1 Virus - 100 schicksale
«Die Bettenkapazität schwindet, das ist besorgniserregend»: Tabita Tinner (29), Expertin der Intensivpflege im Spital Frauenfeld

Tabita Tinner erzählt, wie die erste Coronawelle den Arbeitsalltag auf der Intensivpflegestation (IPS) veränderte.

Sabrina Bächi
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Tabita Tinner, diplomierte Expertin Intensivpflege.

Tabita Tinner, diplomierte Expertin Intensivpflege.

Bild: PD

«Während der ersten Welle hatten wir etwa acht oder neun Covid-19-Patienten gleichzeitig. Das war sehr anstrengend. Denn für die Pflege dieser Patienten mussten wir immer in plastifizierte Anzüge schlüpfen. Mit der Zeit wird es sehr heiss dort drin, man wird patschnass – es war sehr ermüdend. Das ist aber nicht so schlimm. Schlimmer ist, wie abhängig wir vom Material sind. Wir mussten teilweise sehr sparsam damit umgehen. Covid-19-Patienten bleiben fast alle einen Monat auf der Intensivpflegestation. Das ist eine lange Zeit und die Bettenkapazität schwindet, das ist besorgniserregend. Krass fand ich, dass all die Patienten, die wir normalerweise auf der IPS pflegen, während ein bis zwei Monate einfach nicht mehr da waren. Wo sie geblieben sind, weiss ich auch nicht. Im November habe ich die Stelle gewechselt. Derzeit soll es auf der Intensivpflegestation noch schlimmer sein, denn viele Mitarbeiter sind selber erkrankt und fallen aus – und es ist kein Ende in Sicht.»

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