geworden, begleitete 1897 den von ihm bewunderten Giovanni Segantini auf den Aussichtspunkt Muottas Muragl bei Samedan. Noch fuhr keine Bahn hinauf, viel Material nahm man also nicht mit.

Aber die Skizzen sollten Grundlage sein für Segantinis gigantisches Rundbildprojekt für die Weltausstellung in Paris. Das ehrgeizige Projekt zerschlug sich. Giovanni Giacometti fand in Anna Planta aber eine private Auftraggeberin. 1898 malte er für sie diese herbstliche Rundumsicht.

Allerdings mit «Fehlern» – wie den geografisch falsch dargestellten Seen. Ein Gemälde soll den Eindruck und die Gefühle, die man in der Landschaft empfindet, wiedergeben, fotografische Exaktheit sei nicht gefordert, schrieb Giacometti selber dazu.

Das Werk könnte am 28. Juni das teuerste Werk der Schweizer Auktionssaison werden. Millionenwerke sind bei Schweizer Auktionen – nach einem Peak für Hodler & Co. 2007 – rar geworden. Die Meldung von Kornfeld Bern, Albert Ankers «Tee und Schmelzbrötchen» von 1873 habe einen Rekord für Ankers Stillleben aufgestellt, wirkt wie eine Nachricht aus besseren Tagen.

Vor allem in den mittleren und tieferen Segmenten habe man die Preise nach unten angepasst, bestätigt Cyril Koller. «Die Käufer sind wählerischer als vor zehn Jahren. Nicht nur in der Schweiz. Was nicht absolut top ist, müssen wir vorsichtiger schätzen.» Zeichnungen von Albert Anker etwa habe man vor zehn Jahren bei 50 000 bis 70 000 Franken angesetzt, heute bei 20 000 bis 40 000.

Das schlägt auf die Umsätze: Sotheby’s – seit 40 Jahren mit Schweizer Kunst in Zürich im Geschäft – rechnet am Dienstag «nur» mit 5 Millionen Franken Erlös. Koller sowie Beurret & Bailly in Basel mit je rund 7 Millionen. Kornfeld meldete – dank vielen internationalen Werken – 36 Millionen Franken Umsatz.

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