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Zurück zu den Wurzeln: Das Jüdische Museum der Schweiz zieht um

Das Jüdische Museum der Schweiz in Basel eröffnet voraussichtlich im Sommer 2023 in einem neuen, grossen Haus.

Tamara Funck
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Das Jüdische Museum der Schweiz zieht an die Vesalgasse 5.

Das Jüdische Museum der Schweiz zieht an die Vesalgasse 5.

Ana Laura Rivarola

Endlich vereint unter einem Dach! Das Jüdische Museum der Schweiz – lange an zwei Standorten – zieht in ein neues Haus an der Vesalgasse 5, unweit des Kollegiengebäudes der Universität Basel und des Spalentors.

Das ehemalige Tabaklager aus dem Jahr 1852 bietet auf 750 Quadratmetern und vier Stockwerken Platz für das gesamte Jüdische Museum: für Dauer- und Sonderausstellungen, für ein Schaulager, eine Bibliothek und Büros. Bisher fanden die Ausstellungen getrennt voneinander an der Kornhausgasse 8 und am Petersgraben 31 statt.

Schmuckstück zwischen Uni und Spalenvorstadt

Versteckt zwischen Gebäuden der Universität und der Spalenvorstadt dürfte das Haus selbst den Studierenden nicht aufgefallen sein. Doch hier verbarg sich über Jahre ein Schmuckstück: riesige, loftartige Räume, direkt im historischen Kern der Altstadt und nahe der heutigen jüdischen Gemeinde und Synagoge.

«Ich könnte mir keinen besseren Ort vorstellen», sagt Museumsdirektorin Dr. Naomi Lubrich begeistert und spricht von der symbolischen und poetischen Bedeutung des neuen Standorts. Das Haus stehe nicht nur im Herzen Basels, vielmehr befand sich hier im Mittelalter der erste jüdische Friedhof auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Jüdische Grabsteine aus dem 13. und 14. Jahrhundert wurden 1937 bei den Bauarbeiten zur Errichtung des Kollegienhauses gefunden.

Unscheinbare Fassade mit riesigen Innenräumen: das ehemalige Tabaklager.

Unscheinbare Fassade mit riesigen Innenräumen: das ehemalige Tabaklager.

Ana Laura Rivarola

Neues Haus, neue Installation

Die unscheinbare Scheune wurde im 19. Jahrhundert als Tabaklager erbaut und befindet sich in Besitz der Schwestern Weber-Tramèr und Baumgartner-Tramèr, deren Urgrossvater und Grossvater als Kaufmann tätig waren. Interessierte können an ausgewählten Sonntagen das Haus bereits jetzt schon besuchen. Die Pop-up-Installation «Buchstäblich jüdisch. Eine Deutungsgeschichte» thematisiert, wie der Begriff «jüdisch» über 400 Jahre Lexikongeschichte immer wieder neu definiert wurde.

Im Herbst weicht die Installation dann den Bauarbeiten. Das alte Holzlager wird unter Auflagen des Denkmalschutzes stark umgebaut und bekommt eine neue Innenhülle. Für den Umzug und den Betrieb bis 2033 werden sechs Millionen Franken kalkuliert, die von privaten und öffentlichen, jüdischen und nichtjüdischen Partnerinnen und Partnern kommen.

1966 wurde das Jüdische Museum der Schweiz als erstes jüdisches Museum im deutschsprachigen Raum nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnet. In der Vesalgasse bekommt es bald ein Daheim, das seiner Bedeutung Rechnung trägt.

www.juedisches-museum.ch

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