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Unsere Weihnachtswarnung: Warum man mit Filmromanzen auf Netflix vorsichtig sein sollte

Wir lieben romantisch-schöne Weihnachtsfilme wie «Love Actually». Auf der Suche nach Alternativen auf Netflix sollte man aber vorsichtig sein.

Jana Avanzini
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«A California Christmas» mit Lauren und Josh Swickard.

«A California Christmas» mit Lauren und Josh Swickard.

Netflix

Nach dem jahrelangen Konsum des Weihnachtsklassikers «Love Actually» wäre ja Abwechslung ganz nett. Und Netflix bietet eine Reihe an weihnachtlich romantischen Komödien zur Auswahl. «A California Christmas» wird angezeigt – als zweitbeliebtester Film heute in der Schweiz. Der Titel hätte Warnung genug sein sollen. Für eine solche Produktion gibt es keine Entschuldigung. Wie kommt jemand dazu, einen solch unfassbar schlechten Film zu drehen? Entweder halten uns die Produzenten für mehr als massiv verblödet, oder sie haben sich selbst noch nie in der realen Welt bewegt.

Der Film-Baukasten für Netflix

Zur Verteidigung dieser Produktion muss man jedoch erwähnen, dass sie sich in guter ­beziehungsweise grausam schlechter Gesellschaft befindet: «A Christ­mas Prince», «Prinzessinnentausch», «My Christmas Inn», und «Christmas Wedding Planner». Die ­Ästhetik dieser Netflix-Produktionen ist die immer gleiche: glattgebügelte Menschen in tonnenweise Kunstschnee und Weihnachtsdekoration. Im Baukasten finden wir:

  • Einen glattrasierter Typen – vorzugsweise Prinz einer hübschen kleinen Monarchie, die aussieht wie der Europapark
  • Ein zartes Mädchen von nebenan – bescheiden, intelligent mit einem guten Herzen und vorzugsweise Vollwaise
  • Eine böse Cousine oder Kollegin und ein witziger Freund oder Butler
  • Eine Verwechslung oder ein Missverständnis.

Für Mutige gibt es auch Versionen mit zeitreisenden Rittern oder magischen Kalendern. «A California Christmas» hat etwas anderes ausprobiert. Ein bisschen trostloses Landleben, ein unsympathischer Typ, dazu der obligate Countdown bis Weihnachten.

Die Story in Kurzfassung: Ein verwöhnter, selbstverliebter Schnösel soll im Auftrag seiner erfolgreichen und natürlich gefühlskalten Mutter einer Bauernfamilie ihr Land abkaufen. Er gibt sich als Aushilfe aus und verliebt sich in die Bauerntochter, und umgekehrt. Die Lüge fliegt auf, sie ist untröstlich. Er entschuldigt sich und hilft ihr, die Farm zu be- halten.

So weit, so gut. Doch abgesehen von der platten Geschichte macht hier kaum etwas Sinn. So hat es die Bäuerin nicht hinbekommen, Dinge so zu arrangieren, dass sie ihre Arbeit auf dem Hof auch tatsächlich ausüben kann. Um an das Futter für die Kühe zu kommen, braucht sie eine Leiter. An diese kommt das arme Ding aber selbst gar nicht ran. Dafür braucht es einen starken Mann. Auf dem Milchbetrieb wird ausserdem kaum gemolken – und nur von Hand. Der Tierschutz hätte längstens eingegriffen.

Alkohol am Steuer, Jesus am Tisch

Vater und Verlobter der Hauptfigur sind vor einem Jahr bei einem Autounfall verunglückt. Was die verantwortungsbewusste Christin (vor dem Essen wird zu Jesus gebetet) nicht davon abhält, mit ihrem Neuen andauernd Alkohol zu trinken, bevor sie sich ans Steuer setzt. Dazu kommt der sexuell übergriffige Bösewicht, der sich zuletzt in einen wohlwollenden Liebeselfen im Weihnachtspulli verwandelt. Und natürlich hat Netflix es auch es bei dieser Billigproduktion hinbekommen, eine ältere Bauersfrau aus dem Niemandsland gestrafft und mit aufgespritztem Schmollmund zu besetzen.

Klar, Romantik ist die Hauptsache. Doch die Regie schafft es nicht, aus dieser plumpen Aneinanderreihung von vorhersehbaren romantischen und sexuell aufgeladenen Momenten eine nachvollziehbare Geschichte zu machen. Man müsste sie bedauern, die Darstellerinnen, doch ein Blick in den Abspann zeigt: Verantwortlich für das Drehbuch ist die Hauptdarstellerin selbst, und deren Ehemann mimt den verliebten Schnösel.

So bleibt nichts anderes übrig, als doch noch einmal auf «Love Actually» zurückzugreifen.