Fernsehkritik
Wie gut ist die neue «Wilder»-Krimistaffel? Unser Filmredaktor hat sich die SRF-Serie bereits angesehen

Diesmal jagt das Ermittlerduo Wilder/Kägi einen Serienmörder. Ein Mix aus Altbewährtem und Neuem macht Staffel 3 der SRF-Serie reizvoll.

Daniel Fuchs
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Zurück im Schnee: Rosa Wilder (Sarah Spale) und Manfred Kägi (Marcus Signer) jagen nun einen Serientäter.

Zurück im Schnee: Rosa Wilder (Sarah Spale) und Manfred Kägi (Marcus Signer) jagen nun einen Serientäter.

SRF

In dieser Staffel wird nicht lange herumgefackelt. Polizisten in Sturmhauben, ein tödlicher Sturz vom Balkon, ein ermordeter Polizist im winterlichen La Chaux-de-Fonds. Ein Jahr nach Staffel 2, kehrt Sarah Spale als Rosa Wilder zusammen mit Manfred Kägi (gespielt von Marcus Signer) zurück auf den Bildschirm. Diese drei Aspekte fallen auf und machen Staffel 3 sehenswert.

1. Wilder ist neu ein Thriller

Das Autorenteam um Béla Batthyany wählte für Staffel 3 einen neuen Ansatz. Die Geschichte ist kein Kriminalfall mehr, sondern ein Thriller. Hier der Teaser von SRF:

So viel darf man verraten: Es geht um einen Serientäter, den die Zuschauer recht früh bereits kennen. Diese Erzählform ist zwar alles andere als neu in einer Serie, der spannenden Geschichte zu folgen bereitet aber trotzdem Spass. Darüber hinaus geht es um Polizeigewalt: Doch ist der Mörder ein Polizeihasser oder ein Racheengel? Jedenfalls ist seine Figur (gespielt von Michael Neuenschwander) ein Highlight der ersten Folge. Er liefert Eier in die Polizeikantine und lebt in einem uralten Haus, weitab in der Einöde, zusammen mit seiner Familie. Wie aus einer anderen Welt taucht er in der Stadt auf, um zu töten.

In der verschneiten Juralandschaft tragen die Dorfpolizisten Fellmützen, über die verschneiten Landschaften fahren amerikanische Vans und Jeeps: Manches an Staffel 3 (Regie führte Jan-Eric Mack) erinnert an das US-Erfolgs-Spin-off des Films «Fargo». Film und Serie spielen im meist verschneiten Fernab-Bundesstaat Minnesota. Der abgelegene Jura eignet sich für ein «Schweizer Fargo» perfekt.

Szene vom Set: Sarah Spale im Gespräch mit Regisseur Jan-Eric Mack.

Szene vom Set: Sarah Spale im Gespräch mit Regisseur Jan-Eric Mack.

Keystone

2. Träfe Sprüche und ein lieb gewonnenes Ermittlerduo

Wiederum ermittelt der etwas verschrobene Bundeskriminalpolizist Manfred Kägi an der Seite der Profilerin Rosa Wilder. Das Wiedersehen bereitet Freude.

Dieses Duo tut dem SRF gut: Signer und Spale in einer Szene von «Wilder».

Dieses Duo tut dem SRF gut: Signer und Spale in einer Szene von «Wilder».

SRF

Rosa Wilder verbreitet zum ersten Mal sogar so etwas wie gute Stimmung. Liegt es daran, dass sie verliebt ist? Oder vielleicht eher am Kontrast zu Kägi, der diesmal eine traurige Gestalt abgibt? Was nicht nur seine Stimmungslage, sondern auch den Kleiderstil betrifft. Kägi scheint es schlechter zu gehen als auch schon. Eine Beziehung liegt hinter ihm und im neuen Fall wird Kägi von einer alten beruflichen Geschichte aufgeholt, erklärte Signer im Interview mit CH Media.

Immerhin: Kägi punktet auch diesmal wieder mit tollen Bemerkungen. Aus dem Lieblingswort der letzten Staffel («Schnudderi») ist es für dieses Mal eine ganz eigene Wortschöpfung fürs Smartphone geworden. Doch sehen Sie selbst.

3. La Chaux-de-Fonds ist eine faszinierende Jura-Stadt

Staffel 2 war die bisher beste. Auch die Vorkommnisse in Staffel 3 spielen sich im Jura ab, diesmal aber im Schnee. Grautöne, Eis und Spuren, die vom Schnee verdeckt werden: Sie bieten ein erstklassiges Ambiente für Thrillerstoff.

Macht was her: Die Architektur der Jura-Stadt La Chaux-de-Fonds.

Macht was her: Die Architektur der Jura-Stadt La Chaux-de-Fonds.

SRF

Gut gewählt ist auch das urbane, in der Deutschschweiz fast unbekannte Setting der Neuenburger Stadt La Chaux-de-Fonds. Die Häuserreihen, spektakulären Fassaden und tiefen Strassenschluchten, nach Schachbrett gemustert, sind ein Blickfang. Diese Stadt und die Jura-Region überhaupt gehören spätestens jetzt zwingend auf jede Liste von Ausflugszielen. Für einen Besuch aber besser bis im Frühling warten. Um zu erahnen, wie unwirtlich es da ganz ohne offene Bars und Bistros gerade ist, dafür reicht der Blick aufs aktuelle Wetter und auf «Wilder» im Fernsehen.

«Wilder», dritte Staffel. Sechs Episoden, jeden Dienstagabend auf SRF 1. Sämtliche Folgen, auch der vorgängigen Staffeln, gibt es auf der Streaming-App Play Suisse.