Übermalen, abdecken oder vorzeigen? Schüler, Lehrer, Behörden, Historiker und Politiker ringen in dem brisanten Streit um Zensur, Rassismus und politischer Korrektheit um eine Lösung.

Kritiker stossen sich an der Darstellung über das Leben des ersten US-Präsidenten George Washington vor allem an der Abbildung von Sklaven und getöteten Ureinwohnern. "Es ist aber wichtig, unsere Geschichte zu bewahren", betonte der Geschichtsprofessor Robert Cherny am Samstag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Der Historiker und Experte für Arnautoffs Kunst sieht es als einen Verstoss gegen ein kalifornisches Gesetz zum Schutz historischer Ressourcen, die Werke zu verdecken oder gar zu übermalen.

Arnautoff (1896-1979), der die Fresken 1936 schuf, habe als Künstler der Neuen Sachlichkeit die Gesellschaft in realistischer und kritischer Weise dargestellt, sagt Cherny.

Ein Entschluss der Schulbehörde im Juni, die "Life of Washington"-Fresken zu übermalen, hatte eine heftige Debatte und Proteste ausgelöst. Am Dienstag stimmte das Gremium nun mit knapper Mehrheit dafür, die Malereien zu erhalten, sie aber mit einer Verkleidung abzudecken. "Unsere Schulen müssen Orte sein, wo alle Studenten sich sicher und unterstützt fühlen", sagte der Leiter der Schulbehörde, Stevon Cook. Auch der Kompromiss, die Fresken zu verdecken, werde nicht allen Seiten gerecht, räumte Cook ein.

Einige Schüler hatten bekundet, die Bilder von schwarzen und indigenen Unterdrückten zu sehen, sei für sie traumatisierend.

Mahnende Erinnerung an Unterdrückung?

Zu den Verfechtern der Wandfresken gehört unter anderem der schwarze Schauspieler und Aktivist Danny Glover (73), der als Jugendlicher die Schule besucht hatte. Sie zu vernichten oder zu verstecken, verglich Glover mit Bücherverbrennungen. Die umstrittenen Darstellungen seien vielmehr eine mahnende Erinnerung an die Unterdrückung von Menschen, sagte er dem Sender KPIX.

Cherny würde einen Kompromiss befürworten, die Wandfresken weitgehend sichtbar lassen und nur wenige Ausschnitte abzudecken. Vorerst könnte die Schulbehörde nichts unternehmen, sagt der Historiker. Er rechnet mit einer längeren gerichtlichen Prüfung. Solange wären Arnautoffs Kunstwerke weiter zu sehen sein.