Rock
Nick Cave veranstaltet auf seiner neuen CD ein heilendes Gemetzel

«Carnage» heisst das neue Album des 63jährigen Australiers. Während des Lockdowns entstanden atmen seine Songs eine gespenstische Ruhe.

Michael Graber
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Nick Cave hat den Lockdown kreativ genutzt.

Nick Cave hat den Lockdown kreativ genutzt.

Bild: Imago-Images

Nick Caves Lied «White Elephant» ist ein Höllenritt. Als dunkel watschelnde Ambient-Nummer steigert es sich in eine Gospelnummer, in der mehr schief als richtig, dafür mit voller Inbrunst gesungen wird. «A time is coming/A time is nigh/For the kingdom in the sky/We’re all coming home/For a while.» Nick Cave und Bad-Seeds-Mastermind Warren Ellis haben ein Werk voller Extreme geschrieben. Entstanden im Lockdown mit viel Zeit und wenig Optimismus. «Carnage» (Gemetzel) heisst die Platte, die Cave letzte Woche überraschend veröffentlichte. Ein Gemetzel ist es aber glücklicherweise selten. Es ist vielmehr die Ruhe vor dem Gemetzel, vielleicht.

Dieses Jahr bleiben wir daheim

Oft schwingt eine Bedrohlichkeit durch die Songs. Cave und Ellis suhlen sich aber nicht darin, sie suchen das Licht und den Weg nach draussen. In der feinen Ballade «Albuquerque» singt Cave hinreissend: «And we won’t get to anywhere/Anytime this year, darling.» Dieses Jahr bleiben wir daheim. Unsere Sehnsucht sparen wir uns auf. Tolle Platte.

Nick Cave & Warren Ellis: Carnage (Goliath/Limmat)