Kultur

Patent Ochsner in der Schüür: Ein Abend voller Wärme

Patent Ochsner mit Frontmann Büne Huber beim Auftritt in der Schüür.

Patent Ochsner mit Frontmann Büne Huber beim Auftritt in der Schüür.

Die Berner Kultband Patent Ochsner spielte in Luzern ein begeisterndes Konzert. Mit unkonventionellen Ideen und Menschlichkeit.

Ausverkaufte Konzerte machen durstig. Je mehr Leute in einem Raum, desto wärmer, desto trockener die Kehle. Wer sich am Freitagabend in der Schüür tapfer an die Bar im Konzertsaal gekämpft hatte, musste durstig wieder abzotteln: Geschlossen. Auf Wunsch von Patent Ochsner. Das Publikum sei so ruhiger und aufmerksamer. Sogar als höchstdurstiger Konzertgänger muss man sagen: Sie haben recht. Selbst in den hinteren Reihen ertrinkt das Konzert nicht im Plapper-Rauschen, sondern bleibt gut hör- und fühlbar.

Auch sonst wählt die Berner Band da und dort den unkonventionellen Weg. Gestartet wird ruhig. Und ohne einen Hit, den Bands normalerweise früh abfeuern, um das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Stattdessen gibt es in den ersten vier Songs viel Platz für die fünfköpfige Bläsersektion. Viele Soli, etwas ausufernd mitunter, aber selten übertrieben.

Zehn Leute auf der Schüür-Bühne

Die Energie, die da ab Minute Eins von der Bühne kommt, ist beachtlich. Und so wird es bis Minute Hunderteinundreissig bleiben. Zu zehnt bleibt die Band trotzdem geschmeidig und lässt jedem einzelnen Musiker genügend Platz. Büne Huber ist der unbestrittene Frontmann. Mit Hut und einer Stimme, die so viel Wärme ausstrahlt, dass man fast noch ein bisschen mehr Durst bekommt.

Das Publikum ist da. Nicht euphorisch, aber begeistert. Und selbst bei den Nicht-Hits erstaunlich textsicher. Spätestens bei «Guet Nacht, Elisabeth» singen dann die trockenen Kehlen alle mit. Huber erzählt vorher eine rührende, kurze Geschichte über das Loslassen, das Abschiednehmen, das Gehenkönnen. Das gibt dem Song den poetischen Unterboden und die Band sorgt für den stimmungsvollen Rest.

«Was haben wir für einer Alternative, ausser Gutmensch zu sein», fragt Huber. Und beklagt die Verrohung der Sprache und der Welt. Es sei doch lächerlich, wenn «man als Gutmensch beschimpft wird, nur weil man es nicht für denkbar hält, dass man Leute im Mittelmeer ertrinken lässt». Er sitzt am Klavier und spielt das bitterböse «No geits».

Geschrieben 1991. Schrecklich zeitlos.

Huber erzählt, wie er Polo Hofer noch einen Brief geschrieben habe. Der Brief erreichte Hofer nie. Huber hatte versäumt, ihn auf die Post zu tun, weil er am Sonntag «wie ihr auch alle in einer traurigen Trainerhose auf dem Sofa gesessen bin und ein Formel-1-Rennen geschaut habe» und vor lauter Bequemlichkeit nicht zum Briefkasten ging. Und als er wieder an den Brief sinnte, kam im Radio die Meldung über Hofers Tod. So entstand der Song «Kreis», eine sehr respektvolle Hommage an Polo National. Man hätte in diesem Moment gerne das Glas auf ihn erhoben, aber die Bar hatte ja geschlossen.

Auch «Mini Farb und Dini» wird gesungen

Mit fortschreitender Konzertdauer wird die Band rockiger und grooviger. «Fischer» spielen sie in einer fast schon frechen funky Version, recht schnell, recht grossartig. Es sind jetzt eigentlich nur noch Hit-Hits. «Bälpmoos» auch. Natürlich. Zeitgeistig könnte man es bedauern, dass der Song von einem Flughafen handelt, jetzt wo doch niemand mehr fliegt, aber es gibt leider schweizweit keinen Bahnhof, der in einem Patent-Ochsner-Refrain ähnlich grossartig klingen würde.

Am Schluss verschmelzen dann irgendwie «Scharlachrot» und «Mini Farb und dini» zu einem Song. Es ist mittlerweile noch etwas heisser und endlich richtig euphorisch geworden. Auch dem letzten Zuhörer ist jetzt klar, warum diese Band ihre aktuelle Tour innert weniger Tage ausverkaufte (in Luzern füllten sie am Freitag und Samstag die Schüür gleich zweimal). Das ist live richtig gut. Auf der Platte schaffen sie es nicht immer, um die Schmalz-Falle zu kurven, auf der Konzertbühne dagegen schon. Büne Huber sagt, er werde jetzt noch eine Weile «allerlei Dinge» signieren. Die Bar öffnet wieder.

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